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Des Tages Ahnen …

 

Ganz zart streicht schon der Tag durchs Dunkel

man ahnt sein kraftvoll’ neu Begehr

noch scheint es spielerisch’ Gefunkel

doch wird’s mit jedem Atem mehr

der Himmel zeigt leichtzögernd Spuren

von dem was uns der Morgen bringt

rotes Gold fällt auf die Fluren

der erste Frühaufsteher singt

man schaut noch nicht sein bunt’ Gefieder

noch ist die Nacht zu nächtelig

jedoch verkünden seine Lieder

 der hellen Sonne strahlend Sieg

 

ee

 

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Am alten Hafen

Die Steine grün von Algen

ein Kutter dümpelt still

an Bord noch schemenhaft die Taljen

die Taue drüseln schlaff im Spill

 

Die Ankerkette aus dem Klüver

hängt rostrot nun seit Jahren schon

kein Käpt’n Rass und kein Hein Stüver

drehen mehr an Rohr und Kron’

 

Das Fanggeschirr am Ladebaum

reibt quietschend sich im Lüftehauch

der Kessel steht im leeren Raum

über dem Schornstein fehlt der Rauch

 

Die Dalben dort am Ankerplatz

geschundene Gestalten

als hüteten sie einen Schatz

als würden sie die Zeit verwalten

 

ee

 

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Ans Licht . . .

 

Zartes Grün lugt durch die Blätter

die wintersbraun und pergamenten

erzählen vom Herbst versunkener Tage

nur mager Grund

und Spuren grauen Sandes in den Fugen

zwischen den Steinen Erde

ohne Hoffnung auf ein neues Wachsen

und doch

gestreichelt von der Sonne gold’ner Strahlen

treibt es empor ins Frühjahrslicht

ein kleines Wunder

in weltvergess’ner Ecke

lebt es des Sommers warme Stunden

bis Herbstenszeit dann wieder ist

das karge Grün verschwunden

ee

  

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Buchfink, kleines Vögelchen

flieg hinaus in deine Welt

du warst mein Freund für schöne Tage

hast mir das Leben dargestellt

erkunde deine eig’nen Weiten

berichte mir dann irgendwann

meine Gedanken dich begleiten

wo es mein Auge nicht mehr kann

 

ee

 

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Das große Ohr …

Wenn es dich hier zwackt und dort drückt,

wenn deine Seele ihre Form verliert,

wenn du glaubst dein Leben spielt verrückt

und fühlst, wie dein Herz in Stücke friert,

dann komm zu mir – erzähl’ davon.

Laß Schnürschuh und Korsett zu Haus,

wirf Zweifel in die Abfalltonn’.

Laß ungesagte Dinge raus,

denn all’ das wird mein Ohr erreichen.

Nichts wird ins Nichts danebengeh’n

und plötzlich siehst du klare Zeichen

über deinem Wege steh’n.

Weißt wieder um den nächsten Schritt -

gehst nicht ins namenlose Dunkel.

Weißt, jemand lenket Deinen Tritt -

weil vor dir helles Sterngefunkel.

 

ee

 

 

 y

 

 

 

Der frühen Sänger frohes Lied

tanzt um der Blätter Spitzen

das Morgenrot durchs Laubdach zieht

wo die gefiedert’ Freunde sitzen

der eine schlägt in hellen Tönen

ein andrer trällert ellenlang

ein dritter krächzt zum abgewöhnen

und streicht die hohen Stämme lang

der Bussard äugt von sich’rer Warte

ob irgendwo der Leichtsinn lebt

der Keiler scheuert seine Schwarte

bis das der ganze Wald erbebt

die Hirsche fangen an zu röhren

das Rotwild bricht durch dichten Tann

die Spechte hämmern in den Föhren

der Tag er fängt sein Tagwerk an

ee

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Die Sonne krabbelt behutsam

in den langsam dämmernden Tag

sie ist mit der Nacht sehr geduldsam

sie zögert

von Stunden- zu Stundenschlag

am Ende

wird’s ihr dann endlich zu bunt

sie spült das zögerlich weichende Dunkel

vom Himmel

mit einem Eimer voll Sonnengefunkel

die goldene Flut

sie verteilt sich

in jede Ecke hinein

ach jubelt Natur

ach wie herrlich

ach – könnt’  es doch immer so sein

 

ee

 

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Du stehst auf der Brücke

das Ruder in Händen

das Schiff hält den Kurs

auch wenn es stark krängt

der Fluß er ist reißend

zu schmal um zu wenden

das Wasser mit Macht

durch die Stromschnellen drängt

der Schiffsleib er tanzt

zwischen felsigen Gründen

schrammt haarscharf

an schartigen Felsen vorbei

der Untergang grinst schon

aus brodelnden Schlünden

und du denkst

es gibt dich nimmer mehr frei

doch plötzlich ein knistern

ein Blitz fährt herab

du hörst jemand flüstern

es ist alles vorbei

 

ee

 y

 

 

Es klopft an die Scheibe

eine Stimme ertönt

wir bitten um Bleibe

einfach Eintritt verpönt

ich öffne die Tür

und schaue hinaus

und eh ich’s begriffen

ein Wind weht durchs Haus

er trifft mein Empfinden

er hüllet es ein

ist bereit sich zu binden

an währendes Sein

mit liebem Begleit

tritt ein Freund in den Raum

ich spürte sofort

er pflanzt neuen Baum

das Wissen um Werden

blieb bei mir zurück

als Grundlag’ der Erden

ewiges Glück

ee

 

 

 y

 

 

Ich will nicht mehr

nur

‚verstanden sein …’

 

 

Ich will

 

Sein!

 

ee

 

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Jugend

die nirgendwo gelandet

Jugend

die einfach irgendwo gestrandet

Jugend

die keine Hoffnung mehr hat

Jugend

die einfach verkommt

gestürzt und gestoßen

von ihrer Zukunft schmalstem Grat

was ist das Begehren

der mächtigen Macher

da in den protzend Palästen

warum tun sie Jugend

die Chancen verwehren

oder hoffen sie

auf den ganz großen Kracher

und woll’n wieder

eine Kultfigur mästen

so wie sie’s schon einmal

passabel vollzogen

vor gar nicht so langen Zeiten

als sie das hungernde Volk betrogen

und ließen es

in den Untergang gleiten

 

ee

 

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Ort des Werden, Ort der Ruhe
Ort des bewahrenden Vergehen
scheint wie des Lebens Schätzetruhe
die durch der Zeiten Ablauf wehen
wenn du diesen Platz entdeckt
halt ein den eilend zögernd Schritt
und schon wird das Gefühl erweckt
was du versäumt durch forschen Tritt
bleib stehen – gib der Zeit die Muße
dich einzuholen ohne Hast
und schon wird von der Seele wehen
der Nebel deiner Tage Last

ee


 

Seid auf der Hut …

 

 

Er versucht doch stets für mich zu denken

mein superschlauer Heimcomputer

versucht mich  irgendwo hin zu lenken

bis ich dann sag laß’ es mein Guter

 

Entweder ignoriert er mich

ich merk’s an seinem seelenlosen Blinken

dann schäum ich manchmal innerlich

möchte’ mit der roten Karte winken

 

Doch da ich weiß, daß er nur das macht

was irgendwer ihm eingebläut

zwing ich ihn bis sein Inn’res kracht

und er zerknirscht mein Wollen freut

 

Drum merkt euch – wenn die Hilfsgehirne

euch vordergründig überlegen

sie haben nicht mal soviel in der Birne

daß sie könnten ’ne Strasse fegen

 

ee

 

 

Seidenweiche Abendlüfte

füllen still der Liebe Raum

zärtlich zitternd Sommerdüfte

streicheln zart der Nächte Traum

du spürst der Liebsten kosend’ Hände

sie öffnen dir das Paradies

verzaubert schwinden Trennungswände

sind plötzlich

nur noch weiches Flies

ach -  könnt’ die Nacht doch endlos dauern

ach – könnt’ das Fühlen ewig sein

das Glück lässt dich im Schlaf erschauern

wenn du erwachst

bist du allein

 

ee

 


Sie taten den Schritt in das Leben

gefragt hat man sie nicht

nur hat man vergessen zu geben

was Leben dem Leben verspricht

denn ohne schützende Hände

und ohn’ eine führende Hand

läuft junges Sein gegen Wände

und weiß nicht ’mal um diese Wand

sie spüren nur irre Verletzung

und denken

das müsste so sein

geformt

von der schlimmen Erfahrung

kriechen sie in sich hinein

 

ee