Der Jade-Weser Port in Wilhelmshaven …

nur eine künstlich geschaffene Fata Morgana?

 

Betrachtet man das emsige Treiben in den deutschen Küstenhäfen östlich der Jade einmal mit wachen Sinnen, kommt man irgendwann nicht daran vorbei die Aufrichtigkeit bei einem Teil der Streiter für einen Wilhelmshavener Containerhafen anzuzweifeln.

Beim weitaus größeren Teil der Befürworter dieses gewaltigen Bauvorhaben muß man die Erklärung für ihre ‚Zustimmungswut’ wohl woanders suchen. Mangelnde Klugheit, Unfähigkeit zur Weitsicht oder einfach das egoistische Streben nach einem eigenen Denkmal bieten sich als Grundlage förmlich an.

Das unverhohlene Mutmachen der Hamburger und Bremer Repräsentanten an die Adresse ihrer niedersächsischen Nachbarn gehört dabei zum Spiel der Mächte.

Wie bei einer spannenden Pokerpartie wird hier ein Mitspieler zu immer höheren Einsätzen ermuntert, und endlich dazu getrieben, sein Blatt zu überreizen. Und wie bei einer spannenden Pokerpartie wird derjenige dann auch der komplette Verlierer sein.

Man muß das Geschehen im norddeutschen Raum nur in seiner Gesamtheit betrachten – sozusagen von oben herab – dann gehen einem ganz von selbst die Augen auf.

An der Jademündung wird seit einem halben Jahrhundert versucht aus einem Teig einen Kuchen zu formen. Bis auf einige wenige Probierstücke ist noch nichts weiter dabei herausgekommen. Alle beteiligten Kräfte scheinen unter chronischer Lähme zu leiden.

An Elbe und Weser dagegen herrscht Bewegung. Man hat etwas vor, besorgt sich die Zutaten, rührt einen Teig, schiebt ihn in den Ofen – und siehe da: kurze Zeit später steht das fertige Produkt auf dem Tisch – respektive in der Landschaft.

Das jüngste Beispiel lieferte Bremenport mit effektiven Brückenbauwerken, Gleisanschlüssen und Bahnhofserweiterung für den Bremerhavener Containerhafen.

Auch Hamburg liefert mit Elbvertiefung und Hafenvergrößerung ständig Beweise seines Könnens ab.

Mit jedesmal neuerlich anschauen der Wilhelmshavener Pläne verstärkte sich in mir das Gefühl, da fehlt doch etwas. Bis ich dann in meiner Erinnerung eine Erklärung fand: Ein anerkanntes Architektengespann hatte vor Jahren für ein immenses Honorar preisverdächtige Pläne für ein Hochhaus entworfen. Es herrschte großer Jubel bei den Auftraggebern – bis ein kleiner technischer Zeichner erstaunt darauf hinwies, daß in den Plänen die Anschlüsse für Abwasser fehlten. Die Antwort der Architekten darauf:

In diesem Hause wird es nie jemand geben, der Schmutzwasser produziert – wozu braucht das Gebäude also einen Kanalanschluss.

Angesprochen auf die mangelnden Verkehrsanbindungen des Jade Weser Port würden die Planer vielleicht entgegnen:

Die paar Container die sich hierher verirren, die kann man leicht auf den schon vorhandenen Verkehrswegen abtransportieren. Warum soll man hier also großartig neue Anbindungen schaffen?

 

ee