Des Engels Bild …

 

Seit Stunden sitze ich neben Dir

im warmen Licht der Honigkerzen

betrachte Dein lächelnd Gesicht

ich höre wie Deine Seele zu mir

in zärtlichsten Worten von Liebe spricht

nichts mehr von der Vergangenheit Schmerzen

zeichnet Dein engelsgleiches Gesicht

nur strahlend polierte himmlische Sterne

und ab und an ein zuckendes Licht

erfüllen Deine Traumeswelt

in der Du mich fühlst

in brennender Hitz

in der brennenden Hitze verlangend Begehrens

in der  brennenden Hitze fleischlicher Lust

nie werd’ ich Dir  Erfüllung verwehren

wenn es Dich drängt

mit schwellender Brust

Dein ruhiges atmen

in lustigen Tönen

verführt mich schon wieder Dich zu verwöhnen

Du liegst so gelöst und gelassen

so weich und so warm

ich muß Deinen Körper  fassen

und nehme Dich zart in den Arm

Dein Lächeln belohnt mich

für stundenlang schauen

ich frag mich ganz leis’

darf ich mich trauen

darf ich mich trauen

Dich zärtlich zu küssen

ohne ernsthaft befürchten zu müssen

von Dir eine geknufft zu bekommen

kaum dass ich den Hügel der Venus erklommen

 

 

 

 


Die Nacht …

 

Die Nacht ist Nacht

ist kalt und leer

irgendwie fehlen die Sterne

die Nacht ist heut so lichterleer

so mondenlos und seelenkalt

man hört kein Käuzchen sehnen

man fühlt kein Bäumchen

früchteschwer

sich unter lieb’ Gedanken dehnen

man spürt nicht Wärme sich verbreiten

nicht Hände suchend tasten

man ahnt nicht Mund

zum Munde gleiten

man hört nicht Herzen zitternd hasten

man sieht nur

dunkle schwarze Schwärze

dunkle Schwärze ohne Ränder

nichts, wonach man könnte greifen

kein warmes Licht

kein’ helle’ Bänder

man kann nur Finsternis durchstreifen

man kann nur irren blind umher

mit Hoffnung auf den neuen Morgen

der Nacht ertränkt im Sonnenmeer

 

 


Ist Leben eines der schönsten …?

 

Stresemanngasse  zwei

- drittes Hinterhaus

die vierte Treppe rechts

die Stiegen sind  steil

und finster sieht’s  aus

da wohnen die Hildebrechts

das Klo ist über den Hof

auf halber Etage

da drunter ist des Besitzers

geräumige Automobilgarage

fünf kleine Stuben nennen sie ihr Eigen

sechs  Taler im Monat ist die Miete

sieben Kinder  bilden den Orgelreigen

im Stillen flucht Vater schon mal

wenn er müd’ von der Arbeit

heimkommt wat Schiete

doch nie ohne Freude

er die Kinder anspricht

sie sind sein Blut

sie sind alle sein Licht

die Mutter – sie steht gebeugt an der Waschbütt

sie schrubbt und sie rubbelt

and’rer Leuts Sachen

für acht Mark

muß sie die ganze Woch’ schaffen

die Großen – sie helfen schon tatkräftig mit

nie hört man ein lautes

oder gar fröhliches Lachen

nie  mal ein lustiges kreischen

weint eines der Kleinen mal über Gebühr

weil Zahn oder Bauchweh es zottelt

trommelt es zornig gleich an die Tür

der Alte von drunter

der schon lange vertrottelt

die Neunkopffamilie

muß sehr sich bescheiden

hat zehn Mark

für elf  Tag’ zum Leben

da kann es dann höchst selten

mal leiden

ein Stück Fleisch an die Suppe zu geben

alle zwölf Tage geht’s ab in die Wanne

weil dann die Mutter hat waschfrei

mit dem heißen Wasser

der dreizehnten Kanne

kocht Mutter stets Magermilchgrießbrei

die Kinder sie schlecken die Finger sich wund

weil – in der vierzehnten Kelle

liegt ein Stück Zucker im Grund

 

 


In der Waffelbäckerei …

 

Heute, heut ist Waffeltag

im ganzen Haus kann man es riechen

wie ein Düftedoppelschlag

riecht man den Duft durch Wände kriechen

er legt sich über alle Tische

bedecket Tass’ und Teller

man riecht der Düfte Sommerfrische

bis hinunter in den Keller

sie schmücken schon die Kaffeetafel

verzieren schon der Sahne Häubchen

verduftet ist der Leut’ Geschwafel

es gurrt nur noch ein Ringeltäubchen

alles schnüstert in die Küche

deren Tür ein Spalt breit offen

von da kommen die Wohlgerüche

lassen die Schleckermäuler hoffen

die Mutter steht am heißen Herde

rosigrot strahlt ihr Gesicht

sie achtet dass auch alles werde

dass jede Waffel ein Gedicht

sie  schöpft den Teig

wie kostbar Schäume

zieret ihn mit Rosenschimmer

sie formt in Formen

Bauchesträume

bestreut sie dann mit Sternenflimmer

schwebt in die Stube wie ein Engel

beladen mit der süßen Fracht

und alle

selbst der ärgste Bengel

vergnüglich ihr entgegenlacht …

 

… bald hört man nur noch fröhlich schmausen

es schmeckt so himmlisch wunderbar

bloß der Theo, frech - lässt einen sausen

weil ihm im Bauch ’ne Blähung war

ee

 


Fragen fragen …

 

Was ist Alter

was ist Zeit

was ist fühlen himmelweit

was ist Herzens herzensflittern

was ist zitternd kniezittern

was ist pfirsich wangenglühen

was ist rosig rosenblühen

Alter ist Zahl auf Papier

Zeit ist nur der Welt Revier

Fühlen zeigt Du bist bereit

Dein Himmel leis

nach Liebe schreit

flittern macht Dein Wollen offen

zittern macht Erfüllung  hoffen

des  wangenglühen schöner Schild

malt rosenblühen in das Bild

der Seele Sehnen rahmt es ein

ich möcht Dein’s Glückes Maler sein

 

 


Stadtalltag …

 

Herbstmorgen zwischen

den Häuserblöcken

die Sonne zersplittert

im rauchigen Dunst

schläfrige knittrige

Menschen eilen

mit hastenden Schritten

um schartige  Ecken

aus schnörkelnden Träumen

in Alltag geschmissen

Pflicht drängt  sie – Pflicht drückt sie

Pflicht beutelt  sie arg

was sie versäumen

die wenigsten wissen

so irren sie

durch den zerrissenen Tag

bis abends die Sonne

die Scherben einsammelt

ein mühsam’ Geschäft

für das strahlende Licht

gebeugte Gestalten

die Türen verrammeln

wofür sie gelebt

das wissen sie nicht