morgen

 

 

Buchfink, kleines Vögelchen

flieg hinaus in deine Welt

du warst mein Freund für schöne Tage

hast mir das Leben dargestellt

erkunde deine eig’nen Weiten

berichte mir dann irgendwann

meine Gedanken dich begleiten

wo es mein Auge nicht mehr kann

ee

 

Das Glück ist dein eig’nes, dein ureigen’ Kind

du hast es gezeugt und der Welt ausgesetzt

drum lehr’ ihm das Leben in harschigem Wind

und das es nicht ständig dem Glücke nachhetzt

gönn’ ihm die Muße sich zu erholen

gönn ihm das Weinen

auf vielerlei Art

und plötzlich erkennst du an ganz vielen kleinen

Dingen das sich das Glück um dich schart

ee

 frs#anz

 

Der gefiederten Sänger lustige Töne

füllen den Morgen mit trillerndem Glanz

es bittet so Mancher seine wartende Schöne

zum munteren ersten Maientanz

die Bäume sie haben sich zurechtgemacht

der Himmel hat seine Wolken poliert

von Rand zu Rande er fröhlich lacht

weil da gerade ein Wunder passiert

das Wunder der Schöpfung in vielerlei Arten

die schon uralt und doch immer neu

die von unhörbar laut bis zu zögerlich zartem

sich zeigen als des Allmächtigen Meistergebräu

 

ee

 


Der Morgen hat schon gold’ne Hände

wo er auch hinfasst sieht man sie

er färbt damit die nächtlich’ Wände

damit sie funkeln in der Früh’

er wandelt damit Nachtes Wischen

von dunkelschwarz zu himmelblau

und hinter ihm sieht man inzwischen

schon silberblinkend’ Morgentau

die Bäume strecken ihre Zweige

vom Schlaf erwacht in Tageslicht

das Schummern geht endgültig zur Neige

als Sonne durch die Wolken bricht

von überall tönt jubilieren

von überall nur Frohgesang

als wollt’ jemand die Welt verzieren

mit Engelston und Harfenklang

ee

 

 

morgen  

 

Morgens um sechs …

 

Die Luft schmeckt wie Großmutters Feiertagskuchen

so düftebeladen und ständig nach mehr

wie das keimende Grün

unter den Vorjahresblättern der Sandwegebuchen

es ruft mich , es drängt mich, es zieht mich so sehr

ich möchte Vergangenes nochmal erleben

möchte behütet in Großvaters Alkoven ruh’n

das hat mir einstmals soviel gegeben

man sieht es noch ständig

an meinem heutigen Tun

 

ee

 

Die Nacht war schwarz und rabendunkel

sie glänzt’ wie Kaisers Knobelbecher

man sah kein Sternleins Goldgefunkel

bis Nacht wurd’ schwach und morgenschwächer

die Sonne trieb den schwarz’ Gesellen

mit Vögels Zwitschern vor sich her

bis er versank im sonnenhellen

tiefen weiten Weltenmeer

 

ee

 

Die Sonne krabbelt behutsam
in den langsam erwachenden Tag
sie ist mit der Nacht sehr geduldsam
sie zögert
von Stunden- zu Stundenschlag
am Ende
wird's ihr dann endlich zu bunt
sie spült das zögerlich weichende Dunkel
vom Himmel
mit einem Eimer voll Morgengefunkel
die goldene Flut
sie verteilt sich
in jede Ecke hinein
ach - jubelt Natur
ach wie herrlich
ach - könnt' es doch immer so sein

ee

Glocke

 

Die Stundenuhr …

 

Träge tröpfeln die Minuten

aus dem Kelch der Stundenuhr

Zeit sagt nicht ich muß mich sputen

sie folgt den Regeln der Natur

 

Der Mensch als stolzes Denkerwesen

für das er sich nun einmal hält

wird nie an weiser Zeit genesen

Hochmut ihm stets den Weg verstellt

 

Dabei wär’s doch gar nicht schwierig

es reicht’ ein Gramm Bescheidenheit

und schon wär unser Leben spurig

hätt’ kein Problem mehr mit der Zeit

ee

 

Die Zeit in die Stunden der Zeit einbinden

Atem schöpfen wenn das Eilen versagt

einfach nur zu sich selber finden

einfach mal den Sinn hinterfragt

auch wenn die Antwort dir sinnlos erscheint

zweifele nicht am eignen Erkennen

denn dadurch das Zeit mit Zeit sich vereint

erspart WER dir nutzloses Rennen

ee

 

Ein Mensch in seinen Ichgedanken

er schreibt korrekte Texte bloß

formuliert stringent in engen Schranken

als hockt’ er auf ’nem schwankend’ Floß

 

Gerbt stundenlang des Geistes Schwarte

schwitzt innerlich vor heil’gem Zorn

zerreißt dann g’rad’ erstellte Karte

und beginnt das Spiel von vorn

 

Statt seinem Denken Lauf zu lassen

ganz unbeschwert und vogelfrei

beginnt er fast sich selbst zu hassen

und schießt dann weit am Ziel vorbei

 

ee

 

Eine nächtliche Reise …

 

Des Nachts durch die Landschaft zu gleiten

die Sterne sind ständig dabei

geräuschlos an den weiten

nächtlichen Auen vorbei

die Vögel sie gnurzen im Schlafe

weil Fahrtwind sie sachte berührt

am Wiesenrain träumen die Schafe

die Nacht die Zufriedenheit spürt

Zug rollt über blitzende Stränge

die Räder sie singen im Chor

entfliehe der Alltage Zwänge

nimm einfach das Leben dir vor

 

ee