Die ‚Rheinland-Pfalz’ … das schönste Schiff der Flotte.

 

As mi dit Särgen ut us Bladdje vörmörgens in d’ Ooch sprungen is, dor is mi dat eersmoal kold de Pukkel andoalschuurt,.bevöör ikk dat mit mien lüütji Verstand dat rechte Rebett toörnen kunn.

Wu köänen Minschen su een „griesen Wulf“ – so as de Kreechsschkeepen noch bit 45 bi us  nöömt worden sünd – un de van ünnern bit boaben mit Doodscheeters vullpakkt is, blods as Moi benöömen? Wat sünd denn de Schkeepen in Witt, up de de Minschen sükk höögen, wenn see dor an Bord sünd üm de lüütji Welt manken de Wanten un Planken  un de wiede See to geneeten? Mooten de ok eers mit Kanon’n bestükkt un feldgries anfaarft warden, bevöör de Minschen särgen, dat is een moied Schkipp? Word de griese Wulf nu ok een Pries ümhangen – vanwägen „Miss Kreechsschkipp“ ov so – ov kricht dat Schkipp föör elker Tonnoasch, de see mit hör Kanon’n up de Seegrund stüürt hett, een Krüüz up d’ Liev magelt – su as dat bi de „moien Fleegers“ hier un annerswons moakt wur und woll noch moakt ward?

Ovwoll … verstoahn kann ikk dat woll son bietji – sünd wi doch nu, niks anners as bit fiefunveertich ok, een Landje dat sükk in een blöderken Kreech befinnen deit – un dor kann dat doch blods ton Endsieg verhelpen, wenner de Minschen in d’ Land tominnst all moal de Kreechsschkeepen as moi ankieken.

 

ewaldeden

 

Der Erwachsenen Trugschluss …

 

Die Großen denken ich bin noch zu klein

und versteh’ nicht was sie auf Platt sich erzählen -

drum hauen sie immer kräftig rein

und geben nicht Acht beim Worte auswählen.

Ikk sitt denn in d’ Hörn

un tüdel wat mit mien Puppen torecht -

doch mien Kopp de leustert noa achtern un vöörn,

un wat dor so sächt word, dat is gannich schlecht.

So weiß ich denn schon oft Tage voraus -

die anderen die wundern sich immer -

was geschieht und was nicht in unserem Haus,

und verkriech mich, wenn’s sein muß, im Dachbodenzimmer.

Mien Opa de hett woll all Oahnung van dat -

he kikkt mi nämich foaker plietsch an,

wenn ikk üm sien Beenen striek as us Katt -

ikk denk mi he weet,

dat ikk dat meeste Särgen all inwesseln kann

 

ewaldeden

 

Die Zwerge unter dem Gossenstein

 

aus:   Ut ôler Welt. Volksmärchen, Sagen, Volkslieder und Reime. Herausgeber:  Otto Nöldeke

Erscheinungsdatum:    1910

Verlag:       Lothar Joachim

Erscheinungsort: München

 

In einem Hause wohnten Zwerge unter dem Gossenstein in der Küche. Das Dienstmädchen goß immer das schmutzige Wasser hindurch und verbrannte die ausgekämmten Haare. Eines Tages wurde sie zur Zwergenkindtaufe geladen, und der Pastor, den sie um Rath fragte, sagte ihr, sie dürfte wohl hingehen, sollte aber nichts essen, was die Zwerge nicht selber anrührten und ihr geben würden. Als sie zu Tische saßen, sah das Mädchen auf einmal einen schweren Stein an einem seidenen Faden über ihrem Kopfe hangen. Da sprach der Zwerg zu ihr: »Wie dieser Stein, so hängt dein Leben an einem seidenen Faden, hättest du etwas gegessen, ohne daß ich es angerührt, so wär’s dein Tod gewesen. Auch mußt du mir versprechen, kein schmutziges Spülwasser mehr durch den Gossenstein zu schütten oder die Haare zu sengen, sonst wird dir’s schlimm ergehen.« Das hat das Mädchen versprochen, und als es fortgegangen, haben ihm die Zwerge Hobelspäne mitgegeben, die sind nachher zu Gold geworden.

Ich bin der Schluckspecht Gossenstein -

ich schluck und schluck bis an mein Ende.

Mensch schüttet alles in mich rein,

was ihm gerät in seine Hände.

Er fragt nicht, ob es mir auch schmeckt -

auf mich nimmt niemand eine Rücksicht -

die Hauptsach’ ist, es ist verdreckt,

auch wenn es mir den Abfluß bricht.

Man nutzt mich für ein schmutzig’ Werk -

versteckt sich hinter meinem Rohr

und glaubt, dass ich es nicht bemerk’ -

kommt dabei furchtbar klug sich vor.

 

ewaldeden

 

 

 

Nicht immer, aber oft …

Die Sonne bricht durch dunkle Wolken,

sie bahnt sich krachend ihren Weg -

ihr Strahlen schmeckt

wie Sahne, frisch gemolken,

nach der Katze sich die Schnute schleckt.

Mit den Enden ihrer Lichtefinger

berührt sie was im Weg ’rumliegt,

ob’s dicke oder krumme Dinger

die jemand g’rad gerade biegt.

Sie teilt in ihrem hellen Wahn

nicht ein in Gutes oder schlecht -

sie zieht gemächlich ihre Bahn

und macht es damit allen recht.

 

ewaldeden

 

 

 

Was hat nur einen solchen Wandel bewirkt?

 

In der deutschen Presselandschaft sowie in der Hörfunk- und Fernsehwelt hat in den zuletzt vergangenen Jahrzehnten ein nicht zu übersehender und nicht zu überhörender Wandel stattgefunden.

Es wird auf Seiten der Berichter nur noch selten mit scharfer Klinge gefochten. Wenn denn überhaupt noch Kämpfe ausgetragen werden, dann benutzt man in aller Regel bevorzugt Theaterwaffen, Gummischwerter oder Pappdolche. Das Bestreben der modernen Journalisten – gleich auch ob in Schrift, Ton oder Bild – scheint mehr und stärker in Richtung Diplomatie abzudriften. Ich schreibe bewusst ‚abdriften’, weil eine solche Entwicklung, eine solche Anpassung schnell zur Liebedienerei gegenüber dem Gelde wird, und unweigerlich zum Ende jeglicher kritischer Berichterstattung führt. Nur klare Worte wachsamer und kritischer Journalisten und  eindeutige Benennungen der Dinge und Geschehnisse können eine von den Drahtziehern und Hintermännern in Politik und Finanzwelt offenbar erwünschte und geforderte Vernebelung der Tatsachen und Verdummung weitester Bevölkerungskreise verhindern.

DAS ist aber nirgendwo mehr gewollt – und im weitesten Sinne ist ja  das ‚Verblöden’ auch schon erreicht, wenn man bedenkt, dass selbst die Masse der so genannten Volksvertreter in den Parlamenten zumeist nicht mehr weiß, worüber sie abstimmt – wenn man sie denn überhaupt noch den Arm hochheben lässt.

In aller Geschichte hat diplomatisches Geschick es stets mit Ungeschick zu den größten Völkermorden und blutvollsten Kriegen kommen lassen. Diplomaten sind die überflüssigste Spezies, welche der menschliche Erfindergeist je hervorgebracht hat – zumal der diplomatische Dienst von den Regierenden allerorten dazu benutzt wird, um unliebsam gewordene Widersacher aus den eigenen Reihen, oder als unfähig eingestufte Flachpfeifenpolitiker jeweiliger Zwangskoalitionspartner aus dem Verkehr zu ziehen, sie zu entschärfen und zu Blindgängern zu machen. Beispiele gibt es deren ja genug.

Ich habe trotz allem die Hoffung noch nicht aufgegeben, dass irgendwo - und hoffentlich nicht erst irgendwann - eine neue, eine unbedarft kritische und der Wahrheit verpflichtete Journalistengeneration das Bild der Presselandschaft prägen wird.

 

ewaldeden

Die Sonne liegt noch in der Koje,

den Morgen wieget See’es Gang -

liegt noch vertäut an Nachtens Boje,

mitten im Grün von Meeres Tang.

Die Fische in der Wasserwelt,

sie schlängeln sich durch Tiefes Gründe -

der Himmel spannt sich wie ein Zelt

über menschbedroht’ Natures Pfründe.

Das schillernde der Wellen Kämme,

das irisierend’ Meeres Grün

durchbricht mit Macht des Fühlens Dämme

und läßt die schönsten Träume blüh’n.

Wenn der Morgen dann die Anker lichtet,

nimmt Kurs, auf in den Tag hinein -

die Bläue dann die Stunden schichtet

hoch auf, in Taggestirnes golden’ Schein.

 

ewaldeden

 

 

Notwehr …

 

Schickt den Euro in die Hölle,

die Banker jagt gleich hinterher -

und das nicht zögernd, sondern schnelle,

sonst betrügen sie noch viel mehr.

Sie bauen himmelhohe Türme

aus Marmorweiß und Schwermetall -

zertreten Menschen wie Gewürme,

bei uns im Land und überall.

Sie haben Null Moralbedenken,

einzig weiß ist ihre Weste -

und die Vertrauen ihnen schenken,

denen bleiben nicht mal Reste.

Sie greifen sich der Staaten Macht

und geben sie in korrupte Hände –

doch hört nur, wie der Teufel lacht,

wenn er vergoldet seine Wände.

Rings um uns her und mittendrin

sieht man die geldesgierig’ Fratzen -

sie lecken mit Zerstörersinn

sich die blutverschmierten Tatzen.

 

ewaldeden

 

Eine Bruchbude …

 

Europa ist ein schlechtes Haus,

gebaut aus bröselndem Gestein -

erweist sich mehr und mehr als Graus,

wann wird der Abriß fällig sein?

Die Mauern zeigen tiefe Risse,

die Decken hängen alle schief –

im Bau bekommt man kalte Füße,

vermüllter Keller stinkt und mieft.

Der Wohngemeinschaft Hausvorstände

woll’n das krampfeshaft kaschieren,

sie füll’n mit Giftmüll rissig’ Wände –

und künden, es wird nichts passieren.

Drum bleibt, es bald – vielleicht schon Morgen –

abzureißen,

und als Sondermüll dann zu entsorgen.

 

ewaldeden

 

 

Rio20 – Acapulco 2012

 

Schwachsinn mit System?

Blödsinn mit Ansage?

Oder Unsinn mit Zielsetzung?

Das wär’ ein wahrlich schlicht’ Benennen,

mit eingebaut’ Entschuldigung,

wär’ des Verbrechens Huldigung,

und würd’ jede Moral verbrennen.

Es ist schon böse Hinterlist,

die ständig produziert den Mist

der, lang zuvor schon aufgesetzt,

akribisch wird mit Welt vernetzt.

Man traut sich, Lügen anzupreisen,

die offensichtlich stinkend faul

die man verbind’t mit Luxusreisen

und stopft dabei sein gierig’ Maul.

Natur bleibt ständig auf der Strecke –

man hört das Denken ‚Mensch verrecke’-

verrecke, wenn Du das nicht frißt

was letztlich für Dich übrig ist.

 

ewaldeden

 

Mittsommernacht

 

Ab heute werden die Tage schwinden ,

die Dunkelheit gewinnt an Raum -

bis Sommers Wärm’ in allen Winden

nur noch ist ein Sehnsuchtstraum.

Genießt die Stunden in der Helle,

auch wenn ihr Schatten nur vertragt -

denn ruckzuck und auf die Schnelle

wird Winter wieder Alltags Plag’.

Dann fehlt des Frühlings zartes Sprießen –

des Sommers Grün und Herbstens Bunt,

dann werden keine Bäche fliessen –

nur auf dem Eise geht’s dann rund.

Doch was ist solch ein Eisvergnügen

in dick vermummelt Winterpelz,

gegen das „in der Sonne liegen“

und schlecken an Kunsteises Schmelz.

 

ewaldeden

 

 

 

Nach dem Tag des offenen Hofes

 

Ein Minister war auf uns’rem Hof -

ich fand den aber ziemlich doof,

sagt Klein-Frieda, Heinis Schwester -

für mich bist Du mein Allerbester.

Was haste gegen diesen Mann,

fragt Heini seine Schwester dann -

ach weißte, kann sie ihm nur sagen,

der stellte nur so blöde Fragen.

Der wusste nix von Bauernsachen,

war immer nur verdreht am lachen.

Froh war ich, als er wieder weg,

denn so’n Besuch hat keinen Zweck.

 

ee

 

Jakob äugt nach allen Seiten -

tief in die Tief’ -  hoch in die Höh’ -

all’ was ihm dräut äugt er beizeiten,

sogar die hüpfend’ Vogelflöh’.

Nichts macht ihn flüchten,

nichts ihn verschreckt -

in seinen Süchten Leben steckt.

Das Auge spiegelt dunkles Wissen,

das Gefieder Schiefers Grau -

Welt sollt’ dies’ Wesen niemals missen,

wie Sonne nicht den Sonnentau.

Mensch sollt’ es hegen

und es pflegen –

sollt’ ihm auch mal zu Diensten sein -

nur so bewahrt er Schöpfers Segen

und schleift so manchen Wegesstein.

 

ewaldeden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Een neeän Dach …

 

De Steerns de lüchten hell an d’ Hääven,

net as de Süchten in us Lääven.

See tinkeln as dien blenkernd Troanen,

wenn di dien Haartblood överlöppt -

see trüllern över Wulkens Boahnen,

wiel Dach sinnich de Dach verschlöppt.

See seilen sinnich up de Grund -

dör d’ Sünnenlucht rein tinkelbunt -

hangen sülvern an Bloaden un Takken

un drüppeln ok woll in dien Nakken.

Du spöörst, dien Blood faangt an to ruusen

un lett di dör de Doagen suusen -

du  weetst dat niks di hollen kann

un geist de Dach mit Höögen an.

 

ewaldeden

 

 

Das deutsche Geschirr

 

Die „Tassen“ in unser’m Berliner Schrank

sind alle gesprungen –

und wären sie Menschen, dann wären sie krank

wir haben partout dort kein „Vorzeig-Geschirr“

alles ist rissig und abgestoßen

das ganze Service erscheint nur noch irr

ohn’ Makel ist nur die Sauciere für die billigsten Soßen

eine Tafel, mit diesem Schrott eingedeckt

die zeigt doch wess’ Geistes des Hauses Mamsell

honorig’ Besucher werden nur noch verschreckt

und suchen das Weite ganz schnell …

 

ewaldeden

Gewahrter Friede ..

 

Die Kiesel roll’n den Bach entlang,

des Wassers Murmeln als Begleitung -

Bewegung rommelt sie blitzblank -

es ist wie Schmucksteins Aufbereitung.

Sauber sind des Baches Ränder -

Farne wiegen sich im Wind,

der Schäfchenwolken weiße Bänder

zieh’n durch des Himmels Blau geschwind.

In hoher Bäume mächt’ger Kronen,

über jahrhundert’ altem Stamm,

lässt sich vor und trefflich wohnen,

so gut wie hinter sich’rem Damm.

Der Elster Scheckern bricht die Stille,

krächzend fällt der Rabe ein -

er warnt vor freches Buben Zwille,

die dieser lädt mit Baches Stein.

So bleibt sein Tun ein sündig’ planen,

er trollt sich Richtung Heimes Haus -

schon voll des bittersüßen Ahnen

von Stock auf Hintern – oh welch Graus.

 

ewaldeden

 

Ein Gefühl ist tief ins Herz gebrannt,

auf ewig spürt man diese Zeichen -

irgendwer hat es als Liebe benannt

und diesem Empfinden kann keiner weichen.

Es macht Vergangenes lebendig

und malet lässig neue Bilder -

es treibet um und um beständig,

Mal zärtlichleis und mal lautwilder.

Vergangenes ist stets so nah,

dass es fast schon Zukunft zeigt -

ist nicht nur das, was gestern war,

wenn leicht das Rot zu Kopfe steigt.

Man hört den Pfiff des ersten Sehen

und drehet sich verwundert um -

weiß dann genau, es ist geschehen,

weil man laut fühlt des Herzen Bum.

 

ee

 

Der JWP –der „große Traum“ …

 

Die Eröffnung wieder mal verschoben –

wie lachhaft wird die Sach’ denn noch?

Da hab’n sich viele doch verhoben –

der Küche fehlt ein guter Koch.

Noch gar nicht fertig, schon marode –

wie der Gesellschaft Niedergang.

Genau wie ein Minister Bode,

der irgendwie doch irgendwo krank.

Da hilft auch kein Regierungschef,

kein Bremer und kein Hannov’raner –

auch die könn’ns nicht aus dem Eff- eff,

so wird Vertanes nur vertaner.

Selbst die, die sich mit Titeln schmücken,

ob es Professor oder Dipling –

das Werk noch mehr ins Abseits rücken,

weil es von Anbeginn verkrüppelt’ Ding.

Doch niemand traut es sich zu sagen,

scheut Kind beim Namen zu benennen –

da darf man sich doch langsam fragen

wie lange woll’n die denn noch pennen?

 

ewaldeden

 

Der Behörden Eigenmacht …

 

Der Druck, er steigt von Fall zu Fall,

es wächst die Wut auf „die Behörden“ -

wann kommt der große Bürgerknall

gegen deren Drohgebärden?

Wann ist der Siedepunkt erreicht?

Wann müssen diese „Macher“ zittern,

dass durch ihr Amt ein Sturmwind streicht –

ähnlich reinigend’ Gewittern?

Der sie dann treibet in die Wüste,

wo sie ihr Leben können darben -

fern der zerstörten heimisch’ Küste

die verschandelt sie, durch tiefe Narben.

Wann ist des Unmuts Fasse voll -

wann steht Volk auf und zeigt Courage?

Längst überschritten ist das Soll

und mehr als schief die Rechteslage.

 

ewaldeden

 

 

Ich verbiege doch nicht meine Erinnerungen,

um einem anderen Denken dienlich zu sein.

ee

 

 

Alarmstufe „ROT“

so schreibt ein Geist mit weitem Blick -

gar bald ist hier die Freiheit tot,

dreht Regierung nicht SOFORT zurück.

Stoppt sie nicht gleich die Wahnsinnstaten –

die sie vollbringt mit Geld verschleudern -

serviert nicht mehr den Satansbraten

den rücksichtslosen Wertvergeudern.

Indess’ gibt es nur wenig Hoffen –

das kann man deuten wie man will –

hier ist niemand mehr für Einsicht offen,

und Masse Volk schweigt einfach still.

Der Bürger der gepeinigt wird,

hat scheinbar nicht mehr eig’nes Denken –

wie gebannt er auf die Teufel stiert,

die’s Land in die Vernichtung lenken. 

Ganz gleich die Farbe auch, der Fahnen

ob Rot, ob Grün, ob Schwarzgelbblau

es ist schon wissen, nicht mehr ahnen –

kein’s Worte glaub, und nicht vertrau.

 

ee

 

 

Irgendwo ….

Fahle Blässe überzieht ihr Gesicht

man könnte meinen …

doch nein, das ist es nicht –

es ist nicht das Gebläue der Leuchtreklamen,

nicht das gepuderte Weiß der vornehmen Damen –

es ist das Leid, das ihre Züge geprägt -

es ist der Verlust, mit dem das Schicksal sie schlägt.

Es waren ihr Mann und zwei ihrer Söhne,

die schon vieles gekannt – doch niemals das Schöne.

Heillos verfeindet bis ins hinterste Glied,

standen sie sich gegenüber - ohn’ Hoffen auf Fried’.

Jeder gab vor, seine Heimat zu schützen –

Doch was sie da taten – wem tat es nützen?

Denn in beider verworrenem Hintergrund

hockt ein Moloch, mit geiferndem Mund –

drauf wartend, dass man seine Waffen gebraucht -

drauf hoffend, dass niemals die Mordlust verraucht,

die von hinten er nährt mit Lust auf Gewinn –

und solange DAS währt, machen Kriege auch Sinn.

 

ewaldeden

 

 

 

 

Abschied vom Nordland

 

Es zieht mich nach Norden

es zieht mich nach Haus

die Schönheit des Landes

macht trunken

ich steh’ an Deck

in des Sturmes Gebraus

hab’ oft schon vergebens gewunken

die Sonne

sie will nicht versinken

am Horizont hält sie sich fest

einmal muß ich noch winken

bevor mein Traum mich verläßt

um mich herum nur die Wellen

um mich herum Einsamkeit

im Wasser - dem mittsommerlich’ hellen

macht meine Sehnsucht sich breit

ich weiß nicht

wie soll ich’s beschreiben

durch mein Herz

geht ein schmerzhafter Stich

ich lasse mich einfach nur treiben

und denke

ich denke an dich

 

ewaldeden

 

 


 

Am alten Hafen …

 

Die Steine grün von Algen

ein Kutter dümpelt still

an Bord noch schemenhaft die Taljen

die Taue drüseln schlaff im Spill

 

Die Ankerkette aus dem Klüver

hängt rostrot nun seit Jahren schon

kein Käpt’n Rass und kein Hein Stüver

drehen mehr an Rohr und Kron’

 

Das Fanggeschirr am Ladebaum

reibt quietschend sich im Lüftehauch

der Kessel steht im leeren Raum

über dem Schornstein fehlt der Rauch

 

Die Dalben dort am Ankerplatz

geschundene Gestalten

als hüteten sie einen Schatz

als würden sie die Zeit verwalten

 

ewaldeden

 

 


 

 

Am falschen Ort . . .

 

Ich stehe hier an Meeres Säumen

mein Innerstes ist weit von hier

ach könnt’ ich endlos Sehnsucht träumen

ach wär’ mein Sein ohn’ End’ bei dir

 

 

Ist mir als ob ich hüllenlos

wohl über Welten schwebe

der Zwang in mir wird riesengroß

flieg’ übers Meer und lebe

 

 

Ich kann mich wenden still und dreh’n

will alles das vergessen

muß immer wieder rückwärts geh’n

von Nordlands Weiten sinnbesessen

 

 

Mein Traum der harret der Erfüllung

durchdringt mich bis ins kleinste Haar

ist weit entfernt von jeder Stillung

fesselt mich - so Jahr auf Jahr

 

ewaldeden

 


 

Das verlassene Dorf . . .

 

Ein Schleier liegt über den Dünen -

vom Meer zieht Nebel grau ins Land,

die Möwe fliegt mit großem kühnen

Bogen über Deich und Strand.

 

Noch schickt der Turm in hellen Bahnen -

sein Licht zum Horizont hinaus,

der Wellenkämme weiße Fahnen -

seh’n wie Gespensterreiter aus.

 

Im Hafen - wie gestrandet’  Wale -

die Kutter liegen auf  dem Schlick,

die Lampen wie gespenstisch kahle

Augen, mit verlor’nem Blick.

 

Die Fischerhäuser sind verlassen -

aus Fensterhöhlens Einsamkeit,

sieht man die Zukunft hier verblassen -

Leben hier liegt lang schon weit.

 

Zehn Alte - deren Weg bald endet -

die sieht man noch - in Dorfes Rund,

die Jungen hat die Welt verblendet -

mit ihrem Machwerk - ganz in bunt.

 

ee

 


 

Dat lüütji Dörp

 

Dat lüütji Dörp dor an d’ Diek

dat tellt noch keen twintich Hüüs

hier is nümms grood un ok keeneen  riek

un in de meesten hör Koamers un Schappen

dor schmachten sogoar de Müüs

Bookweetengöärt un Karnemelksbree

dorvan mooten de Minschen elker Dach lääven

statt Schoo anne Footen droagen see Klumpen

elektrisch hett man hör ok noch nich gääven

un Woater kummt nich ut de Leitung

dat mooten see ut de Pütt pumpen

de Pütt dor vöör dat ole Wertshuus

dat Weertshuus mit de spoakerken Schieven

in dat keen Mannsbild mehr vöör d’ Tresen sitt

in dat de Spinnkers sükk de Tied verdrieven

un blods noch de Störm de Dören upritt

in dat lüütji Dörp dor an d’  Diek

dor lääven noch söbentein oal Minschen

un twalf Wittfruun alleen

mit achtein halfjöährich Kinners

de sükk to Winachten all ganniks mehr wünschen

as villicht moal een Poar Strümp anne Been

 

ee

 


 

Dat lüütji Huus

 

Dat lüütji Huus in d’ Moor

up günntsied van de groode Kuul

wor an d’ Sömmerwäch de Törfbüld steit

un up d’ Warf de ole Eekenkoar

 

Dat Huus ünner de Barkenbööm

mit een Rägenbakk an d’ Buterdör

wor sükk up d’ Dakk de Rieder dreit

över drööge griese Reiten

mit dat Uulenlokk dorvöör

 

De lüütji Koat mit hör twee Koamers

wor in de Köäk dat Törffüür luntjiet

wor Moder Stint de ole Melkbumm

noch mit Sand un Sodoa schwientjiet

an dat de Tied vööröver geit

mit siene luude Klöären

oahn dat de Welt de Dach verdreit

mit sien verdreit Geböören

 

Dat Huus seech ik in Nachtens Droom

mien Kinnertied wee ik veel dor

seet jachternd in de Kaarsenboom

mien Buuk van aal de Kaarsen schwoar

ik wee up Opas Nakk an schwääven

as wenn mi sieden Flöägels droagen

flooch kreiend dör de Sömmerhääven

un mit mi dusend Vöägels floagen

mien Kinnertied de licht so wiet

ach – wee ik  doch noch moal so blied

 

Dit lüütji Huus in d’ Moor

dor an de geele Sömmerwäch

mit de deep utfoahren Spoar

wat licht di doran

Jung - nu säch

 

Mien Haart is in dit lüütji Huus

trüchbleeven

as ik wächgoahn bün

noa Joahrn in Weltens Störmgebruus

moot ik dorhen üm dor to leeven

hevv blods dat lüütji Huus in d’ Sinn


 

De knustige Toorn

 

De knustige Torn achter de Hoageldoornbuchten,

dor up de Grund van de Leechte,

tein Trää ovkant van de groode Schossee.

Dör de Finster blenkern de Luchten,

see droagen hör Lüchten wiet over de See.

Dor buten up dat ruuge Woater

steit Hinnerk stoafast achter d’ Rüür.

Dat word moal wäär een Settji loater,

bit he in Huus sitt – in d’ Sörch bi d’ Füür.

De Bulgen goahn hoch över dat Deck,

de Stiem steit stief van vörn,

dat Biboot danzt as maal achter d’ Heck -

wat schall dat noch geböörn?

Sien Froo sitt in Huus mit trillern in d’ Haart -

tein Stünn’n is dat all över de Tied

un jümmers is de Hääven noch schwaart.

Hör Hoapen licht mit Vertwiefeln in Striet.

Doch so up Schlach is dat still as in d’ Kaark -

de Störm hett sükk achter de Dünen verkroapen.

Keen Galpen in d’ Hörn – keen Oantengekwaak

un nümms is in dat Unwäär versoapen.

So geit dat denn mörgen wär rut up de See,

to joagen up Stint un Makrel’ -

van de Oostereems Kant bit noa d’ Minsener Ee

spöört man de Fischkerslüüds Seel.

 

ee


 

De Wind

 

Over de Kolken weiht suutje de Wind

de Grens hett för hüm keen Bedüden

he schmüstergrient as een lüütji Kind

man hört sien Lachen van wieden

de Blöömen nikkoppen wenn he hör eit

de Bulgen saacht över d’ Gröönland strieken

de Schoapen rüscheln sinnich dör d’ Reid

langs de hoogen Dieken

van d’ Eiland blenkert de Füürtoorn in d’ Lücht

de Sünn verkrupt sükk achter de Hääven

an d’  Siel de Minschen tohoop man sücht

hier hett man noch wat van sien Lääven

ee

 


 

Der ‚Rote Sand’

 

Der Heimat letzter Gruß,

der Heimat letztes Zeichen -

der Leuchtturm in der Deutschen Bucht.

Soweit seine Signale reichen

der Wanderer den Lichtpunkt sucht.

Erst wenn am Horizont verschwunden

der schlanke Turm in dunkler Nacht -

glaubt er den Abschied überwunden,

und fühlt, daß Hoffnung neu erwacht.

Hoffnung auf ein neues Leben,

in einer weit entfernten Welt -

doch wird man ihm dort anderes geben,

als das was er hier weggestellt?

Er weiß nicht was ihn dort erwartet,

im fremden unbekannten Land -

hofft nur, daß er ins Glück gestartet -

das in der Heimat er nicht fand

 

ee

 


 

Der Voslapper Leuchtturm

 

In unserer Jugend Kinderstunden

war er für uns der Freiheit Ziel

wie haben wir uns durchs Watt geschunden

und brackerten durch manchen Priel

oft sah’n wir aus wie schwarze Mohren

wenn wir erreichten weißen Strand

Muscheln saßen in den Ohren

und in der Badbux knirschte Sand

es konnte niemand mehr erkennen

wen er da nun vor sich sah

wir waren rein nicht mehr zu trennen

in blond und rot und schwarzes Haar

erst wenn das Wasser Klarheit schaffte

dann war’n wir wieder der und die

so mancher Strandgast Klötze gaffte

wenn Er war plötzlich eine Sie

 

ee

 


 

Die  See …

 

Schaue der See in ihr rauhes Gesicht

wenn der Nordweststurm in Zorn sie gebracht

sieh hoch auf den Kämmen der Wellen die Gischt

wenn Meeresgott Neptun sie wütend gemacht

höre ihr toben – höre ihr krachen

höre das Heulen des Windes

es klingt wie Teufels schauriges Lachen

oder wie weinen eines ängstlichen Kindes

wenn die Wogen stürzen ins Tal sich hinab

und unter sich alles vernichten

dann ist es so vieler Seemänner Grab

von denen die Menschen berichten

schaue der See in ihr lieblich’ Gesicht

wenn Südwinde machen sie schweigen

kein Wellenschlag die Stille hier bricht

kein Wind macht den Strandhafer neigen

kein Blau ist dann blauer

kein Spiegel so weit

am endlosen Himmel ein Seevogel schreit

die blinkenden Watten

der schneeweiße Strand

der lichtvolle Schatten am Dünenrand

schau in der See ihr eisig Gesicht

wenn Ostwinde machen sie starren

wenn in des Winters frostklarem Licht

die Schiffe im Eise knarren

wenn Schnee weht über sich türmende Schollen

den der Sturm über die Fläche hin treibt

wenn des Eisbrechers stampfen wie fernes Grollen

unter den Wolken hängen bleibt

wenn du das alles nur einmal geschaut

dann hat es dich zu fassen

egal ob es stürmt, ob es friert oder taut

du kannst von der See nicht mehr lassen

 

ewaldeden

 


 

Die Insel …

 

Türkisenes Wasser - schneeweißer Sand

blauender Himmel - rötelndes Land

das alles auf einer handvoll Fläche

zu umrunden im Bruchteil der Tagesbahn

die Menschen hier leben in ihrer eigenen Welt

bestaunt und beneidet von täglichen Gästen

die sich wundern daß es jemand auf Dauer gefällt

abseits zu sein von Rummel und Festen

bewundert von Wesen

die nicht mehr wissen wie’s geht

wenn Mensch der Natur gegenübersteht

ee

 


 

Sommermorgen am Siel

 

Die See liegt glatt wie ein Spiegel

die Flügel der Mühle stehen still

inmitten der ruhenden Schafe am Deich

sonnt sich behaglich ein nachtmüder Igel

der Leuchtturmwärter löscht die Laterne

er putzt ihre Scheiben, damit sie nicht blind

über der Kimm in seeweiter Ferne

spielt in bauschenden Segeln

ein säuselnder Wind

die Möven im Hafen ruhen sich aus

sie sitzen auf Masten und Schlengen

an den Leinen vor des Sielwärters Haus

sieht man die Leibwäsche hängen

der Hafenwirt öffnet die Bierkellerklappe

es naht mit poltern ein Pferdegespann

der Schulmeister klemmt seine Büchermappe

und geht gut gelaunt an sein Tagewerk ran

jedes Dorfkind sitzt schon in seinem Bänkel

mit sauberen Fingern und strichgradem Scheitel

hier und da tönt noch Wörtergeplänkel

über des Burmeisters Else – die ist nämlich eitel

der Schipper schrubbt rüstig sein Oberdeck

blitzsauber sein müssen die Planken

sonst bleiben ihm die Ausflügler weg

und bringen sein zollfrei’ Geschäft ins wanken

Krögers Stine, die pult frischen Granat

Krabbenbrot steht auf dem Frühstücksplan

garniert mit zwei Blättern vom grünen Salat

serviert sie’s den Gästen mit Schwung und Elan

wenn alle wieder weg in Richtung Jever

kehrt Ruhe ein ins Dörfchen am Siel

der Wirt spendiert seinen Leuten Genever

und Morgen beginnt dann aufs Neue das Spiel

ee

 


 

Drei di üm . . .

 

Achter d’ Diek de gröönen Wischen

de Bloaden krüüseln saacht in d’ Lücht

Schwaartbrod un Schink up schüürde Dischen

Lachen över d’ Land hen flücht

 

An de Dieken schloat de Bulgen

de Penners lüchten rod un geel

an d’ Hääven jachtern witte Wulken

dat junge Volk danzt up de Deel

 

Ut d’ Dörpkrooch hört man Puustmusik

 ov un to deit een Bescheed

hier is nümms aarm - un ok nich riek

hier singens aal dat sülvich Leed

 

Dat Leed van Heimoat un van Leev

dat singt man hier sied duusend Joahr’n

liekers wat dat Lääven dreev

ikk moot doch wäär noa Huus henfoahr’n

 

 

 


 

Ein Morgen am Deich . . .

 

Der Morgen hat mit vieler Mühe

sich von der dunklen Nacht befreit

in Nebelfeldern stehen Kühe

in Baumes Wipfel Krähenstreit

das feuchte Gras umspielt die Füße

man fühlt die Mutter Erde pur

sie sind wie zärtlich liebe Grüße

aus Gottes unberührter Flur

Stille liegt auf braunen Watten

der Deich -  er schlängelt sich dahin

er wehrt die See - vor der wir hatten

Respekt in unserem Kindersinn

die Möven segeln zu den Wolken

ihr kreischen macht den Tag mobil

über schimmernd schwarzen Kolken

streicht ein Kiebitz ohne Ziel

der Blick er streift den Horizont

verhält an schwarzen Muschelstrichen

bis dahinter -  dicht in  Front

ist das Meer zurückgewichen

im Sand am Flutsaum meine Zeichen

verschwinden in der Ewigkeit

nichts kann dauern –  muß stets  weichen

alles hier hat seine Zeit

 

ewaldeden

 


 

Ein vergessener Ort

 

Einsamkeit zerrt hier am Gemüt

verlassen der Ort bis auf wenige Seelen

früher da lebt hier ein stolzes Geblüt

wo Heute Verlassenheit ruht an den Pfählen

nur selten verirrt sich noch Boot oder Prahm

in das lange verschlickte Gewässer

vor Jahren da lag hier so manch stolzer Kahn

vor Jahren da war es noch besser

man sah Wimpel flattern

man hörte Musik

und vom Wind geblähte Segel laut knattern

da war es noch schön – hier achtern Diek

da war noch Leben im lebenden Priel

da gab es noch Kindergeschrei

doch Heut’ ist der Ruf einer Möwe schon viel

die Zukunft scheint hier schon lange vorbei

ee

 


 

Glaube, Liebe, Hoffnung

 

Nebel liegt  wie Brei über allem

Tröpfchen an Tröpfchen gewebt

knorrige Bäume ins Nichts gefallen

in endlicher Weite die  Sagenwelt lebt

vom Turm auf der Klippe der Düne

die Glocke erklingt - unendlich weit

zehn Männer da draußen tun Buße und Sühne

machen sich und ihr Schiff zum Sterben bereit

sie hören die Glocke in tobender See

sie lauschen mit schmerzenden Ohren

das Ruder gedreht von Luv hin nach Lee

drei Strich in Südwest liegt der rettende Hafen

noch sind sie nicht auf ewig verloren

an Backbord da brechen die  Wanten

die Wellen zerschlagen den Mast

der  Kiel knirscht auf des Riffes Kanten

von Deck verschwindet die Last

der Bug nicht zu sehen

das Heck schwebt auf dem Wellenkamm

für die Mannen unmöglich noch aufrecht zu stehen

Hände und Füße  eishart und klamm

plötzlich erschüttert ein ächzen das Schiff

es schüttelt sich und liegt dann ganz still

das Wasser verzieht sich vom sandigen Kliff

Neptun die Mannschaft doch noch nicht will

er wartet und lauert auf neues Versuchen

nie streckt er die  Waffen - ist ständig bereit

da hilft nur leis’ beten – vermischt mit laut fluchen

und Hoffen, daß Gott jede Reise begleit’

ee

 


 

 

 

Heimweh . . .

 

Das dunkle Rauschen der Wogen

schwebt über dem heißen Sand

es spannt sich wie ein Bogen

vom Meer aufs einsame Land

 

 

Verbindet die Elemente

ist Himmel und Hölle zugleich

Feuer und Wasser es trennte

berauschend und unendlich weich

 

 

Nur einmal die Mächte gespüret

die Ahnung von Endlosigkeit

nur einmal nach Hause geführet

im Herzen im Übermaß reich

 

ewaldeden

 


 

Nacht am Strand

 

Ich höre den Nachtwind leise grüßen -

Ich fühle wie das Meer mich lockt,

der Sand flieht unter meinen Füßen –

während Neptun auf den Wellen hockt.

 

Das Mondlicht tanzt auf den Kämmen der Wogen,

das Wasser spielt am Dünenrand.

Es scheint, das Leben hat mich betrogen,

ums Glück, das ich hier auf der Insel einst fand.

 

Ich suche jetzt die vergangenen Jahre,

vermisse die Wärme – entbehre das Glück.

Das Schicksal gibt mir am Ende das Wahre –

gibt mir die einzige Liebe zurück.

 

Ich lausche auf der Sterne Sagen,

der Himmel flüstert es mir zu.

Die Wolken meine Sehnsucht tragen –

denn wo sie sind,  da bist auch du.

 

Ich spüre deiner Seele Fühlen –

bist du auch weit, weit von mir weg,

ich muß mein dich begehren kühlen,

sonst sterbe ich an diesem Fleck.

ee

 


 

Inhausersiel …

 

Die letzten Höfe schwinden aus dem Blick,

vorbei an aufgelass'nen Häuslerstellen -

vorbei an aufgegeb'nem Glück –

führt uns der alte Klinkerpfad

in großen Bögen und in kleinen Wellen.

Jahrhunderte er gute Dienste tat.

Mit in die Marsch gedrückten Spuren -

hochgewölbt im Mittelstück,

so zieht er sich durch grüne Fluren -

die alte Zeit kommt nicht zurück.

Die Stimmung wie auf schlichten Bildern

von Malern - hier aus diesem Küstenstrich,

die Wassergräben sind schon am verwildern -

Natur - die ist hier unter sich.

Querab des Deiches grünes Band sich schlängelt,

als Wehr der Menschen gegen Wassers Macht.

Auf ihm sich Schaf an Schafes Kopfe drängelt -

versunken schon in der Geschichte Nacht.

Überragt von Spitzen einer Handvoll Masten

von Schiffen - die wohl hier zu Haus noch sind.

Wir fahr’n vorbei an manchem alten Kasten -

mit verstaubten Fenstern - Scheiben  stumpf und blind.

Drei Häuser noch - mit strohgedeckten Dächern -

die Jungen - scheint’s - sind lang’ schon von hier fort,

man sieht jedoch noch Heu in off’nen Fächern -

wir sind in einem weltvergess’nen Ort.

Der Junge dort - unter der großen Linde -

schaut uns mit krausem Haar und off’nem Munde nach,

er kaut – genussvoll still - ein Stückchen Rinde -

das er sich irgendwo im Garten brach.

Rechter Hand - weit auf - des Sieles hölzern Schlote,

noch gut geölt und relativ in Schuss.

An altersschwacher Hafenmauer liegen Boote,

weich - in grauem Grund - und wie aus einem Guss.

Hier und da an Molenköpfen

brutzeln Würste hoch am Stock -

dazu in schwarzen Eisentöpfen

siedet Wasser für den heißen Grog.

Ein Mädchen - zart - mit langen Flechten,

schleckt Eiskristalle - leuchtend bunt.

Groß wie der Mond in blauen Nächten -

sieht man ihren Erdbeermund.

Die Schipper haben geflaggt über die Toppen -

die Wimpel hängen alle schlaff im Wind,

ein Teddybär mit ausgefransten Noppen -

das Glück für einer Mutter Kind.

Vom Hafentor verliert sich in der Ferne -

in langen Jahren zugeschlickter Priel,

nur Birkenreiser - und keine Laterne -

begleiten ihn - vom Anfang bis zum Ziel.

Am Horizont die Wolkenbänke leuchten -

die Sonne badet sie in feuerrotem Licht,

die Wellen sanft die Watten feuchten -

sie spiegeln des Himmels Angesicht.

Die Möven steh’n als Silhouetten -

auf Dalben und auf Fahnenbaum,

zeichnen soubrettengleich die Schatten -

in diesen Sommerabendtraum.

Langsam fällt die Nacht hernieder -

auf sommerheißen stillen Ort,

da - jetzt hört man es schon wieder -

der Wind trägt weit die Klänge fort.

Ein Mädchen singt von Seemannsliebe -

und vom Glück als Seemannsbraut,

in stimmungsvolle weiche Töne

einer Harmonika gebaut.

Aus runden Bootskajütenfenstern -

streichelt gelbes Lampenlicht

grünbemooste Pfähle -

an denen man gebunden liegt.

Vom Andelgroden zieht in Schwaden -

der Duft von frisch gemähtem Gras,

die Luft ist knattervoll geladen -

man weiß nur nicht genau mit was.

Der Ort ist lange schon verschwunden -

und der Name auch schon fast,

die Erinnerung - sie ist gebunden -

ist das, was du auf Ewig hast!

ee

 


 

Jungmannszeit . . .

 

Ich bin oft in jungen Jahren

nächtelang zur See gefahren

immer wenn es dunkelte

mein Liebchen gerne munkelte

mußt' ich an Bord

fort

Oft in meiner Jungmannszeit

liebt ich zwei Mädchen - himmelweit

die eine wohnt in Haren

wo wir stets holten Waren

die andere saß auf Norderney

nah dabei

In meiner Fahrzeit als Matrose

hatt’ ich viel Schlag in meiner Hose

Genever floß in großen Massen

wir taten unsere Heuer lassen

an manch Schöner grüner Seite

pleite

Auf großer Fahrt als Feuermann

kam ich nicht an die Heuer ran

es wurd' schnell mal ein kleiner Berg

ich kam mir vor wie ’n großer Zwerg

manch Fäßchen Rum konnt’ ich dann kaufen

saufen

Und wenn ich wieder pleite war

immer war ein Dampfer da

so entstand Seefahrtsromantik

auf Nord - und West - und Südatlantik

an Bord so manches Lied gesungen

notgedrungen

Wenn ich heut’ im Kneipenschummer

erzähl von mancher Glanzesnummer

so ist das alles ganz weit fort

es war nicht alles so an Bord

ich bin weit durch die Welt gefahr’n

Seemannsgarn

 

 


 

Mien lütji Dörp …

 

 

 

Mien lütji Dörp mit de tein Huusen

mien lütji Dörp dat is nich mehr

wat wee dat moi in mien Besinnen

wat deit mi dat in d’ Haart woll säär

 

Een Määrsfolt un een hoogen Törfbüld

achter elker Huus ween de to sehn

de Röäk nu noch mien Denken füllt

wenn ikk mi an de Eekboom lään

 

De Boom is eenzich hier noch blääven

stollt kikkt de Kron wiet over d’ Diek

blods in hum seech ikk noch Lääven

wenn ikk so över d’ Land henkiek

 

Dat Kinnerlachen is verweiht

keen flutterich Wicht is mehr to sehn

keen Krööger mehr vör d’ Kroochdör steit

keen oal Minsch mehr good to Been

 

Ikk drei mi üm – moot eenfach goahn

mien Been’n sünd stief as Eekenhollt

mi rullt ut d’ Ooch een lütji Troan

ikk spöär – nu word dat Haart mi kollt

 

 

 

 

 


 

Nachtleben – Seemanns Landgang

 

 

Im Taumel der Liebe

trunken vor Lust

ob es so bliebe

hätt’ er’s nur gewußt

 

In nachtheißen Stunden

sich schlingende Leiber

hat man sich gefunden

der Trieb und der Treiber

 

Schweißnasser Körper Dämpfe

in brennendkaltem Neonlicht

es finden statt die Kämpfe

die er zu Hause hält für Pflicht

 

Nach schaurig süßen Stunden

in bunter Sinnennacht

hat oft schon er empfunden

dass hinter ihm man lacht

 

Er läuft mit hohlen Beinen

im Kopfe nur noch Stroh

er möchte von sich meinen

er würde nie mehr froh

 

 

 


 

Prisen

 

Wassertäler - Wellenberge

im Mondlicht blinkt der weiße Sand

auf Wogenkämmen tanzen Zwerge

Gott Neptun liegt am hellen Strand

 

Es irren die Lichter in den Klippen

so manches Schiff vom Kurs abkam

der Wind hat Lieder auf den Lippen

da strandete so mancher Prahm

 

Zerschlagen an der Felsenküste

liegt Schiff auf Schiffsleib Jahre schon

wenn man nicht um das Irrlicht wüßte

man hielte es für Teufels Lohn

 

Denn wie des Sensenmanns Gerippe

leuchten gebleichte Spanten - weiß

es scheint wie eine große Sippe

entsprungen aus der Hölle heiß

 

Den Menschen in dem Küstenstreifen

ist jede Prise lieb und wert

alles was sie sich ergreifen

auf jetzt und immer ihnen gehört

 

Das wohl auch in fernen Welten

manch’ Träne manches Auge feuchtet

mag Recht auch noch so rechtens gelten

an diesem Strand das Irrlicht leuchtet

 

 

 

 

 

 

 


 

Seemannslos

 

 

Der Wind pfeift schrill durch das Getakel

der Nordnordwest hält uns gefangen

das Schiff hat einen großen Makel

Klabauter ist von Bord gegangen

 

Die Ratten haben schon Tschüß gesagt

die Brecher werfen das Schiff hin und her

sich niemand mehr an Deck ‘rauswagt

man ist ein Spielball auf dem Meer

 

Das Ruder ist in Dutt gegangen

der Teufel das Schiff durch die Hölle hetzt

die Segel in den Masten hangen

vom Schlagen schon sehr stark zerfetzt

 

Die Mannschaft pullt sich die Hände wund

stemmt sich mit aller Kraft gegen die See

vergebens - es jagt sie der Höllenhund

ein letztes Messias - und Liebchen ade

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

Sehnsucht

 

Der Wind - er weht von Norden -

und ist doch gar nicht rauh.

Er zeichnet Geistgestalten

in des Novembers Grau.

Die Luft - sie riecht nach Ferne -

Gedanken brechen los -

sie wandern über Sterne -

benutzen sie als Floß.

Und dann - an fremden Ufern -

so neu und doch vertraut

hört man von stillen Rufern

kommt her zu uns und schaut.

Und wenn wir uns dann wagen

in diese Sehnsuchtswelt,

sind plötzlich wir getragen

hoch über Sund und Belt!

 

ewaldeden

 

 

 

 

 

 


 

Strandnacht

 

 

Der Wind schläft hinter Helgoland,

am Strand hört man bloß leises Schlagen -

der Fußabdruck im Dünensand

kann nur ganz kurz dein Hiersein sagen.

Der Wellen Krone blitzt im Licht

der silberhellen Sterne -

tausendfach das Leben bricht

von hier in alle Ferne.

Die Seelen der Mannen

die draußen geblieben -

da draußen in endloser See -

ihr Heil das sollte die Welt umspannen,

für Frieden nach Luv und nach Lee.

Es sollt’ alle bewegen,

sollt’ alle bestärken -

mit Gottes Segen

zu guten Werken.

 

 

 

 

 

 


 

Givt dat wat lekker’s?

 

 

Tee – dat is doch verrafftich een lekker Gedränk

wo schall ik jo dat am besten verkloaren

hört man von Menschen lautes Gezänk

dann weiß man fast sicher

bei denen hat Tee gewiß nichts verloren

denn wenn een Köpke Tee vöör een steit

„ostfriesische Mischung“ van Klöär un van Schmoak

up de een witt Wulkje sükk wiesen deit

keert man sükk de Düwel

üm anner Lüüs Soak

Tee – dat is wat för d’ Vergnöögen

jeden an d’ Toafel kikkt netso blied

un deit sükk över de annere höögen

wor Tee is dor givt dat keen Striet

Tee die heftigsten Wogen glättet

die krauseste Stirn verschwindet

als hätte der Herrgott den Ärger geplättet

Tee alles und jedes aufs feinste verbindet

Tee de sörcht stilkens för Ruh un för Frää

wor Tee drunken word

dor is allens up Stää

 

 

 

 

 

 

 


 

Traumwelt

 

 

Die Luft bewegt sich in zitternden Wellen

kein Wölkchen am Himmel - im Lichte dem Grellen

die Sonne beherrscht das Firmament

kein Strich mehr Himmel und Erde trennt

alles ist fließender Übergang

ob weite Strände - ob steiler Hang

das Rauschen der Brandung vereint sich im Wind

mit Tönen die aus der Ferne sind

die Laute der sich wiegenden Bäume

erwecken im Kopfe die herrlichsten Träume

die Natur - sie spielt ein großes Konzert

niemand die fleißigen Spieler stört

so erhofft man sich den Zustand der Welt

bis man dann aus dem Traume fällt

 

 

 


 

Verbundenheit . . .

 

Silbern funkelnde Sterne

nachtesheller Strand

die Wellen laufen von ferne

auf endlos weißen Sand

 

Strandkörbe stehen wie bunte Eulen

im watteweichen Mondeslicht

von Wattenbänken Seehundheulen

ihr Lied sich an den Dünen bricht

 

Am Strandkorb siebzehn ‘ne Laterne

beleuchtet still ein Liebespaar

er flüstert leis’ - ich hab’ dich gerne

und streichelt sacht ihr weißes Haar

 

Seit über fünfundfünfzig Jahren

ist dieser Strandkorb ihr Revier

wenn sie auf diese Insel fahren

verleben ihre Sommer hier

 

Sie haben hier in all’ den Jahren

viel schöne Dinge kommen seh’n

sie haben aber auch erfahren

daß viele Menschen mußten geh’n

 

Sie genießen hier jetzt jede Stunde

so - wie sie aus dem Himmel fällt

in dieser wunderbaren Runde

in dieser schönen Inselwelt

 

 

 

 

 

 


 

Ikk froach mi

 

 

Wat leev ikk eelich so an Oostfreesland

dit Landje an d’ Enn’n van d’ Welt

mit kladderich Rägen, Schietwäär un Stiem

un de Hääven foaken düster un schwaart

sünd dat de Minschen - sünd dat de Wieden

ov is dat eenfach dat oostfreeske Haart

ikk hevv mi dat nie noch nich sülven vertellt

ikk kann ok nich särgen woneem

ikk weet blods, dat ikk bannich muß lieden

wenn ikk nich mehr noa Oostfreesland henkeem

wat drivvt di dorhen - kriech ikk foaken to hörn

de Lüü dor kriegen hör Bekk doch nich oapen

see kieken di eder an as een Koo

luur’n göäksch achter di an

as weest du een Strieker ov een lichtfardich Froo

eers wenneer de Kööm hör Schnakkwoater givt

sücht man een bietji Lääven

un dat, wat denn ut hör Halsgatt drifft

versteist d’ nich un kanns niks up gääven

een büld Minschen buten Oostfreesland

de kummt dat so an - de seegen dat so

ikk do wat dortägen – foat hör bi de Hand

un wies hör Oostfreesland as een anner –

een moier Gedoo

 

 

 

 


 

Nacht am Deich …

 

 

Wenn der Nordwest mit brüllenden Tönen

und schauriger Macht die Wellen treibt

wenn Neptun mit seinen mächtigen Söhnen

hervortritt  und nicht mehr am Meeresgrund bleibt

dann horch einmal still in die Nacht hinaus

gehe hinaus auf den Deich

ganz hinten - weit hinter des Sturmes Gebraus

hörst du es klingen – sehr leise und weich

es klingt wie das singen verlorener Seelen

es klingt wie der Harfen zitterndes Spiel

es klingt wie Rufe aus heiseren Kehlen

es weht durch die Weite – es findet kein Ziel

kein Ziel in den endlosen Weiten der Meere

kein Ziel in der endlichen Tiefe der See

kein Ziel in der dunklen randlosen Sphäre

vergeht sacht wie auf der Haut schmelzender Schnee

zurück bleiben Spuren gelebter Gefühle

die zärtlich und zart die Erinnerungen feuchten

die dann in erschauernder Kühle

als Sterne am nächtlichen Himmel leuchten

 

 


 

Winter ade . . .

 

 

Über’s weite Land am Meere

weht schon linder Frühlingswind

in der Runde Blütenheere

die aus Nacht erstanden sind

 

 

An der Deiche grüner Mauer

bricht sich kläglich der Nordost

er schickt so manchen Regenschauer

es reicht nicht mehr zu kahlem Frost

 

 

Schwarze Kuppeln auf den Wiesen

zeigen uns des Maulwurfs Spur

erstes Grün in hohen Riesen

Lebenszeichen der Natur

 

 

Es sprenkelt bunt auf schwarzen Flügeln

der Star ist fröhlich heimgekehrt

im Geestland  - hinter sanften Hügeln

Frau Schaf die ersten Schäfchen lehrt

 

 

Nun haben wir bald überwunden

des Winters unbequeme Last

man sieht es an der Sonne Stunden

die täglich mehr ins Dunkel fasst

 

 


 

Am See

 

Wir geh’n Hand in Hand

durch den schwindenden Tag

mit verbundenen Seelen

und Herzensgleichschlag

am Himmel ein Licht

wie des Herdfeuers glühen

hoch in den Lüften

schnatternd die Wildgänse ziehen

die Luft ist so warm

wie Milch frisch gemolken

die Lerchen sie trillern und dudeln

wie von der Sonne trunken

über den Kolken

Wasser und Stille rings um uns her

der See scheint

wie ein glänzendes Rosenölmeer

die Espenblätter am Ufersaum schlafen

Musik und Gesang klingt leise vom Hafen

wir bleiben verliebt am Dünenrand steh’n

in deinen rehbraunen Augen

sind die Wolken am Himmel zu seh’n

am Bootshaus blinkern auf weißen Tischen

Windlichter die den Schatten der Bäume verwischen

am Steg im Wasser dümpelt ein Floß

der schwarzgrüne Wald scheint wie Brunnenmoos

es erfüllt mich ein Glück

ich bin endlos verliebt

ich will nie mehr zurück

solang’ es dich gibt

 

ewaldeden


 

Zu Hause . . .

 

Zartes Gefühl - wie blühende Weite -

weich wie ostfriesischer Sand,

die Heimat mir den Himmel bereite -

ich sehn' mich zum endlosen Strand.

Die Wellen streicheln wie innige Liebe

die Körper in sternheller Nacht ,

heißes Verlangen weckt zärtliche Triebe -

das Glück über'm Dünenkamm lacht.

Nie hab ich empfunden so inniges Leben -

wie hier zwischen Wasser und Land,

mag die Welt auch vieles mir geben -

Heimat ich nur zu Hause empfand.

 

Der Leuchtturm streut sein Licht übers Meer -

zeigt Schippern den Weg in den Hafen,

Ostfriesen kommen von überall her -

überall Ostfriesen sie trafen.

Ostfriesenland, du Waterkant -

wie lieb ich dich so sehr,

hast mir dein Bild ins Herz gebrannt -

der Abschied fällt mir schwer.

Muß ich einst gehn, dann schwör ich dir -

egal auch wo ich bin,

was in der Welt geschieht mit mir -

stets hab ich dich im Sinn.

 

 

 

 

 


 

Wo ist sie - die Zeit . . .

 

 

Ich liege im Grase - im Sommerwind -

die Sonne blinkert über die Wellen,

ich träum’ vor mich hin – ich fühl mich als Kind -

seh’ Fische aus dem Wasser schnellen.

 

 

Die Brandung malt Bilder in meinem Ohr -

ich höre dein heimliches Raunen,

wie Engelsgesang kommt es mir vor -

schickt mich von Staunen zu Staunen.

 

 

In mir ist Ruhe - verpackt in Gefühl -

wie kosen von zärtlichen Lippen,

der Männlichkeit Hitze wird wunderbar kühl -

du läßt mich am Lebensquell nippen.

 

 

Ein Feuerwerk schießt mich in traumhohe Höhen -

ein Staunen bloß - über die Säfte,

du läßt mich in goldene Tiefen sehn -

genießt meine liebenden Kräfte.

 

 

 

 

 


 

Winterdach in Oostfreesland

 

 

Wenn dat üm d’ Huus to suust un bruust

un buten is dat kollt un schroar

wenn de Störm üm d’ Dakk tohuult

denn steit binn’n up d’ Disch de Tee all kloar

de Mannslüü schküddeln sükk vöör Koal

see bäävern all vöör Ungedüür

denn sächt ut d’ Sofakuul de Oal

sett Jo man doal bi mi an d’ Füür

de Kluntji kniddelt in de Köpke

de Wulk van d’ Room is een Sömmerblööm

Opa gript noa d’ sülvstbraant Söpke

de annern kriegen een köfften Kööm

in d’ Piepen schmurgelt all de Krüllschnitt

Moder schufft de Krintstuut her

wat is dat lekker sächt de Schmitt

un laangt düchdich noa de Botterschmeer

kann dat noch wat moiers gääven

as so een Kring vull Bliedheit

in de man spöärt dat warme Lääven

ok wenn de heesterk Tied vöörbineit

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Sturmtag

 

Wie grauschwarze Tinte düstert der Himmel

grellweiße Blitze schießen herab

der alte Deichvogt auf seinem Schimmel

schaut über die See in ein klatschnasses Grab

er wittert und wettert vor den Sturmböen her

er kann seine Augen nicht lassen

von den Armen der Männer die in ständiger Wehr

Strauchwerk und Sandsäcke fassen

Die Deichkrone höhen - die Sieltore stärken

das ist ihr Bemühen seit Stunden nun schon

ohn’ zu verschnaufen sie werken

das nackte Leben ist ihr endlicher Lohn

das Land ist gerettet die Lücke geschlossen

die schwieligen Hände zu Fäusten geballt

wird schweigend der heiße Grog genossen

bevor ein „Geschafft“ zum Himmel erschallt

 

 

 

 

 

 

 


 

Een neäen Dach

 

Wenn de Lächte üm Oost de Nachten verdrifft

rieven sükk de Minschen de Schloap ut de Oogen

see stappen denn krägel in de Mörgen rin

wiel see weeten, dat dat niks bäters givvt

as Oostfreesland,

dat Land achter de Dieken, de hoogen

Vertroon, dat bestimmt hier dat Lääven

vertroon ok up gesächte Wöär

wat schull dat denn ok för een Gemengsel gääven

wenn Minsch nich mehr wuß, wat güstern geböör

wenn hier een wat sächt

dor kanns Huusen up boon

de stoahn noch in een poar hunnerd Joahr

kanns eenfach Oostfreesen in düstern vertroon

un wiel dat so is, is Oostfreesland heel moi

un dat Lääven nich schroar

 

 

 

 

 


 

Häst du di ok allmoal froacht?

 

Wat is eelich so moi an Oostfreesland

sünd dat de Bargen

de dat hier nich givt

is dat de Stiem

de de Räägen över dat Land hendrifft

sünd dat de Wulken

de de Sünn verdüstern

ov is dat de Röäk van Gülle

de mi de Nöäs deit verknüstern

wenn ikk mit meersnatt Footen

un iiskoole Been

in d’ Krooch rinstapp

denn fööl ikk mi so tomoal nich mehr alleen

denn bün ’k wäär in Huus

denn hör ikk wäär Platt

denn spöär ikk een stoafasten Minschenschlach

denn drücken mi Füüsten

de dat Knoien sünd wennt

de Lüü lachen mit wenn ikk lach

denn kriech ikk to weeten

dat mi jeden hier kennt

un denn bruk ikk mi nich mehr to froagen

woarüm ikk so geern in Oostfreesland bün

ikk bün hier am leevsten an elker Doagen

denn Oostfreesland

dat geit mi nich ut mien Sinn

 

 

 

 

 


 

Vergänglichkeit . . .

 

Nebel herrscht wie im Schattenreich

die Bilder verwischen

unendlich und weich

Außendeichs tutet ein Nebelhorn

es klingt so verloren -

mal achtern, mal vorn

du siehst nicht

wo Wasser und Land sich vereinen

an Gräsern hängen Tropfen

als würden sie weinen

man hört seine

eigenen Schritte nicht mehr

es ist alles versunken

im Nebel so schwer

du weißt nicht wo’s lang geht

die Zeit - sie steht still

als wenn sich Gott Neptun

die Welt holen will -

die Welt holen -

heim in sein Schattenreich

in dem Gut und Böse

auf ewig sind gleich

 

 

 

 

 

 


 

Unser Leuchtturm …

 

Fünfundfünfzig lange Jahre

hielt er die Wacht bei uns im Watt

dann machten ein paar nicht ganz gare

ihn über Nacht ganz einfach platt

er stand noch nicht einmal im Wege

bei dem was dort als neu entstand

und mit ein klein bißchen Pflege

wär er ein Schmuckstück für das Land

doch leider hat man ihn vernichtet

als zu gering fürs Gnadenbrot

obwohl er gerne noch berichtet

von Seemannsfreud und Wassersnot

einzig den Kopf mit der Laterne

den findet man weitab vom Meer

in Münchens weiter Baziferne

wiegt das Interesse nicht sehr schwer

drum lassen wir sie hoch und leben

die hohlköpfige Beamtenschar

denn taube Nüsse wird’s noch geben

wenn wir schon lange nicht mehr da

 

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Traumhaft . . .

 

 

Mein Denken geht die alten Pfade -

an Wassers Saum - durch feuchten Sand,

Erinnerung führt mich schnurgerade -

zu uns’rer Liebe Platz am Strand.

 

Ich fühle deine traute Nähe -

riech deines Wollens Wohlgeruch,

schließ meine Augen, wenn ich sehe

des Dünengrases Liebestuch.

 

Ich spür die Wärme deiner Haut -

hör die geliebte Stimme,

sie ist noch fern - doch so vertraut -

sie koset meine Sinne.

 

Deiner Haare goldner Schleier

hüllt mich und mein Empfinden ein,

meine Gedanken werden freier -

baden in hellem Sonnenschein.

 

Sonnenschein an Liebesstränden -

verpackt in Meeres Melodie,

ich halt das Glück in meinen Händen,

und weiß gewiß - es endet nie.

 

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  Tagerwachen …

 

 

In endloser Weite die schimmernde See

aus der Schwärze der Nacht ein neues Gebären

still verharrend am Ufer ich steh’

zögernd beginnt sich der Himmel zu klären

die Finsternis weicht dem goldenen Licht

eines erwachenden Morgen

durch fliehende Wolken die Sonnenkraft bricht

ich fühl’ mich unendlich geborgen

ich schau auf den Weiser in schleiernder Fern’

im Morgendunst blinkert sein Feuer

wie habe ich dich - du See doch so gern

auch wenn du mir oftmals nicht ganz geheuer

 

ewaldeden

 

 

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 Sichere Wächter

 

 

In einsamer Weite

von Wasser umgeben

steht der Leuchtturm

auf sicherer Wacht

Mensch hat ihn gebaut

daß er Schiffe geleite

mit gleißendem Licht

durch stockdunkle Nacht

auf dass sie nicht stranden

an Riffen und Stränden

nicht irren in Luv oder Lee

dass sie jede Reise

in einem Hafen beenden

und nicht auf dem Grunde

der wütenden See

 

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Säch mi …

 

givt dat wat moiers

as van de hoogen Dieken

wiet in dat bleuende Land to kieken

givt dat wat moiers

as wenn de Möölen sükk dreit

un man spöört

dat dat Haart in de Bost glieks veller schleit

givt dat wat moiers

as wenn de Möller sükk hööcht

wenn he luut fleut un singt heel vergnööcht

wenn de Seils in d’ Wind fluttern

de Rieder dreit sükk up d’ Dakk

de Möölsteen’n ruttern

un de Frücht sünd in d’ Fakk

säch mi – wat  givt dat moiers för Haart un för Seel

as dat gülden Korn

in de Frachtwoagens up d’ Deel

is de Möller tofrää

denn is de Tied noch in Richt

denn is dat Lääven up Stää

un keen Nod in d’ Gesicht

 

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Ostfriesland

 

Die Wolken zieh’n ihr krauses Band

es scheint wie aus Omas Häkelbüdel

der Regen streichelt sacht das Land

wie Sahnesoß’ den Puddinghüdel

 

Die Sonne lugt durchs Wolkenloch

streut gold’nes Licht über die Erde

in Schleiern steigt der Nebel hoch

ein schöner Tag es wieder werde

 

Frisch gepflügt der Marschenboden

warmer Duft steigt aus der Scholle

Möven kreischen fern im Groden

kriegen sich ums Futter in die Wolle

 

Wellen brechen sich am Strand

belecken Wandrers Fußabdrücke

Muscheln blinken feucht im Sand

und bilden eine Muschelbrücke

 

Ein Torfschiff zieht still seine Bahn

von unsichtbarer Hand gelenkt

der Schiffer grüßt von seinem Kahn

indem er seine Mütze schwenkt

 

Im hohen Andelgras - im feuchten

zwischen Deich und Wassers Saum

sieht man die Butterblumen leuchten

als wär’s ein gelber Sommertraum

 

Dazwischen - in des Nebels Grau

der wie ein Schleier hängt im Winde

zaubert der Strandhafer sein Blau

verwaschen nur und ganz gelinde

 

Über allem dann der Wind zu brisen

wie leiser Worte warmer Hauch

das ist die Heimat der Ostfriesen

denk ich so unterm Ginsterstrauch

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 Norderney

 

Der Möve Flug durchkreuzt die Dünen

begleitet dich auf deinem Weg

mal verschwindest du im Grünen

mal benutzt du dünnen Steg

 

Unter dir das quirlige Strudeln

von Prielen die zum Meere zieh’n

nicht weit von dir in kleinen Rudeln

ruh’n Seehunde im Abendglüh’n

 

Weit nach Osten vorgeschoben

sehr entfernt von Stadt und Land

ragt der Leuchtturm schlank nach oben

in Nacht und Sturm auf festem Stand

 

Einmal muß man bei ihm weilen

in warmer klarer Sommernacht

er schickt sein Licht in weißen Pfeilen

in großen Strahlenkranzes Pracht

 

Kommst du dann nach langen Runden

näherst dich deinem Quartier

behalt für dich, was du empfunden

sag einfach nur – ich bin gern hier

 

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Mittsommer

 

 

Der Tag er schüttelt sein müdes Haupt

ist Stunden des Weges gezogen

er hat nicht mehr an den Abend geglaubt

fühlte sich schon um die Ruhe betrogen

die Ruhe nach des Sommers Hitze

die Ruhe nach den flirrend Lüften

aus denen zitternd schossen Blitze

bis tief hinein in Berges Klüften

der Tag streicht sich sein heißes Tagesgesicht

er wischt sich den Schweiß aus den Augen

ganz langsam erschöpft sich sein helles Licht

mag kaum noch zum Adjöh sagen taugen

sucht tastend am westlichen Himmelsrand

mit rötlich scheinenden Händen

die ausseh’n wie schwelender Wolkenbrand

nach des Abends schützenden Wänden

als er sie endlich gefunden

ist fast schon der neue Tag nah

am Horizont bläuend gebunden

im nordischen Mittsommernachtsjahr

 

ewaldeden

 

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Küstendörfer

Dörfer wie Perlen aufgereiht

auf grünem Band - an Deiches Fuß

im Groden hell der Kiebitz schreit

es klingt wie froher Göttergruß

 

Mit Tönen wie aus fernen Tagen

die Brandung an die Dünen schlägt

man sieht die Wellenkämme nagen

an Strand und Deichen - unentwegt

 

Der alte Hafen ist Geschichte

du spürst sie auf marodem Kahn

wenn du im fahlen Abendlichte

verlierst dich in des Mondes Bahn

 

Es riecht nach Teer und heißen Gläsern

gefüllt mit Rum und Ingwerwein

der Wind, er spielt in harten Gräsern

wenn abends fällt die Nacht herein

 

In dem Krug am Hafentore

ein alter Maat die Quetsche zieht

er singt von Sehnsucht und Amore

ein herzergreifend’ Liebeslied

 

Alles lauscht gebannt den Tönen

und fühlt die Zeit im Raume steh’n

wenn er erzählet von den Schönen

die er in aller Welt geseh’n

 

Der Mond zieht weiter seine Runde

am Hafen löscht das letzte Licht

zum Abschied tönt aus Wirtes Munde

gut’ Nacht ihr Leut’ - vergeßt mich nicht

 

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 Die Kieler Woche

 

Unter blaugewölbtem Himmel

blähen Segel pralleweiß -

am Fördeufer Menschgewimmel,

in Kneipen läuft der Zapfhahn heiß.

Alles drängt zum Bootsspektakel -

jeder will am Ufer steh’n.

Um mitzuhalten beim Gekakel

muß man ja die Schiffe seh’n.

Was wäre Kiel ohne die Woche -

eine Sprotte ohne Kopf und Schwanz,

eine Küche ohn’ Gekoche.

ein Windei ohne Eiertanz.

Es wär ein Mädchen ohne Beine,

es wär ein Mastbaum ohne Boot,

es wär des hellen Tages Scheine

ohne des Abends Abendrot.

Es wär ’ne Küste ohne Wasser,

es wär ein Schnapsglas ohne Köhm,

ohn’ sie wär dort der Himmel blasser -

Kiel wär ganz einfach nicht mehr schön.

 

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Insel des Glücks . . .

 

Mich trieb das Leben durch die Welt -

in nordischen Jurten Nächte verbracht,

geschwitzt im Beduinenzelt -

auf Hawaii hat mir die Sonne gelacht.

 

In Kanadas Wäldern Bären geseh’n -

um Feuerland elend gelitten,

irgendwie war es überall schön -

selbst tief in Grönland - auf Eskimos Schlitten.

 

Vor Florida mit Delphinen geschwommen -

am Zuckerhut tanzte ich Samba,

in Mexiko viele Tequila genommen -

wie schlecht war mir da - Caracho, Caramba.

 

Im schaukelnden Zug durch Sibirien -

Tabak gepflückt auf Batavia,

Kaukasier erlebt in Delirien -

an der Wolga geschwelgt in Kaviar.

 

Stürme fegten über mich hin -

Hitze dörrte die Kehle,

doch wo ich auch war, stand mir der Sinn

nach Norderneys sinnlicher Seele.

 

Nirgendwo sind die Nächte so schön

und streicheln die Blüten der Triebe.

Nirgendwo ist mir Schön’res gescheh’n,

als auf der Insel der Liebe.

 

Drum möchte’ ich in die Welt rausschrei’n -

im Herz und in der Seele frei,

für dich mein Schatz - und mich allein -

wir sehen uns auf Norderney.

 

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Ich möchte ein Baum sein …

 

 

Ich möchte ein Baum sein in nordischen Weiten -

zwischen Bergwand und Wasser

fest in der Erde verwurzelt -

dort möcht’ ich mich selber durchs Leben begleiten.

Möcht’ spüren den harschigen Wind von der See

und hören wenn Brocken auf Brocken

polternd vom Felsen herunterpurzelt -

die Stelle verschonend an der ich dort steh’.

Ich möcht’ fühlen wenn der Regen meine Blätter streichelt

und Tropfen um Tropfen zu Boden fällt.

Ich möcht’ meine Zweige unendlich dehnen

wenn die Sonne mir schmeichelt

und mir erzählt ich wär allein auf der Welt.

Am Fuß meines Stammes wäre Platz für Geschichten

die in meiner Krone ihr schützend Zuhaus’

und von all den schönen Dingen berichten

mit denen sie gefüllt durch des Sturmes Gebraus.

Ich möchte die Sterne über mir zählen

und würde keinen dabei vergessen.

Ich würde den schönsten und größten erwählen

und träumen ich hätt’ schon mal auf ihm gesessen.

 

ewaldeden

 

 

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Heute wie damals . . .

 

Die Wellen der See belecken den Strand -

ihr plätschern ist zärtliche Weise,

verzaubert die Körper im nachtheißen Sand -

erwecket Verlangen - ganz leise.

Der Mond zeigt ein mildes Lächeln -

huschende Wolken - wie Schäfchen so zart,

mit Worten wie zärtliches Fächeln -

loderndes Feuer - mit Liebe gepaart.

Die Finger - begierig sie streben -

sie streicheln die samteste Haut,

Gefühle beginnen zu leben -

Erregung goldene Brücken baut.

Die Schmetterlinge werden zu Riesen -

verlassen den Platz im Bauch,

sie suchen nach bunten Wiesen -

über die Spitzen der Brüste weht warmer Hauch.

Der Venusberg in Flammen steht -

es brennen alle Sinne,

die Liebe in die Lenden weht -

ich dich im Sturm gewinne.

Wenn wir im Sinnenrausch vergehen -

wenn wir verschmelzen wie ein Stern,

laß Zeit über die Zeit hinwehen -

wir sind uns nie mehr fern.

 

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 Gorch Fock

 

Unter weißen Segeln

vom Winde gebläht

der Rudergast seefest am Steuerrad steht

des Käptens Kommando schallt über das Deck

die Kadetten, sie schrubben die Müdigkeit weg

hoch über der See in Rahen und Wanten

schleift ihnen der Alltag stahlharte Kanten

kein Unwetter stört sie, kein Sturm hält sie auf

das Schiffswohl bestimmt den täglichen Lauf

selbst wenn sie die Planken des Schiffes verlassen

ist ihr Gang der See angepasst

beim Bummel durch des Hafens Gassen

haben sie vergessen, daß die Schinderei sie gehasst

sie lieben die Lady, die Windsbraut der Meere

und auf ihr zu fahren, das ist für sie Ehre

 

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 Friesische Sommernacht

 

Der Mond versilbert den nächtlichen Himmel

ein Uhu streicht in lautlosem Flug

von See herüber klingt leises Gebimmel

über den Bäumen die Gänse in schnatterndem Zug

am Ufer des Weihers die ruhende Mühle

reckt schweigend die Flügel in samtweiche Luft

vom Grunde des Baches steigt fächelnde Kühle

geheimnisvoll krächzend ein Nachtvogel ruft

die Stimmung ist leicht wie eine fröhliche Seele

ein Ahnen von endlos trägt sie vor sich her

befreit für Stunden von des Tages Krakeele

und legt schweigend sich über Marschen und Meer

 

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Ein Tag am Deich

 

Stille liegt über dem gleißenden Strand

die Sonne steht flammend und gelb im Zenit

vergehende Zeichen am Flutsaum im Sand

von Bord eines Seglers klingt leise ein Lied

Möven hocken auf Pfählen und dösen

ein Seehund sonnt sich im schimmernden Watt

Ketten scheppern in rostigen Ösen

ab und zu weht ein Wort durch die Luft

in friesischem Platt

im Hafenschlick liegen – wie gestrandete Wale

ein Kutter aus Borkum und zwei aus Südarle

die Ebbe hat ihnen die Ruhe beschert

sie verhökern Granat – vor Stunden gefangen

und von allen begehrt

vorm Krug unter der uralten windschiefen Linde

hocken vier Alte bei Köhm und bei Bier

einer von ihnen läßt krachend zwei Winde

darüber erschrocken und in seiner Ruhe gestört

kläfft schläfrig des Wirtes Hundegetier

nach einmal prusten und freizügig schneuzen

ist schnell wieder Ruh’ eingekehrt

so schlendert der Sonntag geruhlich vorüber

er springt hin und wieder

wie Kinder beim Spiel

räkelt sich faul in seinem sommerlich’ Mieder

und wartet gelassen auf sein abendlich’ Ziel

 

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Ein kleines Dorf am Siel

 

 Nebel lastet auf dem Land

macht uns’re Welt ganz klein

Wellen laufen auf den Strand

sich von der Last der See befrei’n

 

Das Nebelhorn der Dünenbake

schickt Rufe aus in Richtung Meer

es klingt ganz leise nur das Starke

und müht es sich auch noch so sehr

 

Die Schiffe die noch draussen sind

die Mannschaft horcht nach allen Seiten

die Töne dringen durch den Wind

soll’n sie zum sich’ren Hafen leiten

 

Die Möven sitzen auf den Dalben

im Nebel als Konturen nur

der Schimmelreiter auf dem Falben

zieht auf den Deichen seine Spur

 

In reedgedeckten kleinen Katen

die Fischersfrau die Kinder eit

wie lange müssen sie noch warten

bis Vaters Ruf sie angstbefreit

 

Und wenn er in der Türe steht

vom Nebel noch umfangen

ist in dem kleinen Haus am Fleet

die Sonne aufgegangen

 

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Was ist geschehen …

 

Die tote Stadt am Meer

Haus an Haus mit blinden Scheiben

man sieht kein städtisch’ Leben

man hört – und horcht man noch so sehr

kein Lärmen durch die Strassen treiben

die Händler scheinen fortgezogen

den Geldausgebern auf der Spur

Gestalten stehen angstverbogen

vor windesschiefer Wohnungstür

dann und wann ertönt ein Krächzen

blechern und gemütszerhackt

ihm antwortet ein stöhnend’ Ächzen

als wenn das Grauen es gepackt

wo früher Bäume blühend zweigten

streicht heute nackter kalter Wind

wo früher Wipfel stolz sich neigten

ich nur noch öde Wüste find’

grau ist die bestimmend’ Farbe

kein fröhlich’ Bunt und leuchtend’ Ton

das Bild ist eine einzig’ Narbe

scheint wie des Teufels Arbeitslohn

 

ee

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Die entfesselte See

 Der Sturm peitscht die rauhe, die tobende See

zerrissene Wolken durcheilen den Himmel

lang’ schon ich auf der Deichkrone steh’

und wart’ auf den Reiter auf seinem Schimmel

nächtens soll er das Land bewachen

berichtet die Sage aus voriger Zeit

ich höre lauthals die Meergeister lachen

wenn sie sich von ihren Fesseln befreit

mit gierigen Mäulern schlagen sie die Dünen

Stück für Stück bröckelt das Land

hier wird nichts mehr wachsen – hier wird nichts mehr grünen

verschwunden der weiße schimmernde Strand

das Wasser hat sich sein Erbe geholt

das man ihm mühsam abgerungen

es hat dem menschlichen Geist den Hintern versohlt

und dabei sein schauriges Lied gesungen

es läßt sich nicht knechten - es läßt sich nicht zähmen

es bleibt ein freies, ein unbändiges Werk

es läßt sich in seinen Rechten nur zeitweise lähmen

der Mensch ist dagegen ein ganz kleiner Zwerg

 

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Der Strandläufer …

 

Flüchtige Spuren im fließenden Sand

die Wellen umspielen die Füße

in morgendlich Kühle am endlosen Strand

suche ich der Vergänglichkeit Grüße

auf den Weiten der See verlorene Fracht

von Schiffen die längst in der Zeit versunken

von harten Männern an Bord einst verstaut

die irgendwo da draußen ertrunken

ich find’ Reste von zersplitterten Masten

die vor Zeiten stolze Segel getragen

und verrottete Planken von manch altem Kasten

mit bräunlichem Eisen und Kupfer beschlagen

jedes Teil davon erzählt mir Geschichten

von krachendem Sturm und dräuender Not

jedes einzelne kann mir von Kämpfen berichten

deren Ende stets war der einsame Tod

 

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Der Mann aus dem Watt

 

Guck mal Papa – da hinten im Watt …

Der Bengel schwenkt aufgeregt seinen Kieker.

Da ist so ein komischer Seehund zugange -

mal ist er ganz groß – und dann wieder platt.

 

Ach wat, sagt der Papa - und klopft seinen Spieker,

du siehst bestimmt wieder irgendwelche Geister

die es hier gar nicht gibt.

Wir sind doch in Dangast und nicht mehr im Deister,

wo solche Gruselgeschichten äußerst beliebt

 

Das wird wohl ein altes Stück Treibholz sein

von einem versunkenen Bananendampfer.

Oder du siehst im Sonnenschein

ein zu groß geratenes Stück Sauerampfer

 

Egon - du bist aber rein gar nicht im Bilde.

Da draußen da wächst überhaupt nicht so ’n Kram,

sagt darauf pikiert die Mutter Brunhilde.

Tatsächlich? - entgegnet der Papa nur lahm

 

Der Bengel pliert weiter – und lässt dann vor Schreck

den Kieker fallen – denn der Seehund ist weg.

Was soll er nun machen  - er ist rein betrübt,

denn das herrliche Bild reizte zum lachen.

Zumal er sich grade in Naturkunde übt

 

Er macht sich ganz viele kindlich’ Gedanken,

denkt auch mal kräftig daneben,

springt mit den Wünschen über die Schranken,

wie das so ist im erwachenden Leben.

 

Er hofft voller Hoffnung hoffnungsvoll,

das sich wieder was regt - da draußen im Watt.

Er malt sich schon Bilder - mit Texten wie toll -

und drückt vor Begeisterung die Nase sich platt

 

Stattdessen steigt dann kurze Zeit später

ein blauschwarzer Mann aus dem Hafenpriel -

siehste grinst Papa – da isser, da geht er

aber vielleicht hat er ja doch Sauerampfer am Kiel

ewaldeden

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Der Höllenritt . . .

 

Der Sturm heult mit Windstärke zehn

er peitscht die tobenden Wellen

die Hand nicht vor Augen zu sehn

Gott Neptun tobt mit seinen Gesellen

 

Sie reiten auf schäumenden Wogen

stürzen aufs Schiff sich herab

wer Angst fühlt - der hat nicht gelogen

man schaut in ein offenes Grab

 

Die Brecher reißen die Decksfracht fort

die Wanten und Leinen sie brechen

Jan Maat verflucht diesen höllischen Ort

schwört - nie mehr in See zu stechen

 

'ne Meile voraus - in schillernder Pracht

das Riff in der Brandung kauert

ein Ungeheuer in dunkler Nacht

dort im verborgenen lauert

 

Drei Mann ans Ruder - hart Steuerbord

fünf Strich nach Südwesten

der Käpten – er brüllt manch’  sündiges Wort

seine Männer - die sind trotzdem die Besten

 

Der Trawler beugt sich - er ächzt in den Spanten

die letzte Ratte verläßt schon das Schiff

mit einer handbreit Platz an den Kanten

passiert er das tödliche Riff

 

Keiner der zwölf  harten Mannen

der nicht ein " Vater Unser" denkt

als man aus zwei der letzten Kannen

die geschundenen Körper tränkt

 

Ein Augenschlag mit müden Lidern

länger dauert nicht die Zeit

liegt die See mit allen Gliedern

blank und glatt - unendlich weit

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Dat oostfreeske Paradies

 

Wenn du een Stää söchst

wor de Minschen noch sünd,

so as us Heergott hör trechtsett hett,

so is dat Oostfreesland

mit de busige Wind

un mit de Wischen so gröön un so fett.

Wenn du een Stää söchst

wor dat Lääven geböört,

wor Minschen noch Minschen bünd,

so is dat Oostfreesland

mit de Eilands as Steert,

wor de Natur noch to d’ Olldach gehöört.

Wenn du een Stää söchst

wor di kannst verhoalen,

wor d’ Knücheln un Rheumoa verflücht,

wor du för d’ Moin särgen

niks bruks betoalen,

so is dat Oostfreesland

mit de herrlichste Lücht

 

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 Teetied

 

Dat Füürtornlucht strikkt över d Woater

twee kort dree lang un een Minüüt niks

Jan-Hinnerk stroakelt saacht de Koater

un sächt

nu givt dat Tee – heel fiks

he klautert de iistern Trapp andoal

fiefunsäßtich luude Stappen

dat deit he geern för dit Verhoal

sien Patzmann schlutt jüüst de Buterklappen

up d’ Bakk in d’ Köäk dor stoaht de Köpkes

up d’ Stöövken wacht de Teepott all

dat rükt net as bi Moder Röpkes

in d’  Kluntjestuuv up d’ Winachsball

de gääle Room sien Wulkenbloom

lett as een Bild van stille See

de halve Stünn’ns as in Droom

de sett nu allens wäär up Stee

 

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Ade, Butterfahrten …

 Petrus hat den Wind in die Koje geschickt

da soll er sich erstmal verpusten

Gott Neptun hat dazu gnädig genickt

ihn störte schon längst Sturmes Husten

ihn störten die brechenden Brecher

ihn störte der wehende Sand

ihm fehlten die lustigen Zecher

im Hafen und draußen am Strand

er vermisst die tuckernden Kutter

und wünscht sich das lärmende Völkchen

das lustig jagte nach dänischer Butter

und roch nach des Eiergrogs Wölkchen

das lärmende Völkchen von ältlichen Tanten

die oft schon sehr lange allein

beiseite geschoben von allen Verwandten

und deren Welt zu Hause ganz klein

die erst wieder erblühten auf knuffigen Schiffen

inmitten von Tauwerk und Schifferklavier

wenn sie träumten von südlichen Riffen

bei königlich schwedischem Bier

die siegreich kehrten mit vollgepackt Taschen

des Abends müde nach heim

und sich dann umgaben mit zollfreien Flaschen

und gingen dem Rausch auf den Leim

die Butterfahrtzeiten sind leider vorbei

es gibt nichts mehr billig zu kaufen

nicht Butter nicht Kekse und nicht Tanzerei

es ist alles im Sande verlaufen

 

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 Am Ewigen Meer

Ein Knüppeldamm liegt längs an braunen Kolken.

Geht man diesen alten Weg

sieht man in den Wasserspiegeln Wolken.

Sie begleiten allezeit schon diesen Steg.

 

 

Wenn ich die Augen schließ’ - an früher denke

und die Erinnerung mich warm umspielt,

die Gedanken sacht’ nach damals lenke,

als hätt’ ich anderes noch nie gefühlt.

 

 

Des Moores Schwanken mit dem Fuß zu spüren -

das Zittern in den Gräsern seh’n,

man wagt es nicht die Stimmung anzurühren

und möchte ewig hier im Moore steh’n.

 

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Am  Strande ...

 

Schließ die Augen

laß dich fallen

spüre nur

der Sonne Hauch

von fern hörst du

den Schrei der Rallen

das Windgespiel

im Dünenstrauch

der Wellen Brandung

leises Rauschen

begleitet

deinen Tagestraum

hier kannst du noch

den Vögeln lauschen

hier hat Natur

noch ihren Raum

fernes Flügelschlagen kündet

von dem großen Kranichzug

alles was uns hier verbindet

ist ein Leben lang genug

 

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 Abend auf See. . . .

 

Ich steh’ an Deck - schau in die Ferne

zur Sonne tief an Wassers Rand

am Himmel stehen sanfte Sterne

sie blinken im roten Nebelbrand

 

Die Mitternacht ist greifbar nah

des Nordlands Nächte sind wie Träume

das Feuer bleibt, ist ständig da

gibt der Wellen Kämme rosa Schäume

 

Die Luft - sie ist wie angefüllt

mit dem was meine Sehnsucht stillt

die Stunden gehen still vorüber

ich bin gebannt - steh’ wie im Fieber

 

Ich kann den Platz hier nicht verlassen

ich fühl’ die Stille - kann sie fassen

ein Jemand nimmt die Freiheit sich

er steht nur da - doch stört er mich

 

Seine Gedanken sind zu laut

ich höre wie er um sich schaut

ich spür’ - er kann sie nicht begreifen

die Zeichen  - die den Himmel streifen

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De Mörgenstoom

 

De Mörgenstoom 

krupt noch benaut över de Wischen

de Nacht

hett hüm noch bi d’ Hemdschlipp tofoat

dat Sünnenlucht

sitt neeschierich all överall tüschen

well nu noch in d’ Nüst licht

vör de is de Dach liekers toloat

de Koien

stoaht all an d’ Hekk to bramm’n

see spöört de Melkenstied in d’ Jüdder

dat Schoap

an d’ Diek schall vandoach lammen

lütt Hinnerk

hett hüm all in Tüdder

de Dach

is man jüüst twee Stünn’ns olld

un de ween mit Aarbeid  good bepakkt

Moder luut röpt 

de Tee word kollt

wat nu noch kummt word hier beschnakkt

so hukelns aal in d’ Achterköäken

vertell’n van dit un ok van dat

lütt Hinnerk

moakt föör aal spiegöäken

un Geestke sitt vöör d’ Botterfatt

Voader verdeelt Kautabakk

elk een kricht een goodet Stück

so flücht de Tied gau hen in Schnakk

ok dat is Freeslands Läävensglück

 

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 De ole Foahrnsmann

 Nu steit he dor up d’ Diek

luurt över d’ griese Woater

sien Läven wee so riek

dat alleen wääsen - dat keem loater

 

Van Jung an - all mit dartein Joahrn

ween de Planken sien Tohuus

dree moal is sien Schipp ünnergoahn

dree moal versoapen - mit Mann un Mus

 

Dree moal hevvt se hüm denn wäärhoalt

ut Düwels groote Nattichkeit

nu hier up d’ Diek word hüm dat Haart kollt

he tööft hier up de Ewichkeit

 

Hett sovöäl sehn - ok lütji Riesen

van Grönlands Iis bit vöör Schanghai

vandoach kann man hüm niks mehr wiesen

sien eenzich Freud - de loahme Krey

 

See sitt denn tägen hüm up d’ Diekpoahl

kikt ok as he in een annern Welt

de Freiheit vöör de Beiden - dat wee moal

blods noch een de anner wat vertellt

 

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Dörpfest . . .

 

So ‘n Dörpfest is doch woll heel moi

de Jungen frischk - de Ollen toi

Jeden deit sükk utstaffeern

elk ov een mach noch wat leern

 

De Anfang is meest woll wat stuur

as Börgermest de dikkste Buur

weet nich bi d’ Schnakken lostolärgen

anstatt man eenfach Prost to särgen

 

In d’ Teld dor is vöäl Tingeltangel

de Lüü sünd good in Schweet

in jeder Hörn düchtich Gerangel

wor mörgens nümms mehr wat van weet

 

De Krööger kann dor nich tägen kruupen

so mennich Gatt is utdrööcht

man will vandoach sükk recht besuupen

dat heel Dörp - dat is nööcht

 

De Mannslüü sünd all düchdich duun

de Föät word’n sinnich güüst

de Kapäel - de givt allwäär Kattuun

elk gript sien Deern mit d’ Füüst

 

So mennich Stünn’n noa Middennacht

de Jungs haangt över d’ Heck

de Krööger sükk sien Geld anlacht

as Botter ünner d’ Speck

 

Dat Dörpfest wee doch wäär heel moi

de meesten hebbt een dösich Brägen

de Ollen sünd noch net so toi

de Jungen mööcht sükk rein nich röögen

 

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Inselabend

Am Dünenkamm ein feiner Schleier

der Westwind kraust die Hänge hoch

als wolle er zur Abendfeier

Boten schicken ins grüne Loog

 

Unsere Spur im Dünensand

bald ausgelöscht und schnell verweht

am Himmel dort im Westenland

brennend die Sonne untergeht

 

In Glutrot getaucht der Inselstrand

irgendwann bricht der Mond hervor

Blinkfeuer grüßen vom festen Land

Wellen und Wind singen im Chor

 

Des Mondes Schein uns zärtlich führt

langsam zieht es uns nach Haus

die Seele die Hand Gottes spürt

ein Inseltag klingt friedlich aus

 

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 Inselmorgen

 

Sand perlt unter deinen Füßen

rinnt geschwind den Hang hinab

der Leuchtturm läßt von ferne grüßen

ein Reitersmann in flottem Trab

 

Der Morgen ist erst eine Stunde

entfernt von kühler langer Nacht

die Sonne schaut schon in die Runde

ein strahlend Lachen mitgebracht

 

Die Watten blinken silberblank

die See hat sich zurückgezogen

man hört der Möven laut Gezank’

sie streiten sich am Schlengenbogen

 

Der Wind - er rüschelt in den Dünen

er zittert durch das dünne Gras

im Vorland - in dem dunkelgrünen

da mümmelt schon ein stolzer Has’

 

So kannst du dir die Zeit bereiten

im Wattenmeer am Inselstrand

doch schafft dies nur - wer früh beizeiten

aus nächtenswarmem Bette fand

 

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Meersommernachtstraum ...

 

dem Meere entstiegen

schaumgeboren

wie Sehnen am nachthellen Strande

die Mondvögel fliegen

wie traumverloren

sie folgen den Spuren im Sande

den Spuren der Liebe

den Spuren der Leiber

die flüchtig im Wasser zu sehen

als Begehren der Triebe

in den Süchten der Treiber

zärtlich werden sie

in der Hitze vergehen

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Mien oled Dörp Inhusersiel …

 

Wat wee dat hier een moie Tied

man har de Doach so recht to foaten

wat gung van hier dat Ooch so wiet

ik kann di ut mien Haart nich loaten

 

Ik hör de Handörgel noch schmüstern

wenn schnoabens dat Lucht all sinnich wur

denn seeten wi bit hen in düstern

lusterten Vertelln van mennich Tuur

 

De Röäk van d’ Törffüür trukk gediegen

över d’ Diek un langs dat Deep

dukelnd Hüüs in lange Riegen

dat wee as wenn dat Dörp all schleep

 

Ov un to een heesterk galpen

as wenn de Nacht sükk sülvst verfäärt

ludet schakkern – saachtet schalpen

Ruh un Frää de Tied geböört

 

De Hääven wee as sieden Linnen

de Lücht streek as een zoarten Hand

us wee as kunn’n wi blods noch winnen

in dissed wunnerboare Land

 

Vöörbi is all dit moie föölen

du büst nich mehr – mien oled Siel

ik moot nu eers mien Haartblood köölen

ann’s stoa’k hier glieks - un blaar un giel

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Mein altes Dorf Inhausersiel ...

 

War das hier eine schöne Zeit

man hatte die Tage so recht zu fassen

was ging von hier das Auge weit

kann dich aus meinem Herz nicht lassen

ich hör die Handorgel noch munkeln

wenn abends das Licht ganz sinnig wurd'

dann saßen wir bis spät im dunkeln

lauschten Erzählen von mancher Tour

der Rauch vom Torffeuer zog in Weihen

über den Deich und längs des Tiefs

geduckte Häuser in langen Reihen

es war als wenn das Dorf schon schlief

ab und zu ein heis'res Galpen

als wenn die Nacht sich selbst erschrickt

lautes Schackern - leises Schalpen

als hätt' die Zeit die Ruh' geschickt

der Himmel war wie seiden Linnen

die Luft strich wie 'ne zarte Hand

uns war als könnten wir bloß gewinnen

in diesem wunderbaren Land

vorbei ist all dies schöne Fühlen

dich gibt’s nicht mehr - mein altes Siel

ich muß nun erst mein Herzblut kühlen

sonst steh ich hier gleich und wein' und piel

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 Tonnenleger Kapitän Meyer

 

Da hat doch tatsächlich einer einen Dampfer beschrieben

vom Kiel bis zum Mast akribisch genau

es hat ihn durch alle Schotten getrieben

vom Heck bis zum Bug macht er sich schlau

hat keinen Spanten vergessen – keinen Niet überseh’n

er hätt’ gern mit dem Mors auf der Reling gesessen

um einen Furz im Winde verwehen zu seh’n

hat geschwitzt in der Koje in sommerlich Hitz’

weil die Heizung auf Touren – und das ist kein Witz

es fehlte ihm nämlich die praktisch Erfahrung

im Umgang mit Ventilen und Hebeln

obwohl er Mariner besaß er nur Übung

im Umgang mit Fietzen und Säbeln

jetzt hat er im Alter die Liebe entdeckt

zu Bordleben und öligen Händen

und auch nicht davor zurückgeschreckt

‚die Meyer’ in ‚den Meyer’ zu wenden.

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16./17. Febr. 1962

 

Die See, sie bäumt sich Rössern gleich,

schlägt wild mit den vorderen Hufen

man kann sich kaum halten, oben am Deich

lautlos verhallt das lauteste Rufen

Der Sturm knallt wie Peitschen uns ins Gesicht –

zeichnet triefende Striemen.

Um Füße und Beine fliegt flimmernd die Gischt -

im Rettungsboot brechen die Riemen.

Hinter uns - unten am Innendeich –

herrscht ängstliches emsiges Treiben

geduckt die Häuser - Igeln gleich –

wenn sie versinken – wo soll Mensch bleiben?

Aus kleinen Fenstern dringt warmes Licht –

als Zeichen der Hoffnung auf Leben

Gebete zu Gott, daß der Deich nicht bricht –

bereit dafür alles zu geben.

Die Angst der Menschen gilt Kindern und Vieh –

sie sichern dem Lande das Morgen

denn was - was wäre man ohne sie?

Doch nur Kreatur voller Sorgen.

Der Sturm, er zieht weiter,

das Meer geht zurück -

die Friesen geh’n schlafen - und sprechen von Glück.

Der Herr hielt noch mal seine schützende Hand

über uns und unser Ostfriesenland.

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Sag’ beim Abschied leise Servus …

 

Adieu und Servus und Goodby -

die Zeit des (T)€uro ist vorbei,

auch wenn noch keine griechisch Klarheit,

so kennt Volk doch die bitt’re Wahrheit.

Betrogen wird und abgezockt,

dass Banker strahlen ganz verrockt -

das Kapital wird schnell zerlegt

und schwer im Ausland angelegt.

In London sind es Luxussuiten -

Berlin hat Grundstücke zu bieten.

Die Schwyzer stehen allem vor

mit Hehlers Welt größtem Tresor.

In Unions Ministerstuben

werkeln rotzfrech böse Buben.

Sie schaufeln Volkes Silberlinge,

frohgemut und guter Dinge,

in der Finanzverbrecher Rachen,

damit die können weitermachen

mit ihrem bitterbösen Tun

um dann im Ausland auszuruh’n.

Es wird sich ändern, und zwar schnell

weil Jurop brennen wird, ganz hell.

 

ewaldeden

 

De Plattdüütschen in Mölln …

Mölln, Mölln … Mölln … dat har doch wat mit Uulenspegelee to doon, mach so mennicheen nu woll dör sien Weeten trillern. Hett de Till denn ok platt schnakkt? Dat hett he to siene Tied wiers doan – dor köänt wi us säker so hillich säker sien, as dat dissen „de Minschen de Speegelvörholler“

in dat hukelich Domstaddje mang de Ratzebörger Woaterpoolen noa siene Läävenstied up de Kaarkhoff inkuult worden is. In mennich Nachten schall man sien Schkabellnskopppingeln an de Mütz pingeln hörn …  so särgen dat de olen Möllner, de villicht van d’ Öller her all een bietji stofferk in d’ Hoar sünd. Dat Sinneeren in de griesköppschen Koppen is oaber wiers noch netso an tinkeln, as dat Willen in de Jüngeren hör Möäch.

 

Wat kummt in Mölln woll up mi to  -

een nee’born Kalw ov woll een Koo?

So schoot mi dat dör miene Kopp

as ikk  so foor in  Schwiensgalopp

noa Mölln andoal

oahn veel Schkandoal …

 

Nää, näää … tovörderst har dat mit Uulenspegelee woll niks to kriegen, wat mi up de Padd in  dat Lauenborgsche brocht har.

Plattdüütsch as us Modersproak, dat wee dat Anstööten för de Reis van Oostfreesland utgoaend an Brämen un Hambörch vöörbi, bit hen in dat Hertochrebett ut verleeden Tieden, bit hen in dat Lauenbörger Haart wäst..

Ikk hevv mi as in Huus föölt, mirdenmanken de veelen Plattdüütschen ut alle Winden. Wenn ikk nu so in d’ Trüchkieken säch, dat wee een „platten Dach“ denn meen ikk nich, dat dor in disse Dach niks in wee, so as in een leddigen Büdel niks in is as Lücht … näää, dat wee jüüst annersrüm – dat wee een Dach, in de niks anners in wee, in de niks anners Bott in har as us Modersproak mit aal hör Küän un hör Nükken – van Eergüstern över Vandoach bit hen wiet in dat Mörgen. Ikk hevv so mennichmoal mien Hannen röören musst, üm luut mien Höögen künnich to moaken.

Bispillhaftich kann ikk blods aal dat Doon van de Minschen üm de „Holms“ ümto benöömen  – as bispillhaftich moot ikk dat van Haarten koamende Bemööten van Harry Peter Carstensen as Landsvoader un de heele Schleswigholsteensche Regeern beteeken, de in hör Doon föör use Modersproak wüggelk de Bedachtichkeit un dat Ehrgefööl an de Dach lärgen, mit de Minsch van Natur ut de Sproak van sien Moder alltied tomöötkoamen schull. So een Doon van Boaben in een Mitnanner mit dat Ünnern – so een Doon wünsch ikk mi - ok un besünners föör Neddersassen -  föör elker anner Kuntrei, in de us Moadersproak noch läävich is.

 

ewaldeden

 

 

 

 Mien Bidrach in Mölln ... 

Törfi  Törf . . .

 

Die Zeit schrieb das Jahr 1923. So auch hier in Ostfriesland. Die Gegend war ringsumher winterfest in Schnee und Eis eingepackt. Die Schneedünen reichten häufig bis an die Dachrinnen heran. Klein Hinnerk war man gerade sechs Jahre alt. Seit letzen Ostern ging er nun schon zu Schulmeister Hedemann in die Dorfschule.

Wenn es nachts wieder einmal tüchtig geschneit hatte, dann setzte Papa Hinnerk des Morgens auf seine Schultern und trug ihn Huckepack den Weg bis zur Schule. Das machten viele Papas so, weil ihre kleinen Stepkes es sonst nicht durch den hohen Schnee geschafft hätten.

Im Schulhaus gab es nur zwei Klassenzimmer – eines war für die Lütten und das andere für die Großen. Jetzt aber, wo es draussen so bitterkalt war, jetzt saßen alle in einer Stube beisammen.

In der hinteren Ecke stand ein großer eiserner Kanonenofen zu bullern. Damit er immer so schön weiterbullern konnte, mußten alle Kinder – egal ob lütt oder groß – jeden Tag von zuhause Brennmaterial, also Torf mitbringen. Torf hatte jede Familie in der Scheuer. Den gruben die Papas im Sommer im Moor aus der Erde. Wenn die Torfsoden – so heißen die mächtigen Moorstücke – den Sommer und Herbst lang getrocknet waren, dann wurden sie auf Karren in die Scheuern gebracht, damit die Mamas auf dem Herd Essen kochen und mit den Öfen die Kammern heizen konnten.

Der Sonntag war mit Besuch bei Oma und Opa schnell vorübergegangen und Rutzbutz war es schon wieder Montagmorgen.

Seit drei Tagen war der Himmel klar – der Schnee war schon richtig gnidderig hart und alt.

Klein Hinnerk stapfte am Morgen alleine los, um zur Schule zu gehen. Seine Holzschuhe hatte seine Mama mit Plünnen – mit alten Tüchern – umwickelt, damit er auf dem glatten Weg nicht ausrutschte.

Ein Stückchen war er schon den Sandweg hochgebösselt, als seine Mama ihm nachgelaufen kam: „Hinni … Hinniiii, dien Törf …!“ Er hatte doch glatt vergessen, die Feuerung für die Schule einzupacken.

Mama gab ihm einen Leinenbeutel mit einem gewaltigen Stück Torf darin in die Hand. Den Leinenbeutel hatte sie extra für den Schultorf genäht.

„Nu mach zu, dass Du zur Schule kommst – du weißt, Lehrer Hedemann mag keine Zuspätkommer“, ermahnte sie ihn noch, als Hinnerk in seinen Plünnenholzschuhen nun so schnell er konnte der Schule zustrumpelte. Er freute sich schon auf die warme Schulmeisterstube.

Plötzlich hörte er eine feine Stimme sagen: „Du hättest Deiner Mama aber ruhig noch einen Süßen aufschnullern können.“

Er wäre bald auf dem Weg ausgerutscht und hingefallen, so hatte er sich erschrocken. Sein Kopf flog in die Runde – doch er konnte niemanden, der so etwas zu ihm hätte sagen können, sehen. Aber wer – verflixt nochmal -  hatte da denn zu ihm gesprochen? Das war doch seltsam – er war weit und breit allein, aber er hatte laut und deutlich die Stimme gehört.

„Ich bin hier … hier im Beutel.“

Wie – woooo – was … in dem Beutel? In seinem Torfbeutel konnte doch kein Mensch sein „Ich bin Törfi – ich bin die Torfsode. Bloß Du kannst mich verstehen – helf' mir, bitte. Wenn Du mich nicht im Feuer verbrennen läßt, dann kann ich Dir noch soviel erzählen.“

„Ja … aber ….ich muß doch Torf zum heizen mit in die Schule bringen …“

„Häng mich mit dem Beutel da vorne an den Baum – wenn Du nach dem Unterricht nach Hause gehst, dann kannst Du mich wieder mitnehmen. Erzähl Deinem Lehrer doch einfach, Du hättest den Torf zuhause vergessen.“ Die Torfsode schwieg erschöpft vom ungewohnten Reden. „Es soll Dein Schaden auch nicht sein …“ kam noch leise hinterher.

„Pastor Lubina hat aber gesagt, man darf nicht lügen …“ „Du hältst mir  das Leben – und das ist keine Lüge.“

Das konnte Klein Hinnerk wohl verstehen. In der Sonntagsschule hatte er schon mal die 10 Gebote gehört – und in denen stand an einer Stelle, du sollst nicht töten. Und wenn ein Stück Torf reden konnte, dann war das doch auch Leben. Er hing also den Beutel in das Strauchwerk und ging ohne Feuerung zur Schule.

So ganz wohl war ihm nicht dabei, wenn er an Lehrer Hedemanns vergeblichen Blick nach seinem Torf dachte. Aber es war schon seltsam – Schulmeister Hedemann fragte an diesem Morgen gar nicht nach seinem Brenntorf.

Mittags, auf dem Heimweg, nahm er den Beutel mit Törfi darin dann mit nach Hause.

Die Torfsode sagte nichts und er war noch zu benommen von dem Geschehen, um Törfi von sich aus etwas zu fragen.

Hinnerk versteckte den Beutel mit Törfi erst einmal in der Scheuer, um ihn dann, als Mama und Papa sich nach dem Essen ein Weilchen schlafen gelegt hatten, hervorzuholen und unter seinem Bett zu verstecken.

„Ich dachte doch wahrhaftig, Du hättest mich schon vergessen …“ klang es auf einmal erleichtert aus dem Leinenbeutel.

„Psssscht …. red doch nicht so laut.“

Hinnerk hatte einen hitzigen roten Kopf vor lauter Aufregung.

. „du brauchst keine Bange zu haben“ klang es aus dem Beutel – „nur Du kannst mich hören … sonst niemand.“

 Nachmittags konnte Hinnerk gar nicht erwarten, dass es endlich Bettgehenszeit wurde.

Mama hatte ihren Lütten schon ein paar Mal verwundert angesehen, als er sie zum dritten Mal fragte, wann er denn nun endlich schlafen gehen müsse.

So etwas kannte sie von ihrem Butscher doch überhaupt nicht.

Glücklich war es denn soweit – eine halbe Stunde vor der Zeit war Hinnerk schon ausgezogen und geusterte in Schlafhosen durch die Küche. Er hatte sich doch auch tatsächlich freiwillig einen Schwall Wasser durchs Gesicht gespackert. Seine Mama wußte nun wirklich nicht mehr, wie sich auf so etwas einen Reim machen sollte.

„Gute Nacht, mein Lütten – nun schlaf man gut.“

„Nacht, Mama … Du auch  …“

Die Kammertür sperrte das Dielenlicht aus seinem Zimmer aus. Sonst mochte er es schon gern ein wenig heller haben, aber heut konnte die Tür gar nicht schnell genug in Schloß schnappen.

Es war noch keine zwei Minuten dunkel in seiner Schlafkammer, als Törfi schon zu ihm von sich zu erzählen begann.

Vor Millionen von Jahren war er ein mächtiger riesiger Baum gewesen. An seinem Stamm hatten sich Wildschweine, Elefanten und Mammuts ihre Schwarten gescheuert. Jaaaa – auch Mammuts,  die gab es damals nämlich noch.  Eines Tages war dann ein riesenhafter Sturm über die Erde gefegt – ein anderer Stern war mit der Erde zusammengeknallt und dieses Zusammen-krachen hatte den Orkan ausgelöst. Alles was auf der Erde vorhanden war und wuchs, das wurde verschoben und aus der Richtung gebracht. Das Eis vom Nordpol verschob sich bis an die Alpen und machte alles, was Leben in sich hatte, unter sich platt – selbst die Sprache der Menschen in Ostfriesland. Darum sprechen die Leute da seitdem auch Plattdeutsch.

Sein, Törfis, Leben wurde auch heftig zusammengestaucht und Eis und Geröll verschüttet.

So hatte er viele Millionen Jahre verschlafen und war mit der Zeit ganz von selbst von Holz zu Torf geworden. Er würde heute noch im Moor schlafen, wenn Hinnerks Papa ihn nicht im letzten Sommer ausgegraben und als Torfsode mit nach Hause genommen hätte.

„Wenn ich nun im Feuer verbrennen soll, dann habe ich ja nichts mehr von der Zeit und kann Dir auch nichts von alledem erzählen, was mir auf meiner langen Reise durch die Zeit begegnet ist.

„Keine Bange,“ sagt Hinnerk zu Törfi, „so soll das nicht passieren. Morgen früh versteck ich Dich erst einmal oben auf dem Hausboden. Da kannst Du denn solange bleiben, bis ich Dich im Frühling nach draussen bringen kann. Wieder ins Moor zurück, da wo Du hingehörst.“

Am nächsten Morgen – lange vor der Aufstehenszeit von Mama und Papa hatte er Törfi schon auf den Boden gebracht. Es gab da nämlich eine dunkle Ecke, in der ihn ganz bestimmt niemand finden würde.

Es sollte aber alles ganz anders kommen, als wie Hinnerk es sich schon so schön ausgemalt hatte.

Die Zeiten im Lande waren sehr schlecht. Das Geld in den Taschen der Leute litt an Schwindsucht – es war von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde weniger wert.

Inflation nannten schlaue Leute das.

Und diese Inflation hatte all das, was Hinnerk seine Mama und sein Papa besaßen, aufgezehrt. Auch ihr kleines Häuschen war ihnen weggenommen worden. Darum mußten sie mit Hinnerk ihr Zuhause verlassen und zusehen, dass sie woanders für ihre kleine Familie ein Dach über dem Kopf fanden.

Die Zeit lief weiter. Unerbittlich weiter. Klein Hinnerk wurde größer und älter. Er gründete bald seine eigene Familie und auch seine Kinder wurden groß und älter. Man, sein Erlebnis mit Törfi Törf hatte er nie vergessen können.

Bald hatte Hinnerk denn auch sein eigenes Großkind Jan auf seinem Schoß sitzen, dem er in Erinnerung an seine eigene Kinderzeit von Törfi Törf erzählen konnte. Der kleine Jan wollte es immer und immer wieder hören.

Wie aber das Leben so läuft – Hinnerk hatte als Opa eines Tages diese Welt verlassen müssen und sein Enkel Jan war  so alt, dass er selber schon einen Sohn hatte.

Die Geschichte von Törfi Törf, die war aus seinem Kopf in  Erinnerung gaaaanz tief nach unten gerutscht – und sicher wohl auch noch ein bißchen weiter

.Opa Hinnerks Erzählen während seiner Kinderzeit die hatte ihn wahrscheinlich ein wenig auf den richtigen Berufsweg geführt – er hatte nach der Schule nämlich studiert und war Historiker geworden.

Vor gar nicht langer Zeit ergab es sich nun, dass alte Häuser, die schon fast tot schienen, weiterleben sollten. Das hatte die Regierung so beschlossen.

Jan gehörte zu den Wissenschaftlern, welche die Häuser, die nicht sterben sollten, bestimmten und deren Geschichte zu ergründen suchten.

Der liebe Gott hatte es wohl so vorgesehen, dass auch Opa Hinnerks Elternhaus dazugehörte.

Auf einmal saß ihm wieder die Geschichte von Törfi Törf im Kopf – sie war ganz plötzlich von ganz unten aus seinem Kindheitswissen nach vorne gekrochen und ließ sich von da auch nicht mehr wegschieben.

Strohpuppe für Strohpuppe, Sparren für Sparren, Balken für Balken und Stein für Stein wurde das Haus sorgfältig abgetragen. Und auf dem Boden – in der dunkelsten Ecke – wo fast hundert Jahre kein Mensch hingeschaut hatte – da lag immer noch, in dem nun morschen Leinenbeutel, Törfi Törf und wartete darauf, dass Klein Hinnerk, der ja sein Freund war, ihn abholte um ihn ins Moor zurückzubringen.

Jan hatte seinen kleinen Sohn mitgebracht, den er in Erinnerung an seinen Opa auch  Hinnerk genannt. Der holte Törfi Törf mit seinen kleinen Händen da heraus und in den hellen Tag hinein. Er hat ihn denn - zusammen mit seinem Papa Jan – gaaaanz vorsichtig in das Museumsdorf getragen, um ihn da in einem großen und tiefen Loch wieder in die Freiheit zu entlassen.

Als Törfi dann unten in dem nassen Moorgrund lag, da meinte Jan wie von weither die Worte einer feinen Stimme zu hören:

„Ich grüß’ Opa Hinnerk von Euch ….“

Vielleicht hatte er sich das auch bloß eingebildet – jedenfalls haben Klein Hinnerk und sein Papa Jan in das Loch auch noch einen jungen Baum eingepflanzt, sodass Törfi Törf nun endlich wieder richtig zuhause war. Ganz so, wie Opa Hinnerk noch als kleiner Junge es ihm vor langer Zeit versprochen hatte.

 

ewald eden

 

 

Törfi  Törf . . .

 

Man schreev dat Joahr nägenteinhunnerddreeuntwintich. De Winter har dat Land mit Iis övertrukken. De Schneebülten gungen foaken bit an de Dakkgöäten.

Lütji Hinnerk wee man jüüst särß Joahr old. Sied letztdet Vöörjoahr gung he bi Mester Hedemann in de Dörpschool. Wenn dat schnaas düchdich schneet har, sett Voader Hinnerk up siene Schullers un plööch mit hum dör de Schneebargen noa de School hen.

De School har man blossich twee Klaassrüüms - een vöör de Lütten un een vöör de Grooten. Nu, wo dat so kollt wee, seeten s' aal bi’nanner in een Stuuv.

In d' Hörn stunn een grooten Kanon’noabend to bullern. Dorföör mussen de  Schoolkinner elker Dach van to Huus wat to bööten mitbrengen.

De Sönndach mit Omoa visiten wee vöörbigoahn un futt wee dat wäär Moandachmörgen. Sied dree Doach wee de Häven kloar - de Schnee wee all gnidderich hart un old.

Hinnerk bössel vörmörgens alleen los. Sien Holschen har Moder mit Plünn'n ümwikkelt, dat he nich utglieden de.

Een Stükkji wee he all de Sandpatt hochschuffelt, as Moder hüm noastöäkeln keem.

„Hinni - Hinni, dien Törf“ …  he har de Füürung vergäten intopakk'n.

Moder geev hüm de Büdel in d' Hand mit een gewaltich Sood roden Törf dorin. „Nu man gau, dat du nich to loat kummst - Mester Hedemann sücht dat nich so geern!“ reep see hüm noch noa.

Hinnerk steuster man so wiider un freu sükk up de waarme Mesterstuuv.

„Du harst dien Moderke ok ruhich noch een Söten gäven kunnt“ säe dor tomoal een Stiäm to hüm.

He wee bold utgläden - so har he sükk verfäärt. Sien Kopp flooch in d' Runn’n – doch nümms wee to sehn. Wokeen har dat an denn hüm sächt?

Gediegen - he wee doch alleen - oaber he har dat doch luut un düdelk hört.

„Ikk bün hier“ klung dat wäär „hier in de Büdel!“

Wie - wo - wat? In de Büdel? Dor kunn doch keen Minsch in sitten . . . .

„Ikk bün Törfi - de Törfsood. Blods du kanns mi verstoahn - help mi. Wenn du mi nich in dat Füür schmitts, kann ikk di noch een heel büld vertelln......“

„Joa – oaber ... oaber ikk moot doch wat to bööten mit in de School breng’n......“

„Haang mi hier in de Boom – denn kanns du mi noaderhand wäär mitnähm'n, wenneer du noa Huus geist - un vertell dien Mester du harst de Füürung vergäten. Dat schall dien Schkoa ok nich wääsen....“

„Paster Lubbinoa hett oaber sächt, man dröfft nich leegen.....“

„Du hollst mi dat Läven - un sowat sünd keen Löägens.“

Dat kunn lütt Hinnerk woll verstoahn. In d' Sönndachsschool har he all moal de Geboten hört - un dor stunn an een Stää: „Du schasst nümms an d' Läven goahn“ - un wenner een Stükk Törf schnakken kunn, denn wee dat doch ok Lääven.

He hung de Büdel in dat Struukwaark, un gung oahn Törf noa d’ School.

So ganz komodich wee hüm nich in sien Buuk - oaber komisch - Mester Hedemann frooch hüm gannich, woneem sien Füürung wee.

Schmiddachs nääm he de Büdel ut dat Struukwaark un gung noa Huus. De Törfsood sää niks - un he wee to benaut, üm wat to froagen. Hinnerk verstääk de Büdel mit Törfi in d' Schüür - un as Moder un Voader in d' Middachstünn'n ween, hoal he gau de Büdel un schoof de ünner sien Butz.

„Ikk doach all, du harst mi vergääten“ klung dat ut dat Linnen.

„Pscht – schnakk doch nich so luut“ - Hinni har een ganz roden Kopp vöör Uprägung. „Du brukst keen Baang hemm'n“ keem dat ut de Büdel - „blods du kannst mi hörn, anners nümms.“

Noamiddachs kunn he gannich verwachten, dat dat Bäedgoahnstied wur. Mama har heel figelinsch kääken, as he all dat tweede moal frooch, wenner denn endlich Bäedgoahnstied wee - sowat wee see van hör Hinni gannich wennt.

Glüggelk wee dat sowiet - een half Stünns vöör de Tied wee he all uttrukken - un har sükk doch verrafftich freewillich twee Hannen vull Woater dör dat Gesicht kleit. Moder wuß rein nich, wat mit hör Jung los wee.

„Good Nacht mien Jung -  nu schloap man good!“

„Nacht Mama - du ok...“

De Koamerdör schnä dat Lucht van d' Schienfatt ov. Anners much he dat geern een bäten hellerder hemm'n - oaber vanoabend kunn de Koamerdör gannich flink genooch in d' Schlött fallen.

Dat wee noch keen twee Minüten düster in Hinnerks Schloapkoamer, dor fung Törfi Törf all an to schnakken.

Vöör Milljon'n van Joahrn wee he een heel groten Boom - an siene faste Stamm schürden sükk Wildschwiens, Elefanten un Mammuts. Sowat geev dat up de Eer noch.

Eenes Doachs wee een gewaltigen Störm över de Grund fäächt - een annern Stern har de Eer droapen un disse Störm utlööst.

Aal wat up de Eer stunn un wassen de, dat wuur verschoaben un ut de Richt bröcht. Dat Iis van d' Nordpol schoof sükk bit an de Alpens un mook d' aal ünner sükk platt, wat Lääven in sükk har. Sien Lääven wur heel fast tosoamenstuukt un ünner Iis un Geröll bediekt. Dor har he nu Milljon'n van Joahren schloapen - un wee mit de Tied van Holt to Törf worden. He wüür vandoach noch schloapen, wenn Hinnerks Voader hüm nich letzt Sömmer utgroaven un as Törfsood mit noa Huus noamen har.

„Wenn ikk nu in d’ school dör d' Füür schall, hevv ikk niks mehr van de Tied - un kann di niks vertelln - van dat wat mi up de lange Reis tomööt koamen is.“

„Nä, nä“- sächt Hinni - „so schall dat nich koam'n. Mörgen verstääk ikk di eers moal up d' Böän.“

Annern mörgen - laang vöörtieds - har he Törfi - Törf all up de Böän brocht. In een düster Huukje, wor hüm nümms finn’n wüür.

In d’ Vöörjoahr, wenn de Grund wäär week wur, denn wull he Törfi noa buten breng'n. Dormit he endlich wäär dorhen keem, wor he hengehör.

Dat schull oaber liekers heel anners koam'n, as he sükk dat so moi utmoalt har.

De Tieden ween noar - de Infalatschion har aal dat upfräten, wat Hinni sien Ollen hör eegen nöömden - ok de Huusstää. Un so mussen see un Hinnerk över Nacht de Ploatz rüümen, un aal achter sükk loaten.

De Tied leep wiider - Hinni wur grood un grötter - kreech sien eegen Famili - sien Kinner de ween ok bold grood - un eens Doachs har he sien eersten Enkel up d' Schoot sitten.

Man - Törfi Törf, de har he ni nich vergäten kunnt. Un dat, wat de hüm in siene Kinnertied vertellt har, dat ok nich. Dat de he nu oaber - in sien ole Joahrn – an sien Enkel Jan vertelln. Denn Lütten kunn dor gannich genooch van hör'n.

Oaber as dat Läven so geit - Hinnerk har as Opoa disse Welt verloaten mußt - un Jan wee ok all so olld, dat he sülven Kinner har.

Dat Begääven üm Törfi Törf, dat wee in sien Kopp heel wiet noa ünnern szakkt, un woll noch wiider.

Opa Hinnerks Vertelln in seine Kinnertied har hüm woll noa de School so’n bietji up de richtige Padd stüürt - he har näämich studeert un wee Historiker worden.

Vöör gannich laang Tied geev sükk dat, dat ole Hüüs - de hoast bold dod ween - wiiderläven schulln.

Jan wee in disse Kring as Weetenschkuppler inbunn'n un muß sükk aal de Hüüs ankieken, de nich starven schull’n.

De leev Gott hett dat denn so stüürt, dat dor ok dat Huus, in dat sien Opa Hinnerk as Kind läävt har, dorbi wee. Tomoal seet hüm wäär de Geschicht van Törfi - Törf in d' Kopp – de wee van ünnern ut sien Kindstiedsweeten bit noa vöörn kroapen - un leet sükk dor nu ok nich mehr wächwischken. Reidpupp för Reidpupp, Balken för Balken un Steen för Steen wor dat Huus ovdroagen. Un dor up de Böän, in de düsterste Hörn - wor hoast hunnerd Joahr nümms henkoamen is - leech jümmers noch in de rötterk Plakken van een Linnenbüdel Törfi Törf un luur up sien Frünnd Hinni, de hüm doch in d' Moor brengen wull.

Jan har sien lütten Jung mitbrocht - de he in d’ Denken an sien Opa Hinni ok Hinni nöömt har - de hool Törfi Törf denn mit sien lütji Hannen ut dat düster Lokk an de Dach. He hett hüm denn, tohoop mit sien Voader, heel versichtich in dat Museumsdörp droagen un in een grooten Kuul in de Freeheit loaten.

As Törfi Törf ünnern in de natte Grund leech, dor meen Jan van wieden een fiene Stiäm to hörn: „Ikk grööt Opa Hinnerk van jo!“

Villicht har he sükk dat ok blods inbiäld - up jederfall hevvt see in dat Lokk een lütji Boom inplannt, so dat Törfi Törf  nu richtich wäär in Huus wee, so as Opa Hinnerk hüm dat noch as Jung versproaken har.

 

ewaldeden

 

Ich hab’ die Gänse darben seh’n …

glaubt mir, es war nicht wunderschön ...

 

Dieser Textanfang sprang mir ins Denken, als ich am Tage nach Ostern in den drei regionalen friesischen Tageszeitungen Manfred Lehmanns Bericht über die, in den Augen eines Bauern Lührs, überaus schädlichen und gefräßigen Nonnengänse – die in den als „Europäisches Vogelschutzgebiet“ ausgewiesenen Grünlandflächen rund um den Jadebusen (hier die Marschwiesen um Petershörn herum) auf dem Zug in ihre nordischen Brutgebiete ihre allwinterliche Rast halten – las.

Man bediene sich der Böllerschußautomaten lediglich zur „Vergrämung“ der Nonnengänse. Das Unsinnige an dieser Wortwahl scheint einigen Landpächtern oder –eigentümern, sowie den Herrschaften in den Amtsstuben der unteren Naturschutzbehörden, noch gar nicht aufgegangen zu sein.

Wenn ich - zum Beispiel als Geschäftsmann – meine Kunden vergräme, dann verenden nicht die vergrämten Kunden (die weichen dann einfach zu anderen Handeslsleuten aus, bei denen sie dann wieder gewertschätzt werden) sondern ich als „Vergrämer“ pfeife dann über kurz oder lang aus dem letzten Loch meiner Existenz. Bei den Nonnengänsen und ihrem Bedürfen, sich Fettreserven für den kräftezehrenden  Weiterflug in ihre Brutgebiete anzufressen, sind die Folgen genau entgegengesetzt.

Die Tiere können nach einer Vergrämumg nicht einfach auf andere Wirtsflächen ausweichen – es gibt sie in ihrem eingeprägten Vogelzugplan nämlich nicht, oder  zumindest nicht in ausreichender Zahl. Unter den, dieses Schauspiel (jetzt wohl eher Trauerspiel) beobachtenden Spaziergängern und Naturfreunden entlang des Deiches, Richtung Dangast, machte plötzlich das Wort von den „Böllerbauern“ die Runde. Auf mein Nachfragen,  was man mit dieser Bezeichnung denn zum Ausdruck bringen wolle, erklärte mir ein älteres Ehepaar (es waren übrigens Feriengäste aus dem Ruhrgebiet): „Die haben ganz einfach Lust am Böllern und am Tiere verängstigen, so der Herr – die alte Dame bezeichnete es sogar als Tierquälerei.

Verängstigt, scheinbar verwirrt, hockten die Gänse denn auch zur regulären Äsungszeit auf futterlosen Flecken am Rande der Pütten.

Der Hinweis des Bauern Lührs auf die Verkotung durch die äsenden Flieger ist selbst in der Meinung von nachbarlichen Landwirtskollegen ein Schuß nach hinten – in die eigene Güllegrube sozusagen. Weltweit zahlen nämlich Gärtner und Landwirte zum Teil horrende Summen für den Ankauf von Vogeldünger – hier bekommen die Nutznießer ihn als Bevorzugte frei Acker und Wiese geliefert – und trotzdem würden einige Agrarier die Lieferboten am liebsten enthaupten, wie es weiland die Herrscher mit Überbringern schlechter Nachrichten taten.

Dem Gerede des Lührs vom völligen Kahlfraß bis unter die Fruchtknoten wird die Natur in Kürze ihr Tun entgegensetzen – die Weiden werden sich so grün wie eh präsentieren. Es sei denn, dass gerade eine dicke Schicht „umweltfreundlicher Gülle“ das Land bedeckt und Mensch und Tier verschreckt. Ich frage mich nur immer wieder, warum von den institutionalisierten Natur- und Tierschützern so sehr wenig bis gar nichts zu diesem Geschehen zu vernehmen ist. Hat sie vielleicht auch Wer vergrämt, so dass sie jetzt alle verängstigt in irgendeiner Ecke ihrer Institute hocken?

 ewaldeden

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Persona non grata

 

Die Regier’nden im gelobten Land

sind ihre Masken losgeworden,

sodass ans Licht der Wahrheit fand,

was sich bisher da drunt’ verborgen.

Ihr Machthunger wurd’ stets benannt,

als Schutzwall gegen Feind’s Begehren -

der Feind, so haben sie nun bekannt,

sind alle freien Kritiker –

denen sie jetzt das Land verwehren -

und hier bei uns in Deutscheland -

wo wir das aus Erfahrung kennen -

sich Presse gleich bereite fand,

Nethanjahu hinterherzurennen.

Bei Riesenpresseweltverlag

muss Schaffender sich gar verpflichten -

man glaubt es nicht, wenn ich das sag –

über Zions Tun nicht Negatives zu berichten.

Was Grass gesagt, das wurd’ verstanden,

in aller Welt und deutschen Landen

nur schmeckt es Krieges Treibern nicht

weil es der Schuldnis Bannstrahl bricht …

 

ewaldeden

 

 

 

...vun Ewald Eden
     
Wiehnachtsstiern

Wat is dor boben för'n Stern to sehn
steit dor in schwaarte Nacht
sien Lucht dat is so wunderschön
as wenn een Engel freudich lacht

Ümto de Häven is as Ink
dat Weltall hollt de Oahmluft an
de Stern dat is 'n Herrgottsding
schleit Old un Jung in sienen Bann

Is denn sowiet dat Winacht is
de hillich Nacht is dor
kummt to us aal de hillich Christ
is dat nich wunnerboar

   
           

Een van us...

Jan-Hinnerk steit dor an de Stroat
een Meter un een Bäten
he kikt so plietsch un so ak'road
is stoadich bloß an d' äten

 

In d' Rechter hett he een Stück Schinken
in d' linker Füüst een Knüben Brot
sien Oogen sünd as Sterns an blinken
sien Backen lüchten gleunich rod

 

Van smörgens bit oabens is he an wenken
as wenn he dirigeeren moot
deit jedereen sien Lachen schenken
ov de nu schlecht is — ov is good

 

So mennich een de mach woll särgen
de Jung is nich ganz dääch in d' Kopp
denk dat man hier bloß aal kann börgen
villicht löpst du ok bold Galopp

 

 

Dörpfest

So 'n Dörpfest is doch woll heel moi
de Jungen frischk — de Ollen toi
Jeden deit sükk utstaffeern
elk ov een mach noch wat leern

De Anfang is meest woll wat stuur
as Börgermest de dikkste Buur
weet nich bi d' Schnakken lostolärgen
anstatt man eenfach Prost to särgen

In d' Teld dor is vöäl Tingeltangel
de Lüü sünd good in Schweet
in jeder Hörn düchtich Gerangel
wor mörgens nümms mehr wat van weet

De Krööger kann dor nich tägen kruupen
so mennich Gatt is utdrööcht
man will vandoach sükk recht besuupen
dat heel Dörp — dat is nööcht

De Mannslüü sünd all düchdich duun
de Föät word'n sinnich güüst
de Kapäel — de givt allwäär Kattuun
elk gript sien Deern mit d' Füüst

So mennich Stünn'n noa Middennacht
de Jungs haangt över d' Heck
de Krööger sükk sien Geld anlacht
as Botter ünner d' Speck

Dat Dörpfest wee doch wäär heel moi
de meesten hebbt een dösich Brägen
de Ollen sünd noch net so toi
de Jungen mööcht sükk rein nich röögen

 

     

Ovscheed van Moder

Oach, weets du d' noch…
ikk weet dat noch.
Besinnst di noch…
ikk besinn mi noch.
Süchtend koamen mennich Froagen
ikk spöör wu hör dat Haart upgeit
see kikkt retuur in Jungtieds Doagen
as see tägen mi an d' Moorkuul steit
vergääten sünd de Olldachssörgen
see föölt sükk wäär as junget Wicht
dat nich denkt wat givt dat mörgen
dat nich weet woarüm see schwicht
saacht goa ikk een Trää bi d' Sied
loat hör alleen in hör Bedenken
wiel ikk spöör dat dit ‚ganz Wiet'
hör endlich Ruh un Frää deit schenken
disse Momang an Moorkuuls Wischen
dit indüüken in ‚fröer moal'
dit ‚Nu in Güstern' mit nix dortüschen
dat is de Läävensgrens hör Poahl

 

   
   

Mien lütji Dörp

Mien lütji Dörp mit de tein Huusen
mien lütji Dörp dat is nich mehr
wat wee dat moi in mien Besinnen
wat deit mi dat in d' Haart woll säär

Een Mersfolt un een hoogen Törfbüld
achter elker Huus wee dat to sehn
de Röäk nu noch mien Denken füllt
wenn ikk mi an de Eekboom lään

De Boom is eenzich hier noch blääven
stollt rekkt de Kron wiet över d' Diek
blods bi hum seech ikk noch Lääven
wenn ikk so över d' Land henkiek

Dat Kinnerlachen is verweiht
keen Lien mit Waaschk is mehr to sehn
keen Krööger mehr vöör d' Kroochdör steit
keen Minsch is hier mehr good to Been

Ikk drei mi üm — moot eenfach goahn
mien Been'n sünd stief as Eeekenhollt
mi rullt ut d' Ooch een lütji Troan
ikk spöär — nu word dat Haart mi kollt

 

   
Drei di üm...

Achter d' Diek de gröön'n Wischen
de Bloaden krüüseln saacht in d' Lücht
Schwaartbrod un Schink up schüürde Dischen
Lachen över d' Land hen flücht

An de Dieken schloat de Bulgen
de Penners lüchten rod un geel
an d' Hääven jachtern witte Wulken
dat junge Volk danzt up de Deel

Ut d' Dörpkrooch hört man Puustmusik
ov un to deit een Bescheed
hier is nümms aarm — un ok nich riek
hier singens aal dat sülvich Leed

Dat Leed van Heimoat un van Leev
dat singt man hier sied duusend Joarn
liekers wat dat Lääven dreef
ikk moot doch wäär noa Huus henfoarn

 

 

 

 

 

   
   

 

De Maienboom

In d' Kriemhildstroat in Oestringfeld
hebbt de Noabers sük een Maiboom sett
hevv hunnerd sehn — ik hevv hör tellt
he as de moieste lett

Van d' Huusfroo hen bit too'n Koptein
aal hevvt sük rööcht — un hevvt sük ploacht
dat Waark dat steit nu schier un fein
nümms noa de Aarbeid froacht

In d' Rundum üm dat bunte Gröön
dor sing'n see — un jachtern
ik hevv noch nie niks moiers sehn
van vöörn un ok van achtern

De Nacht löpt hen — de Mörgen schummert
de Lüü falln möö in Beäd un Kast'
bi mennicheen de Brägen wummert
hett mit dat Denken woll sien Last

Doch Middachs — jedeneen is dor
dat Maienlucht begröten
de Köpp de sünd ok meist wäär kloar
elks Wicht de kricht 'n Sööten

Hollt man good fast an Bruk un Plääg'n
de Enkels word dat danken
well dat vergätt bi Doon un Wäägen
vergätt ok siene Schranken

 

   
 

Dat Füürtornlucht strikkt över d Woater
twee kort dree lang un een Minüüt niks
Jan-Hinnerk stroakelt saacht de Koater
un sächt: nu givt dat Tee — heel fiks
he klautert de iistern Trapp andoal
fiefunsäßtich luude Stappen
dat deit he geern för dit Verhoal
sien Patzmann schlutt jüüst de Buterklappen
up d' Bakk in d' Köäk dor stoaht de Köpkes
up d' Stöövken wacht de Teepott all
dat rükt net as bi Moder Röpkes
in d' Kluntjestuuv up d' Winachsball
de gääle Room sien Wulkenbloom
lett as een Bild van stille See
de halve Stünn'ns as in Droom
de sett nu allens wäär up Stee

 

   
      De Wind

Over de Kolken weiht suutje de Wind
de Grens hett för hüm keen Bedüden
he schmüstergrient as een lüütji Kind
man hört sien Lachen van wieden
de Blööm'n nikkoppen wenn he hör eit
de Bulgen saacht över d' Gröönland strieken
de Schoapen rüscheln sinnich dör d' Reid
langs de hoogen Dieken
van d' Eiland blenkert de Füürtoorn in d' Lücht
de Süän verkrupt sükk achter de Hääven
an d' Siel Minschen tohoop man sücht
hier hett man noch wat van sien Lääven

 

   
  Grootmoder

De Dach drüselt sükk dör de Stünn'n —
in d' Köäken is dat de halfluchtige Tied.
Grootmoder moot sükk mit dat Begääven anfrünn'n,
ov see nu so is — ov doch nich so blied.
Up jederfall is see alleen.
See schnakkt mit de Sünn,
de noch dör de Appelbööm blenkert.
Dor is anners nümms
an de see wat särgen kunn:
Buten up d' Land;
stuuv achter de Waal
de Noaber sien Jung
mit een Melkbumm' rümschlenkert:
Jan-Hinnerk,
wat hör eegen Blood is,
de letzt Enkelsöähn, de hör noch blääven,
de is sied eeergüstern bi d' Kommiß.
De Kriechmoaker bruken sien Lääven.
Sien Voader — de Foormann
un Diederk sien Broer,
de lirgen all laang in de Grund.
See ween de eersten de intrukken sünd,
see ween de eersten de dodblääven bünd,
dor frocht een nümms ov di dat gefaalt.
Blods de; de dat scheeten togaang brocht hevvt;
de sitten moi hoch un moi drööch.
Wovöäl Blood denn an hör Hann'n kläävt
is liekers noa annermanns Möäch:
So sitt see allenich in de halfdüster Köäken;
hör Hann'n strieken de Katt saacht över d' Hoar;
see deit heel sinnich dat Füür inröäken;
dat moakt see in d' Huus nu sied tachentich Joahr.
De Mörgen mit sien Olldachsgelaarmte,
de sücht hör denn sitten in d' Hörn —
de Hannen in d' Schoot, de Oogen noch kloar —
blods hör Lääven — de Waarmte,
de is nich mehr dor.

 

   
      Mien Droomland…

Ikk goa bi Nachten dör de Wischen
een Rüscheln weiht saacht dör de Lücht
hier dat Woater dor de Diek un jüüst dortüschen
een Nachtuul över mi henflücht
de Moand haangt sülvernwitt an d' Hääven
sien Lucht sprenkelt dat ruuge Meer
de Strand de läävt van flüchtich Lääven
in mi dor geit de Ruh tokeer
mien Haart schleit as een sieden Trummel
mien Blood dat singt as schloapend Wind
mien Seel luurt up dat Steernsgebrummel
mien Denken is unschüllich Kind
ikk seech de Stünnens vöör mi flüchten
de Trää van hör an Woaterskant
ikk spöör een binnerwendich süchten
noa di, mien Haartens Freesenland

 

   
  Een poar Froagen blods …

Wat is wenn wi Theoater speel'n
wiesen wi Lääven
ov doon wi blods so
wat is wenn de Minschen de Welt verneel'n
zerstöört see dat Lääven
ov doon see blods so
wat is wenn wi us be de Hann'n foaten
bewoahrt wi dat Lääven
ov doon wi blods so
up all disse Froagen
dor kricht man keen antern
up all disse Froagen word schweegen

 

   
      Wat hett dat woll to bedüüden...

Irgendwat is verdreit in de Welt.
Minschlichkeit — froacht di een,
wat is denn dat?
Dat is doch 'n Begreep ut urolle Tieden —
ikk keän blods een Word — dat heet Geld.
Wat anners kann d' doch vandoach nich mehr lieden.
Kiek di moal Winachen an —
dat is ok so'ne Soak.
Wee fröer moal wat mit Gefööl — un so,
dat kann di bold nümms mehr vertelln.
Nu is dat een reinet Geschäftengedoo —
un jedeneen is över to wenich an Schelln.
Freud över 'n Stükk Kook
ov een frünnelked Word,
dat kanns d' nich mehr verwachten —
dat is wat van de besünnere Szort,
de meesten doon dat verachten.
Dorbi is een leeven Blikk
mehr weert as duusend Geschenken —
kiek moal een spierke noa achtern torüch,
denn machst dor woll moal an denken.

 

   
    Schwiech still…

Schwiech still mien Haart, schwiech still
mien Seel flücht över d' Woater licht
see weet nich wat see söken will
see käent nich Förm un nich Gesicht
see spöört dat mi wat fäälen deit
see sücht dat Lokk in mien Besinnen
in dat sükk aal mien Süchten dreit
so witt as unbeschrääven Linnen
see kummt eers trüch wenn see wat funnen
wat liek in mien Belääven passt
wiel see denn 'wiß dat ikk hevv wunnen
wiel verlüstich geit mien Olldachslast


Ewald Eden leest düt Gedicht — to'n Anhören: Hier klicken
   
      Neeschier…

 

De Stuvendör sük nich bewäächt
dat Schlöädellokk verhangen
man meent — dat dor de Engels fleecht
in Kinnerhaarten söötes Bangen

 

De Fenster wiest in d' Appeltuun
villich kann man wat spitzen
de Gröttern sünd vöör Neeschier duun
see doon sük rein erhitzen

 

Möächt see noch so foast sük quääln
sük an dat Müürwark hochtotilln
stoadich deit een Stückji fääln
an dat — wat see woll weeten willn

 

Man sücht dat blinkern in de Schieven
sinnich geit een hen un her
nich weeten wat de binnen drieven
in Kinners Kopp geit dat tokeer

 

So moten see sük still bemööten
bit dat an to pingeln faangt
Geschenken — Kringels — Päpernööten
Knecht Ruprecht ut sien Büdel laangt

 

 

 

   
 

 

Winachen...

 

Winachen wee nich blods in Huus —
nää — Winachen wee ok stiäl up een annern Stäe
bi Oma un Opa — un jümmers wäär nee

Winachenmörgen muß man eers schnüstern
wat Winachsmann brocht har — so mirden in Düstern

Dat meest, wat wi kreegen, wee wat antotrekken.
Us Öllern mussen sükk bannich noch rekken,
Speeltüchs — dat wee ok woll dor
dat wee meest een upklütert Holltpeerd
ov een Pupp van verleeden Joahr

wat hevvt wi us hööcht — mit dit un mit dat
wat hevvt wi äten — wat ween wi moi satt
schnoamiddachs gung d' noa Oma un Opa andoal
dor geev dat „Bescherung“ — ton tweeden moal
un wäär wee rejell wat to Schlikkern dorbi
wat wee mi noas schlecht — un dat nich blods mi
verglikks dat mit vandoach — so wee dat meest wenich
man wi ween tofrää — ok noch mit een Pennich

 

 

   
   

 

Engelsvisit

 

Vernacht wee een Engel
bi mi to Visit
he wull mi wat särgen
he keek so heel blied
sien Flöägels de blenkern
as fiinspunn'n Glöäs
ik kunn mi blods höögen
een Troan hung mi an de Nöäs
he wull mi wat bring'n
van Heiland un Fräee
ik höör heel fiin Sing'n
kunn nich van de Stäee
mien Haart dat wor licht
as de Wulken an d' Hääven
wee so tomoal
an jachtern un schwääven
ik spöär rein niks mehr
van Olldachsbedrüüs
mien Seel stapp dör Müür'n
flooch hoch över Bargen
keek in een büld Annerlüühüüs
höör Minschen sükk targen
seech Kinner in Nod
doch as de Engel to hör keem
dor wee allens wedder good
un ik wuss bi mi
ganz deep in mi binnen
wenn an de Engel wi glöövt
deit de Fräee up d' Eer winnen

 

   
    Winachswunner

 

 

Winachen kummt mit groode Trää
överall dat festlich blinkt
Knecht Ruprecht suust mit siene Schlää
Kinners nä — wat Freud he bringt

 

All de Harten sünd vull Waarmte
blied seegen de Gesichten ut
in disse Nacht givt d' keen Gelaarmte
de Herrgott lett de Engels rut

 

Well nu oapen Dören hett
un een Winachsboom mit Keersen stollt
de Engel dor sien Teeken lett
wor Globen noch de Leevte hollt

 

 

   
      Een Froach blods...

Wat is eelich Winachen
well weet dat woll noch
well denkt
an dat hillich Geböören
jedeneen de lett dat kroaken
as wenn dat üm geit
de Welt to verföören
Winachen
dat hett Frää to bedüüden
un Minschlichkeit
hier up de Eer
woneem schull'n anners
de Klokken woll lüüden
wenn Een deit de Anner blods säär
loat dat heele Gedrüüs
moal ünnern in d' Schkappen
denn schall dat in de Hüüs
mit de Freud ok wäär klappen

 

   
  Hillichoab'nd...

Höörst du de Winachsglokken lüüden
kling'n noch so fien as dröögen Schnee
dat kummt — man höört se ganz van wieden
heel wiet wäch noch — över See

De Schäpen de noch buten sünd
de seilen flink in d' Hoaben
de Herrgott givt hör goden Wind
dreit mennich Stüür van boaben

An Hillichoab'nd sünds aal in Huus
hollt de Kinner un de Fro in d' Aarm
is buten ok woll Stöörmgebruus
ünner d' Reitdakk is d' moi waarm

In d' hukich Stuuv an d' Gävelmüür
steit d' Winachsboom in d' Hörn
de Keersen sünd dat eenzich Füür
up d' Jesuskind sien Törn

Wenn d' Engels dör de Koamer glieden
man spöört de Flöägels strieken
denn brukt man heel niks Stures lieden
in dit Nacht mutt dat wieken

 

   
      Kiek moal noa boaben...

De Häven — schwaart un sternenhell
trotz balkendüster sücht man wiet
een Lucht dor boaben — schienfattgrell
schall us stüürn döör de Winachstied
mennicheen kikkt as Tüünkroam dat an
man glövt doch nich mehr an de Winachsmann
nä — de Winachsmann loat man föör Jungs un föör Deerns
föör de Groten dor lüchten de Herrgott sien Sterns
een bäten Besinnung deit jedereen good
sett di moal doal un säch Danke
denn krist du wäär Moot
niks paaßt woll bäter in disse Tied
villicht maakst ok du
Winachen is nich mehr wiet

 

   
    Nu is d' nich mehr laang hen …

Wenn dat üm veer all düster word
geit sinnich woll dat Joahr to Enn'n
tomoal schleit up de Himmelspoort
man sücht de Engels rönnen

Hier is de Büdel noch nich vull
dor sünd noch heel keen Päpernöten
Winachsmann kikkt all rech dull
wiel see nu nödich losfoahrn möten

Överaal dat Tüchs verstäken
wat see an Hillichoabnd verdeelt
moot man ok moal de Aarms langrekken
wenn hier un dor een Ledder feelt

Wäkenlang word Stuten backen
dat Himmelsfüür geit ni nich ut
de Engels hevvt keen Tied to schnakken
see kennen blods noch Winachsstuut

Winachenoabend is d' denn sowiet
de Lütten rönn'n aal hen un her
Minüten wordn to'n langen Tied
dat Töven deit all richtich säer

Wenn denn tomoal de Dör up geit
de Keersen sünd an lüchten
wenn Winachsmann denn vöör een steit
much mennicheen woll flüchten

Is ok so'n spierke Angst dormanken
de Oogen blenkern doch as Sterns
wenn ut d' Winachsmann sien grode Pranken
Geschenken koamt föör Jungs un Deerns

 

   
     
Een sünnerboaren Tied

 

Överall hört man de Engels ööven
heel fiin un heel saacht
dat see nümms stört
de Kinners up d' Eer
köänt all nich mehr ovtööven
wat dat an Winachen woll geböört
in Schuven un Schappen
in Winkel un Hörns
lett Moder Bott för de Winachsmann
ok ünner de düster Kellertrappen
haangt noch wat för sien Gespann
groot Hinnerk de kann dat nich loaten
stilkens to luustern un hentofoaten
Stine de wüür dat joa ok allsto geern
doch dorför is see to lütt de Deern
wenn Opa dat woahrt
deit he woll moal schellen
un sächt
he wüür dat de Cloaskeerl vertellen
doch liekers
deit he de Oogen tokniepen
he kann doch sien Enkels
nich an d' Hääven verpiepen
Voader hett rein keen Tied
för de Froagen
he mutt achter de Pinunsen anjoagen
denn ok dat hett sükk ännerd in disse Welt
Freud up de Eer
givt dat blods noch för Geld

 

   
 

Neejoahrsmörgen…

Nu bün ikk dor —
so sächt us saacht dat neeä Joahr —
kikkt an sükk doal
un schküddelt sükk,
denn aal de gräsich schidderk Kroam
so üm hum to,
de moakt doch rein de Stiäm hüm loahm.
De Minschen hevvt in Överdüür
ovbraant een büld Silvesterfüür —
see hevvt dat ballern huulen kroaken
un ok woll düchdich fleuten loaten.
Dat Fleuten is verfloagen,
dat Kroaken und at Huulen schwicht —
doch in de eerste Joahresdoagen
een Hopen Schietkroam in d' Natur rümmlicht

 

   
   

Heimat

Wor de Seils in d' Wind fluttern
wor de Buurn sünd so riek
wor de Möälns in d' Wind ruttern
wor man Schoap sücht an d' Diek
dor kanns häntich good leeven
dor is de Ruh noch in Huus
dor köänt de Haarten noch schweeven
ok in d' Störm
sien Gebruus
wor de Kädel
up d' Füür steit
wor de Teepott ni fäält
di dat Höögen
tomöötschleit
liekers ok wat die quäält
dor word nich vöäl kauelt
dor word nich vöäl tüünt
ok wenn Olldachsgejauel
di wat anners anschüünt

 

   
  Dat lüütji Dörp

Dat lüütji Dörp dor an d' Diek
dat tellt noch keen twintich Hüüs
hier is nümms grood un ok keeneen riek
un in de meesten hör Koamers un Schappen
dor schmachten sogoar de Müüs
Bookweetengöärt un Karnemelksbree
dorvan mooten de Minschen elker Dach lääven
statt Schoo anne Footen droagen see Klumpen
elektrisch hett man hör ok noch nich gääven
un Woater kummt nich ut de Leitung
dat mooten see ut de Pütt pumpen
de Pütt dor vöör dat ole Wertshuus
dat Weertshuus mit de spoakerken Schieven
in dat keen Mannsbild mehr vöör d' Tresen sitt
in dat de Spinnkers sükk de Tied verdrieven
un blods noch de Störm de Dören upritt
in dat lüütji Dörp dor an d' Diek
dor lääven noch söbentein oal Minschen
un twalf Wittfruun alleen
mit achtein halfjöährich Kinners
de sükk to Winachten all ganniks mehr wünschen
as villicht moal een Poar Strümp anne Been

 

   
     
Oabendleed
(Melodie: Guten Abend, gute Nacht)

Schluut'd de Oogen, schloapt in
schloapt in d' Heergott sien Sinn
lächt de Sörgen bi de Sied
schloapt in Ruh un wääst blied

Mörgen froo — wenn Gott will —
dreit sükk wiider dat Spill
mörgen froo — wenn Gott will —
dreit sükk wiider dat Spill

Schluut'd de Oogen, schloapt jo free
wenn ok hoch geit de See
föölt jo sääker un bewoahrt
wünscht jo alltied goode Foahrt

Mörgen froo — wenn Gott will —
dreit sükk wiider dat Spill
mörgen froo — wenn Gott will —
dreit sükk wiider dat Spill

 

   
 
 
 
Bi us an de Küst...

Steist Du up d' Diek
kikkst över de Wischen
de Wulken an d' Hääven
seil'n over di her
van d' Seekant weiht di
een busigen frischken
noordwestigen Wind
mit Oahmen van d' Meer
de Korben de strieken
over de Schlengen
de Miesmuschkels blenkern
achtern in d' Watt
de Bulgen de schakkern
see jachtern un lengen
un tägen di
schnakken de Kinner noch Platt
de Weertsmann in d' Krooch
stuuv achter de Schlüüs
in de Krooch
mit de Röäk van dat Törffüür
he hett van Äten und Drinken genooch
för de Sömmergasten
in de hukelich Hüüs
un för de Mannslü
up de Kutters an d' Stüür
hier is een büld
van de Gemütlichkeit
de nödich is
wenn d' üm Minschblieven geit

***

Wenn du up d' Diek steist
un kikst över d' Woater
denn süchst du
wu Hääven un Meer eenich sünd
wenn du up d' Diek steist
un kikst över d' Woater
denn spöörst du den frischken
anlandigen Wind
wenn du up d' Diek steist
un kikst över d' Woater
denn hörst du de Korben strieken
wenn du up d' Diek steist
un kikst över d' Woater
denn föölst du
woarüm ik van hier nich kann wieken
wenn du up d' Diek steist
un kikst över d' Woater
denn süchst du mien Haartblood loopen
wenn du up d' Diek steist
un kikst över d' Woater
denn weets du
dat Gefööl van Heimoat
dat kann man nich koopen

 

  Klöärland Oostfreesland...

Grööne Wischen, bruunsched Moor
un jüüst dortüschen hooge Dieken
vöör Penners Groo mit Woaters Spoar
griesgrau lüchten Schliekens Watten
Schlengen trekken sükk dordöör
foaken flüchten griese Katten
loaten achter sükk Mallör
Wattschlääschuvers sünd an fangen
Granoat un Stint un Grabbelbutt
deit ok moal een noa achtern langen
denn blods, wiel he een näämen mutt
Schoapen rüscheln dör de Reiten
in d' Dünenlooch an Seesietskant
man hört de Gretoas sinnich fleiten
wenn see trippeln langs de Strand
man hört de Bulgen wenn see störten
sükk över Kopp tägen Hoabens Müür
man sücht denn Seehund mit sien körten
Schnuut sükk bekieken dat Gedüür
man sücht Hoasen över d' Vöörland brakkern
Goosen strieken dör de Lücht
höört Mövkes up de Dalben schakkern
un spöört wu saacht de Tied verflücht

 

   
   
Dodensönndach

Stillichkeit
Graftenruh’ un Hillichkeit
Stoom licht över Kaarkhoffs Wischen
Klokkenlüüden
un dortüschen
heel van wieden
huulen van een Schkippssireen
wiel, de Stüürmann
kann de Kant nich sehn
de Koptein de sücht blods griese Lücht
de häntich över d’ Woater flücht
he meent tomoal de Seel’n to spöörn
de hüm willt in d’ Hoaben föörn

 

 

 

 

 

 

 

Wor is d' aal blääven…

Een lange Reis geit nu to Ennen
van wiet her dreef mi dat noa Huus
ikk hoap up Minschen de mi kennen
un flücht vöör frömmdet Woordgebruus
ikk hööch mi up mien Modersproak
fööl all de Waarmte strieken
bün blied dat Weltens griese Doak
vöör dit Gefööl deit wieken
doch as ikk dör de Stroaten steuster
söök vertwiefelt Kaark un Krooch
maark ikk dat ikk vergäävens leuster
un mi mien Hoapen drooch
hier is nix mehr ut mien Besinnen
is nix mehr wat mien Denken eit
ikk kann nu wüggelk nix mehr finnen
blods Koal de mi up d' Föölen schleit

 

   
     

Spekuloatius un Boskop-Appels
mi dücht dat is bold wäär so wiet
Hönnichkook un Peergetrappels
man rüükt un höört de Winachstied
dat Föölen is noch Sömmers Lücht
villicht een bääten Harstens Schmoak
in d' Tuun sücht man de riepen Frücht
as een Wunner Heergottssoak
man sücht de Spinnkers sülvern Netten
an d' Hekkenwaal un Wilgenstokk
man sücht wu sükk de Immen setten
as kennden see de Joahrstiedklokk
man sücht de Bloaden sükk verfaarven
dat Stiekelschwien frätt sükk een Pans
de Bottervoagels Lääven aarfen
un föören up de Dodendanz
tomoal licht denn een witted Dook
över allns wat Sömmer wee
ut d' Schössteen'n küselt denn de Rook
över d' Natuur, de ünner Schnee

 

   
  Aal sünd s' tofrää...

Wat rükkt dat moi in d' Winachsköäk
noa Griebenschmoalt un broaden Goos
de rode Kool mit Appelröäk
steit tägen de bruune Sooß
Moder hett all gleunich Bakken
see schufft de Potten hen un her
hett achter sükk so stuv to pakken
dat Fatt mit de geele Botterschmeer
in d' Bakkschapp is dat good an schmurgeln
de Vöägel kricht een kröstern Huut
Voader deit mit Doornkoat gurgeln
in d' Piep schmöökt he een grääsich Kruut
de Kinner sünd an d' Pott utschlikken
de Deech haangt an hör Zukkermuul
de Hund de is to best up Stükken
he röäkelt sükk in d' Sofakuul
wat givt dat moiers as so'n Winacht
wor jedeneen vöör Bliedheit good
wenn denn ok noch so'n spierke Glükk lacht
denn hest doch glieks wäär neeän Moot

 

   
     

Ook en Heimatleed

Dat is jüüst, as ov mi een Engel
över mien Haart strullert hett —
sää mien Opa heel blied,
wenn he sien Köpke Tee
up de Kökendisch sett.
So is mi dat ok,
wenn mi wat Goodes geböört,
wat eenzich de Hääven
un nich denn Düwel tohöört.
Ikk spöär, wenn dat kummt
un dat kummt up mi doal,
denn steit mien Sinnen so fast,
as een eekenen Poal.
Dat is as d' verwachten
van Moder Natuur,
wenn see in winterlich Nachten
licht iisfast in suur.
Dat is as wenn Voagels
dör de Vöörjoahrslücht glieden —
denn rüükt man dat Gröönen
ok all van wieden.
Dat is as wenn Sömmers
de Sünn ünnergeit —
un de neeä Dach üm Oost
allwäär sien Füürboagen schleit.
Dat is, as wenn de See
dör dat Schliekland strikkt —
un de Woaterhund neeschierich
över de Sandhümpels kikkt.
So is mi dat hier,
in us Vööröllern Land —
dat is mi so schier,
as an keen anneren Kant.

 

   
   

Goode Vöörsatzen

Wi hevvt nu allwäär achterloaten
good äten, drinken, Fierderee
de Olldach hett us wäär to foaten
mit siene Sörgendreieree

Wat man Neejoahr sükk vöörnoahm'n hett
so dit un dat to ännern
mit elker Dach dat anners lett
up use Wandkalennern

De eerste Wääk, un noch wat mehr
sitt een dat bannich hoch in d' Kopp
du schuffst dat in di hen un her
as de daarte Teller Boonenzopp

Du machst dat bold nich mehr ankieken
wat dor so lücht hett, rein un wiet
deist dat in irgendeen Kuul bedieken
un denkst bi di — wat schall de Schiet

Dat düürt een poar Moand un een bäten
denn hevvt wi wäär so 'n Olljoahrsnacht
in de di denn dat schlecht Geweeten
van ünnern ut dien Buuk anlacht

 

   
     

De griese Katt …

Woahr di vöör dat bruunschgriese Watt,
wenn de Lücht an d' Hääven de Welt di wiest —
denn düürt dat nich lang,
bit dat de griese Katt
över de Woaterkant kiest.
Denn helpen keen Schlengen,
keen Prikken, keen Poahlen —
denn kannst du ok nich noa de Luchten verhoalen.
Dat eenzich, wat denn de Richt hollen deit,
dat is dat Pingeln van d' Füürtoorn
un de Keerl, de dor boaben up de Prikkenwacht steit.
Anners hörst du blods schakkern un galpen van Möven
un dat Woater, dat över de Schkippsplanken schleit.
Du kanns anners niks doon,
as bääden un tööven,
dat de natte Dod mit de griese Katt een annern Padd geit.

 

   
  Vöörjoahrsoahmen

De Blöömen de stoahn all sied Doagen in buten
see wiesen hör gröönen un wittklöärich Schnuten
dat as een Teeken van Vöörsömmerstied
denn nu is dat Fleuten un Sing'n nich mehr wiet
dat Fleuten un trillern van Bekassinen
dortüschen dat gurren van Duven
so as düster Rosinen
dat de Schwolfkes seilen so licht dör de Hääven
as deit da ni nich een Iiskoole gääven
dat de Wilgenstruuk gääl as een Hönnichpott lett
un Voader in d' Tuun de eersten Frücht all insett
dat dat Woater wäär Woater
un nich iisfast mehr steit
un de Buur sien Märsfolt över dat Rövenfeld schleit
denn köänt wir wäär trillern, denn köänt wi juchhein
un köänt us an Moder Natur wedder frein

 

   
    Olldach

Klokk half fief kreit de Hoahn
He moakt düchdich Schandoal
he nööcht us uptostoan
wenn d' geit aal tomoal

de Hööner suust van d' Rikk noa buten
de Koiin fangen an to bölken
an d' Jungvolks Koamers ballern Kluten
see mooten hen to melken

See kriecht hüütmörgen keen rechten Dreih
hevvt aal een dübbelt schwoaren Kopp
see ween up d' Baal bi Hinnerk Krey
dor gung d' de heele Nacht Galopp

Een Kööm een Beer een Danzkarree
un tüschenin noch suupen
bruken de Füüsten denn noch Klöateree
gung man ähm fiks noa buten

Üm dree up d' Soal dat Lucht utmoakt
dat word ok nödich Tied
de Strohsack hett man jüüst to foat
denn is d' allwäär sowiet

De Stünn'ns de loat sükk nich bedreegen
Klokk half fief de Hoahn de kreit
häst du ok noch so'n dikken Brägen
de Buur di glieks mit Kluten neit

 

   
 
Grootmoder

De Dach drüselt sükk dör de Stünn'n
in d' Köäken is dat de halfluchtige Tied
Grootmoder moot sükk mit dat Begääven anfrünn'n
ov see nu so is — ov doch nich so blied
up jederfall is see alleen
see schnakkt mit de Sünn
de noch dör de Appelbööm blenkert
dor is anners nümms
an de see wat särgen kunn
buten up d' Land
stuuv achter de Waal
hör Noabers Jung
mit een Melkbumm' rümschlenkert
Jan-Hinnerk
wat hör eegen Blood is
de Ekelsöähn de hör noch blääven
de is sied eeergüstern bi d' Kommiß
de Kriechmoaker bruken sien Lääven
sien Voader — de Foormann
un Diederk sien Broer
de lirgen all laang in de Grund

 

 

 

see ween de eersten de intrukken sünd
see ween de eersten de dodblääven bünd
dor frocht nümms ov dat een gefaalt
blods de de dat scheeten togaang brocht hevvt
de sitten moi hoch un moi drööch
wovöäl Blood denn an hör Hann'n kläävt
is liekers noa annermans Möäch
so sitt see allenich in de halfdüster Köäken
hör Hann'n strieken de Katt saacht över d' Hoar
see deit to'n letzten moal dat Füür inröäken
dat moakt see in d' Huus nu sied tachentich Joahr
de Mörgen sücht hör denn sitten in d' Köäken
blods hör Lääven — de Waarmte
de is nich mehr dor

 

   
    De Wind

Over de Kolken weiht suutje de Wind
de Grens hett för hüm keen Bedüden
he schmüstergrient as een lüütji Kind
man hört sien Lachen van wieden
de Blööm'n nikkoppen wenn he hör eit
de Bulgen saacht över d' Gröönland strieken
de Schoapen rüscheln sinnich dör d' Reid
langs de hogen Dieken
van d' Eiland blenkert de Füürtoorn in d' Lücht
de Süän verkrupt sük achter de Hääven
an d' Siel Minschen tohoop man sücht
hier hett man noch wat van sien Lääven

 

   
 

Drei di üm...


Achter d' Diek de gröön'n Wischen
de Bloaden krüüseln saacht in d' Lücht
Schwaartbrod un Schink up schüürde Dischen
Lachen över d' Land hen flücht

An de Dieken schloat de Bulgen
de Penners lüchten rod un geel
an d' Hääven jachtern witte Wulken
dat junge Volk danzt up de Deel

Ut d' Dörpkrooch hört man Puustmusik
ov un to deit een Bescheed
hier is nümms aarm - un ok nich riek
hier singns aal dat sülvich Leed

Dat Leed van Heimoat un van Leev
dat singt man hier sied duusend Joarn
liekers wat dat Lääven dreef
ik moot doch wäär noa Huus henfoarn

 

   
   

Oabendrod — Oabendbrod
up See dor luurt de natte Dod
wenn de Noordwest mit düchdich rusen
huult över Diek un Fischkerhuusen
dat Woater sticht bit an de Kron
un schakkert binn'n de Diek andoal
denn hoalt de Düwel sükk sien Lohn
un well he frätt, is hum engoal
he schleit in d' Land wäär neeä Buchten
ritt Diek un Minschenwaark in Stükken
wat lopen kann neit ut in Fluchten
dor helpen ok nich Minschens Nükken
so is dat all dör all de Joahren
dat givt keen stoadich Säkerheit
Minsch deit sükk jümmers nee verfoahren
net as de Mohr in d' Mengsel schleit

 

   
     

Luuster in de Nacht, mien Kind,
luuster in de düster Wieden —
dor buten speelt de Nachtenswind,
dat moakt he all sied alle Tieden.
He speelt sien Spill up veele Orten,
mit allens wat he kriegen kann —
mit Strüük un Bööm in veele Szorten,
ok Haarten geit he foaken an.
Wenn irgendwat up d’ Haart di licht —
du glöövst, dat bold de Dod di neit,
denn kiek de Wind liek in d’ Gesicht
un spöör wu flink de Pien vergeit.

 

   
 

Versteist Du wat de Stöörm di sächt
wenn he so över d' Land henfächt?
He brengt Verkloaren van wiet her —
van Unverstand un noch veel mehr.
Wenn he denn düchdich is an ruusen,
huult över d' Dakk un üm de Huusen —
pakkt de Bööm bi ehre Kroon
un dreit hör as een Grammophon.
Brengt dat Woater so in Brast,
dat dat in keeneen Büks mehr passt.
Denn stell di boaben hen up d' Diek
un spöör wu de Natuur so riek,
denn riet dien Haart in Hängen oapen —
blods so kanns du up Wunner hoapen

 

   
     

Loat de Tied ruusen,
loat de Tied suusen.
See hollt nich Ruh' un hollt nich still,
see moakt doch jümmers wat see will.
Un jümmers löpt see liek vöörut —
luurt nümms up d' Bekk,
kikkt nümms up d' Schnuut.
Deit elker Dach de glieker Trää,
ov Kreech nu is, ov dat is Frää.
Elker Dach is d' lächt un düster
un elker Dach is Rümgeknüster.
Ov Sünnenschien ov Hoagelschuur —
Tied faalt dat lopen ni nich stuur.
Drüm wees, mien Frünnd, mit Tied good Frünnd —
solaang as wi up Eerden bünd.

 

   
   

Nu sett di doal — vertell mi wat.
Ikk hör di to — ok geern up Platt.
Verkloar mi wat van d' Weltgeböören —
beliekteek' mi moal düt ov dat —
ikk much woll wat van Leevde hören,
van Rövenschmeer un Suurkoolfatt —.
vergäät ok nich, mi to vertellen
van Elend un van Troanensnot —
wenn Fleegers koamt in hooge Wellen
un schmieten Minsch un Deerten dod.
Vertell van Minschen, de sükk höögen,
all över een ‚van Haarten Moin' —
vertell van Minschen, de us nöögen,
bi de dat Lääven wunnerscheun.
Vertell mi wat van grööne Wischen,
van Woater, dat man drinken kann —
vertell mi wat van sülvern Fischen
un wor man de noch sööken kann.
Luster mi van helle Nachten,
in de man Steerns an d' Hääven sücht —
wies mi up, wat wi verwachten,
wenn d' wiedergeit mit schidderk Lücht.
Vertell mi wat van hooge Bargen —
teeken een Bild van wiede See,
verkloar mi, wor sükk Minschen targen —
wor Läävensrod de witte Schnee.
Un wenn ikk denn dien Schwiegen hör,
wiel di dat Word verlüstich geit —
denn spöör ikk, wo dat Haart di säär
wiel nümms mehr an de Siet di steit.

 

 
     

Wor de Noordseewellen
trekken an de Strand …
hevvt de Joarn wi sungen,
in us Freesenland.
Kunnen an de Dieken —
wor dat Gras so greun —
dör de Penner strieken,
wor de Blöömen bleun.
Niks is dorvan bleeven,
nu is d' allens dod —
niks is mehr mit Leeven,
hier in d' Möörgenrot.
Wäch de witten Strände,
wäch de bleuend Strüük —
sünd blods noch iistern Wände,
Natur ümto is süük.
Wor de Noordseewellen …
de Tied, de kummt nich wäär,
dat is as Kuusenkellen —
dat deit so gräsich säär.
Wor de Noordseewellen …
dat singt hier mehr keeneen —
man hört blods noch Vertellen,
dat dücht as harten Steen

 

   
   

Mien groode Leevde üm Klokk dree —
un dat an elker Läävensdach —
dat sünd dree moie Köpke Tee,
so recht noa Freesens Oart un Schlach.
Ikk hukel denn in d' Hörn bi d' Füür —
de Sprenkels tinkeln an de Böän,
föör sowat is mi niks to düür —
de Teetied givt mien Olldach Stöähn.
Hör ikk denn saacht de Kädel zirsen,
de Hund röäkelt sükk in d' Sofakuul —
denn is wiet wäch dat Joagen un Birsen,
denn bün ikk moal so reschkoap' fuul.

 

 
     

Süüch moal, wu de Wilgen bleun,
de an Schlööt un Padden stoahn —
ikk nööch di mit mi mit to goahn
un di an dissed Bild to freun.
Wu in de Sünn de Takken blenkern —
wor Porgen gluumen ut de Leit,
wor Jungkeerls mit de Paddstokk schlenkern
un nümms Natur wat Leeges deit.
Wor man noch weet, dat Heergotts Waark
in jeder Deel de sülvich Weert —
wor Gottvertroon noch so stark,
dat Düwel bitt sien eegen Steert.
Ikk much di geern dit Landje wiesen —
dat geit nich mehr — dat is to loat
de Minschen blods noa Doalers kiesen
un holln dat noch föör akkuroat

 

   
    Vöörjoahr …

 

Hörst du dat kroaken in de Takken –
un dat knistern in de Twiegen?
Dat Wassen hett de Bööm to pakken –
dat Gröönte will wär Kinner kriegen.
Fien spring’n de Bloaden in de Lücht,
sülvern schient de sieden Huut –
een Oahmen över d’ Land henflücht,
mit Schmoak van sööten Sönndachsstuut.
Dat düürt nich lang, denn schwääft de Klöären
as een Wulk üm Struuk un Boom
dat is een Häävensbildgeböören
dat schient as gülden Vöörjoahrsdroom –
dat lett as eene groode Reis’
up Wulkenscheepen wunnerboar
hen un retuur in d’ Paradeis
da Utstiegen faalt den sünner stuur.

 

   

Der Clement als die wankende Gestalt

 

Ein Teufel hat ein Heim gefunden

ein Clement ein verrottet’ Nest

das ist wie Soße ungebunden

die gleich durch alle Tücher nässt

Clement und die FDP

das ist wie eingequetschter Zeh

das ist wie plattgehauen’ linker Daumen

oder wie Fliegenschiß an Volkes Gaumen

eins und zwei ist schmerzelig

während drei dagegen ekelig

und darauf Leute möchte’ ich wetten

es wird die FDP nicht retten

da könnt’ selbst Schröder noch mitbellen

und Münte sich dazugesellen –

Blau/Gelb hat selber sich erschossen

und das, wie’s scheint, auch noch genossen

 

ewaldeden

 

 

 von Oben verordnete Suizid einer intakten Glaubens-Gemeinschaft …

 

21 Seiten bedruckten Papiers spuckte der Drucker nach Aufforderung aus – 21 Seiten Empfehlungen der Arbeitsgruppe Pastoralplanung / Gebäudenutzung – vom Gemeinde-pfarrer an Sankt Willehad in Wilhelmshaven, Andreas Bolten, in gesalbte Worte gebracht, und zu watteweichen, oder auch manchmal aalglatten Sätzen zusammengesetzt.

 

Ich wurd’ ob dieses Irrwitz’ trunken

und hätt’ am liebsten abgewunken –

doch nein, ich hielt es tapfer aus

und las zu Ende diesen Graus.

 

Heuer ist es auf den Tag 8 Jahre her, dass von Vechta her schon einmal ein Jemand sich auf den Weg machte um quicklebendiges Leben in der sogenannten Diaspora in und um Wilhelmshaven herum – irgendjemand bezeichnete es stattdessen einmal als abtrünniges Plattland – platt zu machen. Fast war ich geneigt zu schreiben, sich irgendjemand auf die Socken machte … das würde dem Bild von damals aber nicht gerecht werden – dieser Jemand kam nämlich staatsmannmäßig in staatsmännischer Karosse, im Pulk und mit reichlicher  Hofschranzenbegleitung, vorgefahren.

Zunehmende Finanznot und sinkende Kirchensteuereinnahmen  schob der geistige Herr aus dem vorwiegend katholischen Südoldenburger Tierqualenparadies vor – es war eine Lüge, wie ihm sehr schnell nachzuweisen war, denn die kirchliche Steuerquelle sprudelte zu jener Zeit ergiebig wie nie zuvor.  Sowie es auch für jedermann an den jüst zu der Zeit errichteten unsinnigen und überflüssigen Protzbauwerken im Bannkreis der von Gahlen Akademie erkennbar war.

Die weihbischöfliche Exzellenz hatte ersichtlich nicht mit einem solch standfesten Widerstand der Gläubigen in der damals offensichtlich als erstes „Opfer“ auserkorenen Gemeinde St. Ansgar gerechnet – zumal der damals zuständige Dechant des Sprengels zwar nicht offen gegen die Vernichtungspläne seines Bischofs rebellierte, dem Vechtaer Obererhirten  beim Schlachten seiner rührigsten Gemeinde aber auch nicht im erwünschten Maße behilflich war. Zu gewachsen und zu fest waren wohl die Bindungen des alternden Pfarrers. Die Gläubigen von St. Ansgar haben vorzeits, durch ihren zum Teil erbitterten Widerstand, einen auch damals schon ins Auge gefassten Kahlschlag im Park der jadestädtischen Gemeinden und deren Gotteshäuser (vorerst)  verhindern können. Es scheint, der Herr Weihbischof hat in der Nachfolge der Zuständigkeiten im hiesigen Kirchenbereich  ihm willige Liebediener als sein Werkzeug zur Vernichtung gewachsener und funktionierender Strukturen gefunden, weshalb er auch zum Großangriff geblasen hat, und die katholischen Gotteshäuser hier jetzt gleich reihenweise stillzulegen und abzureißen gedenkt. Vielleicht frei nach dem Motto, im Dutzend billiger. Ich wünsche den Christen aller Glaubensrichtungen, allen Gläubigen im Kreis Wilhelmshaven / Friesland, dass der Herr ihnen auch dieses Mal die Kraft schenkt, diesem zum Himmel schreienden Unsinn Paroli bieten zu können. Pfarrer Andreas Bolten sollte sich ob seines Tun und Lassen besser beschämt in irgendein Kloster zurückziehen.  

 ewaldeden

 

 

Was einmal gesagt werden muß …

 

Ob Grass dazu prädestiniert,

darüber könnt’ man streiten -

ob er wirklich ist berechtigt,

oder ob nur übernächtigt

er was gebiert aus frühen Zeiten -

das allerhöchstens ist die Frage,

und nicht der Zweifel an der Klage,

das gegenwärtig was geschieht,

das Menschheit ins Verderben zieht,

dass deutscher Geist und deutsche Macht

wieder zeitigt Krieges Nacht,

weil man Denkern Stütze gibt

die offenbar sehr kriegsverliebt -

und wo man sehend weggeschaut,

wann immer auch sie draufgehaut.

Man glaubt ihnen des Opfers Gewand -

obgleich den Tod sie in der Hand,

und nur weil uns’re Groß- und Väter

verblendet war’n – und auch mal Täter.

Steht auf ihr Deutschen, wachet auf

und werdet nicht zu Kugels Lauf –

denn Frieden ist nicht verhandelbar,

auch wenn das Kriegspielen wunderbar.

Das Geld das dadurch produziert

nur immer wieder Tod gebiert.

ewaldeden  

 

 

FDP …

wo wird sie denn nun beigesetzt

nachdem sie sich zu Tod’ gewetzt?

Wo find’t sie ihre letzte Ruh’ –

wo nagelt man die Kiste zu?

Wer wird an ihrem Grabe weinen,

oder im Trauerkleid erscheinen?

Der Hinterblieb’nen sind nicht viele –

diese paar Politgymnasten

sitzen ständig zwischen Stühle,

und sind da nur noch Bürgers Lasten.

In grauer Vorzeit, bitteschön,

konnt’ ab und an Profil man seh’n.

Ob es des Heußens kluger Blick,

oder des Scheeles Sängerglück –

ob es Dietrichs gelb’ Pullunder

oder des Möll’manns Fallschirmwunder –

doch mit Guido da war’s aus

trotz  Lachauftritt im Brotherhaus –

die Partei wurd’ dünn und mager –

wie Suppenkaspers Schwippeschwager –

und plötzlich war’s um sie gescheh’n –

sie war weg – nicht mehr zu seh’n …

 ewaldeden

 

Steinmeier und Konsorten …

 

Mit Schwung hinaus aus Teufels Küche -

direkt rein in die eSPeDe,

behaftet mit der Höll’ Gerüche -

immun gegen der Menschen Weh.

Der Urzerstörer der hieß Schröder -

die ihm dann folgten, machtens’s hart,

so wurd’ Gesellschaft immer öder -

und immer auf die gleiche Art.

Das Teufelswerk – die Zwanzig/Zehn

hat gold’ne Ärsch’ zuhauf gezeugt,

doch Menschens Würd’ in Mass’ gebeugt.

Alle die sich nicht genieren –

ob Rürup, Riester oder Gauck -

dies Teufelswerk noch hoch zu loben,

sollten zu Eises Stein gefrieren –

das erbitt’ ich ohn’ Klamauk

von unserm alten Herrn dort droben.

 ewaldeden

 

Irgendwo ….

Fahle Blässe überzieht ihr Gesicht

man könnte meinen …

doch nein, das ist es nicht –

es ist nicht das Gebläue der Leuchtreklamen,

nicht das gepuderte Weiß der vornehmen Damen –

es ist das Leid, das ihre Züge geprägt -

es ist der Verlust, mit dem das Schicksal sie schlägt.