Heute wie damals . . .

 

Die Wellen der See belecken den Strand -

ihr plätschern ist zärtliche Weise,

verzaubert die Körper im nachtheißen Sand -

erwecket Verlangen - ganz leise.

 

Der Mond zeigt ein mildes Lächeln -

huschende Wolken - wie Schäfchen so zart,

mit Worten wie zärtliches Fächeln -

loderndes Feuer - mit Liebe gepaart.

 

Die Finger - begierig sie streben -

sie streicheln die samteste Haut,

Gefühle beginnen zu leben -

Erregung goldene Brücken baut.

 

Die Schmetterlinge werden zu Riesen -

verlassen den Platz im Bauch,

sie suchen nach bunten Wiesen -

über die Spitzen der Brüste weht warmer Hauch.

 

Der Venusberg in Flammen steht -

es brennen alle Sinne,

die Liebe in die Lenden weht -

ich dich im Sturm gewinne.

 

Wenn wir im Sinnenrausch vergehen -

wenn wir verschmelzen wie ein Stern,

laß Zeit über die Zeit hinwehen -

wir sind uns nie mehr fern.

 

ewaldeden

 

 

Heimweh . . .

 

 

Das dunkle Rauschen der Wogen

schwebt über dem heißen Sand

es spannt sich wie ein Bogen

vom Meer aufs einsame Land

 

 

Es verbindet die Elemente

ist Himmel und Hölle zugleich

Feuer und Wasser es trennte

berauschend und unendlich weich

 

 

Nur einmal die Mächte gespüret

die Ahnung von Endlosigkeit

nur einmal nach Hause geführet

im Herzen im Übermaß reich

 

ewald eden

 

 

Die  See …

 

Schaue der See in ihr rauhes Gesicht

wenn der Nordweststurm sie in Zorn gebracht

sieh’ hoch auf den Kämmen der Wellen die Gischt

wenn Meeresgott Neptun sie wütend gemacht

höre ihr toben – höre ihr krachen

höre das Heulen des Windes

es klingt wie Teufels schauriges Lachen

oder wie weinen eines ängstlichen Kindes

wenn die Wogen stürzen ins Tal sich hinab

und unter sich alles vernichten

dann ist es so vieler Seemänner Grab

von denen die Menschen berichten

schaue der See in ihr lieblich’ Gesicht

wenn Südwinde machen sie schweigen

kein Wellenschlag die Stille hier bricht

kein Wind macht den Strandhafer neigen

kein Blau ist dann blauer

kein Spiegel so weit

am endlosen Himmel ein Seevogel schreit

die blinkenden Watten

der schneeweiße Strand

der lichtvolle Schatten am Dünenrand

schau in der See ihr eisig Gesicht

wenn Ostwinde machen sie starren

wenn in des Winters frostklarem Licht

die Schiffe im Eise knarren

wenn Schnee weht über sich türmende Schollen

den der Sturm über die Fläche hin treibt

wenn des Eisbrechers stampfen wie fernes Grollen

unter den Wolken hängen bleibt

wenn du das alles nur einmal geschaut

dann hat es dich zu fassen

egal ob es stürmt, ob es friert oder taut

                  du kannst von der See nicht mehr lassen        

 

ee © 2007

 

 

Die entfesselte See

 

 

Der Sturm peitscht die rauhe, die tobende See

zerrissene Wolken durcheilen den Himmel

lang’ schon ich auf der Deichkrone steh’

und wart’ auf den Reiter auf seinem Schimmel

nächtens soll er das Land bewachen

berichtet die Sage aus voriger Zeit

ich höre lauthals die Meergeister lachen

wenn sie von ihren Fesseln befreit

mit gierigen Mäulern schlagen sie die Dünen

Stück für Stück bröckelt das Land

hier wird nichts mehr wachsen – hier wird nichts mehr grünen

verschwunden der weiße schimmernde Strand

das Wasser hat sich sein Erbe geholt

das man ihm mühsam abgerungen

es hat dem menschlichen Geist den Hintern versohlt

und dabei sein schauriges Lied gesungen

es läßt sich nicht knechten - es läßt sich nicht zähmen

es bleibt ein freies, ein unbändiges Werk

es läßt sich in seinen Rechten nur zeitweise lähmen

der Mensch ist dagegen ein ganz kleiner Zwerg

 

ee © 2007