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Alzheimer …

 

was ist das für ein schreckliches Wort

denkt mancher mit erschrockener Miene

wenn er erfährt

daß jemand davon betroffen aus seinem Kreise

und sieht vor sich sogleich eine holprige Schiene

die hinführt zu nachtdunklem Ort

auf einsam verzweifelter Reise

doch ist es nicht so

ich möcht’ es euch sagen

bleibt fröhlich

zu eurer eigenen und der Betroffenen Freude

das kleinste Verstehen macht den anderen froh

und hilft euch beim mitgehen sowieso

wenn dann auch noch ein Fremder die Hände euch reicht

und bietet Gelegenheit zum mal verschnaufen

dann seht ihr

es ist im Grunde ganz leicht

gemeinsam durchs Leben zu laufen

 

 

ewaldeden   

 

 

Habt Geduld …

 

Kannst du mir sagen, wo ich bin?

Wie bin ich denn hierhergekommen?

Wie lange binich denn schon hier?

Wann wird’ ich denn nach Hause fahren?

Und überhaupt – wo schlaf ich denn?

Wo hab’ ich denn mein Bett?

Wo war ich gestern Abend?

Auch hier bei euch?

Wie furchtbar nett.

Hab’ ich zu Haus Bescheid gesagt,

dass ich zu euch hergeh’?

Wenn’s Morgen schön ist

nehm’ ich mein Rad

und fahr’ den alten Padd.

Einmal Ostfriesland wiederseh’n –

da war’n wir Gestern?

Ach wie schön …

Es war nur viel zu kurz.

Wann hab’ ich wohl zum letzten Mal

mein Elternhaus geseh’n?

Ich möchte’ doch einmal noch –

nach langer Zeit –

mal nach Ostfriesland geh’n.

Wo schlaf’ ich heute Abend bloß –

Und wer bringt mich nach Haus?

Mein Taschentuch – es war sooo groß –

wo hab’ ich es bloß hingesteckt?

Wo kann bloß meine Mütze sein?

Hab’ ich eigentlich ein Jackett?

Hab’ ich wohl Schuhe angehabt?

Zu Hause steh’n so viele Paar …

Morgen kannst Du mich nach Hause bringen.

Wer holt mich hier wieder ab?

Die machen sich Gedanken schon,

wo ich wohl Heute bleib’.

Wohnt eigentlich meine Schwester noch

In Bernuthsfeld im Moor?

Die ist schon lange tot?

Das kann nicht sein –

da war ich doch erst Gestern noch …

Wem gehört denn der Pullover

den ich Heute trag - mir?

Dann hab’ ich es doch recht gewusst –

Hab’ eben noch gedacht,

den hab’ ich selbst gekauft.

Ich hab’ gar kein Taschentuch –

Geb’ mir mal ein Stück Papier …

Hab’ ich eigentlich ’ne Mütze?

Die Ohren tun mir weh …

Wie bin ich denn hierhergekommen -

und wo bin ich überhaupt?

Bringst du mich Heute noch nach Haus’?

 

ewaldeden

 

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Ein Taschentuch und eine Mütze

sind plötzlich ihre ganze Welt -

die Speisen sind für sie nur Grütze,

das Drumherum blitzschnell zerfällt.

 

Sie macht im Geist die tollsten Sachen –

näht Puppenkleider – nächtelang,

um sie müssen andre wachen –

denn ihre Wahrheit ist sehr krank.

 

Bemerkt nicht die verschmutzten Hände –

sieht nicht den Kot um sich herum,

weiß nicht um stufen und um Wände –

läuft oftmals nur im Kreis – wie Dumm.

 

Begibt im Geiste sich auf Reisen –

mit Rucksack und auf Fahrradtour,

sie kann sich selbst nicht mehr beweisen,

daß es vergang’ne Bilder nur.

 

Sie weiß von damals zu berichten –

liest jedes Wort gleich hundertmal,

weiß nicht, dass alles sind Geschichten –

entstanden in des Geistes Qual.

 

Drum lasst ihr diese kleine Runde –

sagt nicht, dass ihr schon alles wisst,

hängt gebannt an ihrem Munde,

dass sie die kleine Welt vergisst.

 

ee

 

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Wortlosigkeit …

 

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ewaldeden