Mein Gott

sagt Herr Kuckuck zu seiner Frau

als er geschafft von der Arbeit

plumpst in das Nest

ich muß mich erst duschen

sonst kleb’ ich noch überall fest

der Gerichtsvollzieher

hat mich heut’ an siebzig Stellen geklebt

jetzt weiß ich

wovon der so wunderbar lebt

klebt überall da

wo er kein Geld kriegen kann

mich

den Kuckuck

an Wertsachen dran

ich sage  dir Frau

das ist ein Scheißleben

bräucht’  ich das nicht zu machen

ich würd’ sonst was drum geben

 

© E.E.


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Die kleine fesche Gartengrille

da in dem siebten Rosenstrauch

wünscht sich ein Bild von Heinrich Zille

zur Not tut Wilhelm Busch es auch

doch weiter weg sollt’ es nicht liegen

dann hätt’ sie kein Gefallen mehr

denn auf brechen oder biegen

sie liebt’s Berlinsche doch so sehr

weil – schon ihr Urururgroßvater

der war vernarrt in diese Stadt

obwohl gebürtig aus dem Prater

doch der nicht soviel „Schnauze“ hat

 

© E.E. 2005

 

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 Ein Elefant bei Hagenbeck

tanzt Samba für ’nen guten Zweck

das passende Schuhzeug dafür zu besorgen

das macht dem Direktor riesige Sorgen

einen Schuster zu finden

für dies´ Riesenpaar

das dauerte locker

ein dreiviertel Jahr

und als er dann endlich einen gefunden

da war der Elefant

aus dem Tierpark verschwunden

ihm wurde einfach das warten zu lang

jetzt tanzt er bei Krone im Küchenschrank

tanzt Walzer mit Mäusen und Küchenschaben

und ist für die Samba nicht mehr zu haben

 

… und die Moral von der Geschicht’ –

Elefanten die tanzen woll’n

warten nicht

 

© E.E. 2005

 

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Ein kleiner brauner Wasserfloh

aus dem Tümpel hinter Nachbars Wiese

hatt’ sich verirrt ins Fuder Stroh

und hockt jetzt auf der schwarzen Liese

was er so auf der Kuhhaut findet

das will ihm nicht so richtig schmecken

er trägt mit dem Gedanken sich

zu springen auf den bunten Schecken

doch wie – das fragt er seine Vettern

die Laus und auch den Läuserich

wie soll ich durch die Gegend brettern

ich hab’ hier doch kein Wasser nich’

 

ee 

 

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 Oh je – sagt die Stute

mit der wallenden Mähne

und schleudert den Schweif

um ihre prallenden Schenkel

der Hengst da drüben

mit der rotblonden Strähne

den wünsch ich als Großvater

für meine Enkel

ach – wär’ ich doch rossig

dann könnte er springen

es würde ganz sicher

ein Fohlen uns bringen

und wenn es beim ersten mal nicht gelingt

er sicher mit Freuden

ein zweites mal springt

ich würde ihn mit Begeisterung lassen

ich würd’ es geniessen

es täte mir passen

zu fühlen das schiessen

tief in mich hinein

ich würde laut wiehern

ach wäre das fein

 

© ee

 

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Irgendwas ärgert Herrn Brummer

den Fliegengalan

er streicht und er fiedelt

die herrlichsten Summer

doch er kommt

an die fliegenden Damen nicht ran

er hat extra die Flügel neu angestrichen

grünblau mit einem Schimmer

von leuchtendem Rot

er versucht es schon ständig

und wieder und immer

doch keine Fliege hilft ihm aus der Not

so schwirrt er und flirrt er

durch die flimmernde Luft

bis ihn ganz plötzlich

und aus heiterem Himmel

eine blitzschnell fliegende Klatsche knufft

 

© E.E. 2005

 

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 Theobald

du frecher Schlingel

was macht die Hand auf meinem Knie

ich bin zwar frei und bin auch Single

aber ich bin doch keine wer weiß wie

ich bin ein züchtig braves Mädchen

mit Knie bedeckt und Rüschenschal

wenn du was brauchst

dann geh’ in’s Städtchen

treff unter den „Damen“ deine Wahl

mit mir ist „Sowas“ nicht zu machen

ich such mir mein Glück selber aus

da brauchst du gar nicht schief zu lachen

ich lass’ nicht jeden in mein Haus

ee

 

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Detlev, mein Junge

wie läufst du denn ’rum

was plagt dich

was drückt dich

was macht dich so krumm

du hast hoffentlich nichts

an der Wirbelsäule

noch furchtbarer wär’s

du hätt’st Knochenfäule

 

Iwo – antwortet der sichtlich geplagte

mich freut bloß etwas

an das ich gestern

noch nichtmal zu denken wagte

sieh mal

das rotblonde Mädchen dahinten

die mollige

mit den knackigen Brüsten

sie hat etwas

ich kann es nicht sagen

ihretwegen steh’ ich hier krumm

mit strammsteifen Lüsten

und kann nicht

das Geradesteh’n wagen

wenn ich sie sehe

dann wächst mir’s empor

und ich denk’ nur noch

an ihr liebliches Tor

ihr liebliches Tor zum Paradiese

inmitten der lockigen Lusteswiese

zwischen den knackigen Schenkeln

und schon ist’s gescheh’n

und bei mir in der Hose

ist es am sprenkeln

ee

An zwei naseweisen Nasen

hängen Tropfen rotzefrech

Nachbar Klumper mäht den Rasen

ach – was hat der für ein Pech

haben doch die beiden Schlingel

fein säuberlich zusammengekarrt

im Viertel jeden Hundekringel

den die Bellos nicht verscharrt

zwischen Klumpers Wiesenblumen

sie alsdann sehr gut versteckt

bestreut mit feinen Ackerkrumen

daß Klumper sie nicht gleich entdeckt

der Mäher mäht – es saust die Klinge

das Grünzeug fliegt schön kleingehackt

war Klumper erst noch guter Dinge

verging das sehr schnell

weil er von unten bis oben bekackt

 

ee

 

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Arschlecken fünfneunzig

 

Arschlecken fünfneunzig

tönt es mir lustig entgegen

als ich halb schon recht mutig

und halb noch verlegen

versuchte die Heidi nach Dingen zu fragen

die mich im Grunde nichts angeh’n

die sie aber plagen

Arschlecken fünfneunzig - das ist der Tarif

da gibt es auch keinen Rabatt

so hoch ist das Porto für einen Dummfragerbrief

da staunste wat – da biste platt

das ist für den Anfang die Mindestgebühr

dafür zeig ich dir ein paar harmlose Dinge

vielleicht spiel ich sogar ein kusch’liges Tier

glaub aber nicht, daß ich dazu noch singe

mehr gibt’s nämlich nicht für die paar lächerlich Kröten

sonst müßt es schon kräftiger klimpern

für ’nen Hunderter drauf tät ich noch flöten

und klappern mit meinen künstlichen Wimpern

jetzt kennste die Liste und richt’ dich danach

sonst kriegste von mir eins aufs Maul

denn in einem mein Lieber bin ich nicht schwach

ich kann treten wie’n feuriger Gaul

 

ee

 

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Auweia - und ach du lieber mein Gott

denkt leidend der Schulmeister Hafergrütze

er läuft stocksteifgerade und ausnehmend flott

von der Schule nach Hause in sommerlich Hitze

die Schweißperlen perlen den Schweiß an ihm runter

in rinnenden Bächlein von Haupthaar und Nacken

fließen fließend in Strichen und putzfiedelmunter

über den Rücken, und zwischen die fiebernden Hinterbacken

war er doch mit der Klasse draußen im Garten

zwecks Unterricht inmitten der Mutter Natur

um zu erklären die pflanzlichen Arten

um zu pirschen auf Hummels und Schmetterlings Spur

erfasst ihn dort plötzlich beim lehrreich dozieren

in den unteren Därmen ein drängen und drücken

nach dem Genuss von eiskaltem Bier kann so was passieren

ihm bleibt nur das fliehen vom Wege, und ein blitzschnelles bücken

doch im lieblichen Grün der wildernden Brache

das gnädigst seine Blöße bedeckt

waren - und das jetzt ja keiner kicher und lache

zuhauf und ganz frisch

heftig brennende Nesseln versteckt

 

© ee

 

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Behördenkauderwelsch

 

Der Briefkasten scheppert

ein Schrieb ist gekommen

von einer Behörde

von irgendwoher

erst guckst du dumm

dann bist du bedeppert

weil der Inhalt verschwommen

und das Verstehen für dich unheimlich schwer

da schreibt dir ein Amtsmensch

von irgendwelchen Sachen

die du nicht verstehst

und die er selber nicht kennt

du sollst gefälligst sofort irgendwas machen

weil sonst die Zeit ins Zeitlose rennt

da ist dann die Rede von Redegebühren

von Anträgen für Dinge die es so gar nicht gibt

von Genehmigungen für quadratische Ringe

und von Gutachten für Luftlöcher

die man in Luftlöcher schiebt

man fordert dich auf

schnellstens zu handeln

weil man sonst amtlicherseits tätig werden muß

um Luftblasen in Luft zu verwandeln

und schließt das Ganze ohne freundlichen Gruß …

 

ee

 

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