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Abschied vom Nordland

 

Es zieht mich nach Norden

es zieht mich nach Haus

die Schönheit des Landes

macht trunken

ich steh’ an Deck

in des Sturmes Gebraus

hab’ oft schon vergebens gewunken

die Sonne

sie will nicht versinken

am Horizont hält sie sich fest

einmal muß ich noch winken

bevor mein Traum mich verläßt

um mich herum nur die Wellen

um mich herum Einsamkeit

im Wasser dem mittsommerlich hellen

macht meine Sehnsucht sich breit

ich weiß nicht

wie soll ich’s beschreiben

durch mein Herz

geht ein schmerzhafter Stich

ich lasse mich einfach nur treiben

und denke

ich denke an dich

 

ee

 

x

 

Am alten Hafen

Die Steine grün von Algen

ein Kutter dümpelt still

an Bord noch schemenhaft die Taljen

die Taue drüseln schlaff im Spill

 

Die Ankerkette aus dem Klüver

hängt rostrot nun seit Jahren schon

kein Käpt’n Rass und kein Hein Stüver

drehen mehr an Rohr und Kron’

 

Das Fanggeschirr am Ladebaum

reibt quietschend sich im Lüftehauch

der Kessel steht im leeren Raum

über dem Schornstein fehlt der Rauch

 

Die Dalben dort am Ankerplatz

geschundene Gestalten

als hüteten sie einen Schatz

als würden sie die Zeit verwalten

 

ee

 

Am falschen Ort . . .

 

Ich stehe hier an Meeres Säumen

mein Innerstes ist weit von hier

ach könnt’ ich endlos Sehnsucht träumen

ach wär’ mein Sein ohn’ End’ bei dir

 

 

Ist mir als ob ich hüllenlos

wohl über Welten schwebe

der Zwang in mir wird riesengroß

flieg’ übers Meer und lebe

 

 

Ich kann mich wenden still und dreh’n

will alles das vergessen

muß immer wieder rückwärts geh’n

von Nordlands Weiten sinnbesessen

 

 

Mein Traum der harret der Erfüllung

durchdringt mich bis ins kleinste Haar

ist weit entfernt von jeder Stillung

fesselt mich - so Jahr auf Jahr

 

ee

 

x

 

Das verlassene Dorf . . .

 

Ein Schleier liegt über den Dünen -

vom Meer zieht Nebel grau ins Land,

die Möwe fliegt mit großem kühnen

Bogen über Deich und Strand.

 

Noch schickt der Turm in hellen Bahnen -

sein Licht zum Horizont hinaus,

der Wellenkämme weiße Fahnen -

seh’n wie Gespensterreiter aus.

 

Im Hafen - wie gestrandet’  Wale -

die Kutter liegen auf  dem Schlick,

die Lampen wie gespenstisch kahle

Augen, mit verlor’nem Blick.

 

Die Fischerhäuser sind verlassen -

aus Fensterhöhlens Einsamkeit,

sieht man die Zukunft hier verblassen -

Leben hier liegt lang schon weit.

 

Zehn Alte - deren Weg bald endet -

die sieht man noch - in Dorfes Rund,

die Jungen hat die Welt verblendet -

mit ihrem Machwerk - ganz in bunt.

 

ee

 

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Dat lüütji Dörp

 

Dat lüütji Dörp dor an d’ Diek

dat tellt noch keen twintich Hüüs

hier is nümms grood un ok keeneen  riek

un in de meesten hör Koamers un Schappen

dor schmachten sogoar de Müüs

Bookweetengöärt un Karnemelksbree

dorvan mooten de Minschen elker Dach lääven

statt Schoo anne Footen droagen see Klumpen

elektrisch hett man hör ok noch nich gääven

un Woater kummt nich ut de Leitung

dat mooten see ut de Pütt pumpen

de Pütt dor vöör dat ole Wertshuus

dat Weertshuus mit de spoakerken Schieven

in dat keen Mannsbild mehr vöör d’ Tresen sitt

in dat de Spinnkers sükk de Tied verdrieven

un blods noch de Störm de Dören upritt

in dat lüütji Dörp dor an d’  Diek

dor lääven noch söbentein oal Minschen

un twalf Wittfruun alleen

mit achtein halfjöährich Kinners

de sükk to Winachten all ganniks mehr wünschen

as villicht moal een Poar Strümp anne Been

 

ee

 

Dat lüütji Huus

 

Dat lüütji Huus in d’ Moor

up günntsied van de groode Kuul

wor an d’ Sömmerwäch de Törfbüld steit

un up d’ Warf de ole Eekenkoar

 

Dat Huus ünner de Barkenbööm

mit een Rägenbakk an d’ Buterdör

wor sükk up d’ Dakk de Rieder dreit

över drööge griese Reiten

mit dat Uulenlokk dorvöör

 

De lüütji Koat mit hör twee Koamers

wor in de Köäk dat Törffüür luntjiet

wor Moder Stint de ole Melkbumm

noch mit Sand un Sodoa schwientjiet

an dat de Tied vööröver geit

mit siene luude Klöären

oahn dat de Welt de Dach verdreit

mit sien verdreit Geböören

 

Dat Huus seech ik in Nachtens Droom

mien Kinnertied wee ik veel dor

seet jachternd in de Kaarsenboom

mien Buuk van aal de Kaarsen schwoar

ik wee up Opas Nakk an schwääven

as wenn mi sieden Flöägels droagen

flooch kreiend dör de Sömmerhääven

un mit mi dusend Vöägels floagen

mien Kinnertied de licht so wiet

ach – wee ik  doch noch moal so blied

 

Dit lüütji Huus in d’ Moor

dor an de geele Sömmerwäch

mit de deep utfoahren Spoar

wat licht di doran

Jung - nu säch

 

Mien Haart is in dit lüütji Huus

trüchbleeven

as ik wächgoahn bün

noa Joahrn in Weltens Störmgebruus

moot ik dorhen üm dor to leeven

hevv blods dat lüütji Huus in d’ Sinn

 

ee

 

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De knustige Toorn

 

De knustige Torn achter de Hoageldoornbuchten,

dor up de Grund van de Leechte,

tein Trää ovkant van de groode Schossee.

Dör de Finster blenkern de Luchten,

see droagen hör Lüchten wiet over de See.

Dor buten up dat ruuge Woater

steit Hinnerk stoafast achter d’ Rüür.

Dat word moal wäär een Settji loater,

bit he in Huus sitt – in d’ Sörch bi d’ Füür.

De Bulgen goahn hoch över dat Deck,

de Stiem steit stief van vörn,

dat Biboot danzt as maal achter d’ Heck -

wat schall dat noch geböörn?

Sien Froo sitt in Huus mit trillern in d’ Haart -

tein Stünn’n is dat all över de Tied

un jümmers is de Hääven noch schwaart.

Hör Hoapen licht mit Vertwiefeln in Striet.

Doch so up Schlach is dat still as in d’ Kaark -

de Störm hett sükk achter de Dünen verkroapen.

Keen Galpen in d’ Hörn – keen Oantengekwaak

un nümms is in dat Unwäär versoapen.

So geit dat denn mörgen wär rut up de See,

to joagen up Stint un Makrel’ -

van de Oostereems Kant bit noa d’ Minsener Ee

spöört man de Fischkerslüüds Seel.

 

ee

 

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De Wind

 

Over de Kolken weiht suutje de Wind

de Grens hett för hüm keen Bedüden

he schmüstergrient as een lüütji Kind

man hört sien Lachen van wieden

de Blöömen nikkoppen wenn he hör eit

de Bulgen saacht över d’ Gröönland strieken

de Schoapen rüscheln sinnich dör d’ Reid

langs de hoogen Dieken

van d’ Eiland blenkert de Füürtoorn in d’ Lücht

de Sünn verkrupt sükk achter de Hääven

an d’  Siel de Minschen tohoop man sücht

hier hett man noch wat van sien Lääven

ee

 

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Der ‚Rote Sand’

 

Der Heimat letzter Gruß,

der Heimat letztes Zeichen -

der Leuchtturm in der Deutschen Bucht.

Soweit seine Signale reichen

der Wanderer den Lichtpunkt sucht.

Erst wenn am Horizont verschwunden

der schlanke Turm in dunkler Nacht -

glaubt er den Abschied überwunden,

und fühlt, daß Hoffnung neu erwacht.

Hoffnung auf ein neues Leben,

in einer weit entfernten Welt -

doch wird man ihm dort anderes geben,

als das was er hier weggestellt?

Er weiß nicht was ihn dort erwartet,

im fremden unbekannten Land -

hofft nur, daß er ins Glück gestartet -

das in der Heimat er nicht fand

 

ee

 

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Der Voslapper Leuchtturm

 

In unserer Jugend Kinderstunden

war er für uns der Freiheit Ziel

wie haben wir uns durchs Watt geschunden

und brackerten durch manchen Priel

oft sah’n wir aus wie schwarze Mohren

wenn wir erreichten weißen Strand

Muscheln saßen in den Ohren

und in der Badbux knirschte Sand

es konnte niemand mehr erkennen

wen er da nun vor sich sah

wir waren rein nicht mehr zu trennen

in blond und rot und schwarzes Haar

erst wenn das Wasser Klarheit schaffte

dann war’n wir wieder der und die

so mancher Strandgast Klötze gaffte

wenn Er war plötzlich eine Sie

 

ee

 

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Die  See …

 

Schaue der See in ihr rauhes Gesicht

wenn der Nordweststurm in Zorn sie gebracht

sieh hoch auf den Kämmen der Wellen die Gischt

wenn Meeresgott Neptun sie wütend gemacht

höre ihr toben – höre ihr krachen

höre das Heulen des Windes

es klingt wie Teufels schauriges Lachen

oder wie weinen eines ängstlichen Kindes

wenn die Wogen stürzen ins Tal sich hinab

und unter sich alles vernichten

dann ist es so vieler Seemänner Grab

von denen die Menschen berichten

schaue der See in ihr lieblich’ Gesicht

wenn Südwinde machen sie schweigen

kein Wellenschlag die Stille hier bricht

kein Wind macht den Strandhafer neigen

kein Blau ist dann blauer

kein Spiegel so weit

am endlosen Himmel ein Seevogel schreit

die blinkenden Watten

der schneeweiße Strand

der lichtvolle Schatten am Dünenrand

schau in der See ihr eisig Gesicht

wenn Ostwinde machen sie starren

wenn in des Winters frostklarem Licht

die Schiffe im Eise knarren

wenn Schnee weht über sich türmende Schollen

den der Sturm über die Fläche hin treibt

wenn des Eisbrechers stampfen wie fernes Grollen

unter den Wolken hängen bleibt

wenn du das alles nur einmal geschaut

dann hat es dich zu fassen

egal ob es stürmt, ob es friert oder taut

du kannst von der See nicht mehr lassen

ee

 

 

 

Die Insel …

 

Türkisenes Wasser - schneeweißer Sand

blauender Himmel - rötelndes Land

das alles auf einer handvoll Fläche

zu umrunden im Bruchteil der Tagesbahn

die Menschen hier leben in ihrer eigenen Welt

bestaunt und beneidet von täglichen Gästen

die sich wundern daß es jemand auf Dauer gefällt

abseits zu sein von Rummel und Festen

bewundert von Wesen

die nicht mehr wissen wie’s geht

wenn Mensch der Natur gegenübersteht

ee

 

x

 

 

Sommermorgen am Siel

 

Die See liegt glatt wie ein Spiegel

die Flügel der Mühle stehen still

inmitten der ruhenden Schafe am Deich

sonnt sich behaglich ein nachtmüder Igel

der Leuchtturmwärter löscht die Laterne

er putzt ihre Scheiben, damit sie nicht blind

über der Kimm in seeweiter Ferne

spielt in bauschenden Segeln

ein säuselnder Wind

die Möven im Hafen ruhen sich aus

sie sitzen auf Masten und Schlengen

an den Leinen vor des Sielwärters Haus

sieht man die Leibwäsche hängen

der Hafenwirt öffnet die Bierkellerklappe

es naht mit poltern ein Pferdegespann

der Schulmeister klemmt seine Büchermappe

und geht gut gelaunt an sein Tagewerk ran

jedes Dorfkind sitzt schon in seinem Bänkel

mit sauberen Fingern und strichgradem Scheitel

hier und da tönt noch Wörtergeplänkel

über des Burmeisters Else – die ist nämlich eitel

der Schipper schrubbt rüstig sein Oberdeck

blitzsauber sein müssen die Planken

sonst bleiben ihm die Ausflügler weg

und bringen sein zollfrei’ Geschäft ins wanken

Krögers Stine, die pult frischen Granat

Krabbenbrot steht auf dem Frühstücksplan

garniert mit zwei Blättern vom grünen Salat

serviert sie’s den Gästen mit Schwung und Elan

wenn alle wieder weg in Richtung Jever

kehrt Ruhe ein ins Dörfchen am Siel

der Wirt spendiert seinen Leuten Genever

und Morgen beginnt dann aufs Neue das Spiel

ee

 

Drei di üm . . .

 

Achter d’ Diek de gröönen Wischen

de Bloaden krüüseln saacht in d’ Lücht

Schwaartbrod un Schink up schüürde Dischen

Lachen över d’ Land hen flücht

 

An de Dieken schloat de Bulgen

de Penners lüchten rod un geel

an d’ Hääven jachtern witte Wulken

dat junge Volk danzt up de Deel

 

Ut d’ Dörpkrooch hört man Puustmusik

 ov un to deit een Bescheed

hier is nümms aarm - un ok nich riek

hier singens aal dat sülvich Leed

 

Dat Leed van Heimoat un van Leev

dat singt man hier sied duusend Joahr’n

liekers wat dat Lääven dreev

ikk moot doch wäär noa Huus henfoahr’n

 

 

 

Ein Morgen am Deich . . .

 

Der Morgen hat mit vieler Mühe

sich von der dunklen Nacht befreit

in Nebelfeldern stehen Kühe

in Baumes Wipfel Krähenstreit

das feuchte Gras umspielt die Füße

man fühlt die Mutter Erde pur

sie sind wie zärtlich liebe Grüße

aus Gottes unberührter Flur

Stille liegt auf braunen Watten

der Deich -  er schlängelt sich dahin

er wehrt die See - vor der wir hatten

Respekt in unserem Kindersinn

die Möven segeln zu den Wolken

ihr kreischen macht den Tag mobil

über schimmernd schwarzen Kolken

streicht ein Kiebitz ohne Ziel

der Blick er streift den Horizont

verhält an schwarzen Muschelstrichen

bis dahinter -  dicht in  Front

ist das Meer zurückgewichen

im Sand am Flutsaum meine Zeichen

verschwinden in der Ewigkeit

nichts kann dauern –  muß stets  weichen

alles hier hat seine Zeit

ee

 

Ein vergessener Ort

 

Einsamkeit zerrt hier am Gemüt

verlassen der Ort bis auf wenige Seelen

früher da lebt hier ein stolzes Geblüt

wo Heute Verlassenheit ruht an den Pfählen

nur selten verirrt sich noch Boot oder Prahm

in das lange verschlickte Gewässer

vor Jahren da lag hier so manch stolzer Kahn

vor Jahren da war es noch besser

man sah Wimpel flattern

man hörte Musik

und vom Wind geblähte Segel laut knattern

da war es noch schön – hier achtern Diek

da war noch Leben im lebenden Priel

da gab es noch Kindergeschrei

doch Heut’ ist der Ruf einer Möwe schon viel

die Zukunft scheint hier schon lange vorbei

ee

 

Glaube, Liebe, Hoffnung

 

Nebel liegt  wie Brei über allem

Tröpfchen an Tröpfchen gewebt

knorrige Bäume ins Nichts gefallen

in endlicher Weite die  Sagenwelt lebt

vom Turm auf der Klippe der Düne

die Glocke erklingt - unendlich weit

zehn Männer da draußen tun Buße und Sühne

machen sich und ihr Schiff zum Sterben bereit

sie hören die Glocke in tobender See

sie lauschen mit schmerzenden Ohren

das Ruder gedreht von Luv hin nach Lee

drei Strich in Südwest liegt der rettende Hafen

noch sind sie nicht auf ewig verloren

an Backbord da brechen die  Wanten

die Wellen zerschlagen den Mast

der  Kiel knirscht auf des Riffes Kanten

von Deck verschwindet die Last

der Bug nicht zu sehen

das Heck schwebt auf dem Wellenkamm

für die Mannen unmöglich noch aufrecht zu stehen

Hände und Füße  eishart und klamm

plötzlich erschüttert ein ächzen das Schiff

es schüttelt sich und liegt dann ganz still

das Wasser verzieht sich vom sandigen Kliff

Neptun die Mannschaft doch noch nicht will

er wartet und lauert auf neues Versuchen

nie streckt er die  Waffen - ist ständig bereit

da hilft nur leis’ beten – vermischt mit laut fluchen

und Hoffen, daß Gott jede Reise begleit’

ee

 

Heimweh . . .

 

Das dunkle Rauschen der Wogen

schwebt über dem heißen Sand

es spannt sich wie ein Bogen

vom Meer aufs einsame Land

 

 

Verbindet die Elemente

ist Himmel und Hölle zugleich

Feuer und Wasser es trennte

berauschend und unendlich weich

 

 

Nur einmal die Mächte gespüret

die Ahnung von Endlosigkeit

nur einmal nach Hause geführet

im Herzen im Übermaß reich

ee

 

Nacht am Strand

 

Ich höre den Nachtwind leise grüßen -

Ich fühle wie das Meer mich lockt,

der Sand flieht unter meinen Füßen –

während Neptun auf den Wellen hockt.

 

Das Mondlicht tanzt auf den Kämmen der Wogen,

das Wasser spielt am Dünenrand.

Es scheint, das Leben hat mich betrogen,

ums Glück, das ich hier auf der Insel einst fand.

 

Ich suche jetzt die vergangenen Jahre,

vermisse die Wärme – entbehre das Glück.

Das Schicksal gibt mir am Ende das Wahre –

gibt mir die einzige Liebe zurück.

 

Ich lausche auf der Sterne Sagen,

der Himmel flüstert es mir zu.

Die Wolken meine Sehnsucht tragen –

denn wo sie sind,  da bist auch du.

 

Ich spüre deiner Seele Fühlen –

bist du auch weit, weit von mir weg,

ich muß mein dich begehren kühlen,

sonst sterbe ich an diesem Fleck.

ee

 

Inhausersiel

 

Die letzten Höfe schwinden aus dem Blick,

vorbei an aufgelass'nen Häuslerstellen -

vorbei an aufgegeb'nem Glück –

führt uns der alte Klinkerpfad

in großen Bögen und in kleinen Wellen.

Jahrhunderte er gute Dienste tat.

Mit in die Marsch gedrückten Spuren -

hochgewölbt im Mittelstück,

so zieht er sich durch grüne Fluren -

die alte Zeit kommt nicht zurück.

Die Stimmung wie auf schlichten Bildern

von Malern - hier aus diesem Küstenstrich,

die Wassergräben sind schon am verwildern -

Natur - die ist hier unter sich.

Querab des Deiches grünes Band sich schlängelt,

als Wehr der Menschen gegen Wassers Macht.

Auf ihm sich Schaf an Schafes Kopfe drängelt -

versunken schon in der Geschichte Nacht.

Überragt von Spitzen einer Handvoll Masten

von Schiffen - die wohl hier zu Haus noch sind.

Wir fahr’n vorbei an manchem alten Kasten -

mit verstaubten Fenstern - Scheiben  stumpf und blind.

Drei Häuser noch - mit strohgedeckten Dächern -

die Jungen - scheint’s - sind lang’ schon von hier fort,

man sieht jedoch noch Heu in off’nen Fächern -

wir sind in einem weltvergess’nen Ort.

Der Junge dort - unter der großen Linde -

schaut uns mit krausem Haar und off’nem Munde nach,

er kaut – genussvoll still - ein Stückchen Rinde -

das er sich irgendwo im Garten brach.

Rechter Hand - weit auf - des Sieles hölzern Schlote,

noch gut geölt und relativ in Schuss.

An altersschwacher Hafenmauer liegen Boote,

weich - in grauem Grund - und wie aus einem Guss.

Hier und da an Molenköpfen

brutzeln Würste hoch am Stock -

dazu in schwarzen Eisentöpfen

siedet Wasser für den heißen Grog.

Ein Mädchen - zart - mit langen Flechten,

schleckt Eiskristalle - leuchtend bunt.

Groß wie der Mond in blauen Nächten -

sieht man ihren Erdbeermund.

Die Schipper haben geflaggt über die Toppen -

die Wimpel hängen alle schlaff im Wind,

ein Teddybär mit ausgefransten Noppen -

das Glück für einer Mutter Kind.

Vom Hafentor verliert sich in der Ferne -

in langen Jahren zugeschlickter Priel,

nur Birkenreiser - und keine Laterne -

begleiten ihn - vom Anfang bis zum Ziel.

Am Horizont die Wolkenbänke leuchten -

die Sonne badet sie in feuerrotem Licht,

die Wellen sanft die Watten feuchten -

sie spiegeln des Himmels Angesicht.

Die Möven steh’n als Silhouetten -

auf Dalben und auf Fahnenbaum,

zeichnen soubrettengleich die Schatten -

in diesen Sommerabendtraum.

Langsam fällt die Nacht hernieder -

auf sommerheißen stillen Ort,

da - jetzt hört man es schon wieder -

der Wind trägt weit die Klänge fort.

Ein Mädchen singt von Seemannsliebe -

und vom Glück als Seemannsbraut,

in stimmungsvolle weiche Töne

einer Harmonika gebaut.

Aus runden Bootskajütenfenstern -

streichelt gelbes Lampenlicht

grünbemooste Pfähle -

an denen man gebunden liegt.

Vom Andelgroden zieht in Schwaden -

der Duft von frisch gemähtem Gras,

die Luft ist knattervoll geladen -

man weiß nur nicht genau mit was.

Der Ort ist lange schon verschwunden -

und der Name auch schon fast,

die Erinnerung - sie ist gebunden -

ist das, was du auf Ewig hast!

ee

 

Jungmannszeit . . .

 

Ich bin oft in jungen Jahren

nächtelang zur See gefahren

immer wenn es dunkelte

mein Liebchen gerne munkelte

mußt' ich an Bord

fort

Oft in meiner Jungmannszeit

liebt ich zwei Mädchen - himmelweit

die eine wohnt in Haren

wo wir stets holten Waren

die andere saß auf Norderney

nah dabei

In meiner Fahrzeit als Matrose

hatt’ ich viel Schlag in meiner Hose

Genever floß in großen Massen

wir taten unsere Heuer lassen

an manch Schöner grüner Seite

pleite

Auf großer Fahrt als Feuermann

kam ich nicht an die Heuer ran

es wurd' schnell mal ein kleiner Berg

ich kam mir vor wie ’n großer Zwerg

manch Fäßchen Rum konnt’ ich dann kaufen

saufen

Und wenn ich wieder pleite war

immer war ein Dampfer da

so entstand Seefahrtsromantik

auf Nord - und West - und Südatlantik

an Bord so manches Lied gesungen

notgedrungen

Wenn ich heut’ im Kneipenschummer

erzähl von mancher Glanzesnummer

so ist das alles ganz weit fort

es war nicht alles so an Bord

ich bin weit durch die Welt gefahr’n

Seemannsgarn

 

ee