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Vater unser, der du bist im Himmel

so trauen sie sich zu sagen

die Mächtigen hier unten im Erdengewimmel

die Mächtigen, die um seine Meinung nicht fragen

wenn sie vernichten und wenn sie töten

wenn sie ihr schreckliches Werk verrichten

ohne dabei vor Scham zu erröten

 

Geheiligt werde dein Name

erklingt es aus ihren schartigen Kehlen

und wird reklamiert wie Seifenreklame

wenn sie lächelnd den Mord an Völkern befehlen

 

Dein Reich komme

klingt es wie Stöße aus Himmelstrompeten

wenn sie wie scheinbar ergebene Fromme

das Recht auf Leben mit Füßen getreten

 

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden

hört man sie lauthals verkünden

doch nie hört man die Frage

was soll aus den Opfern denn  werden

den Opfern der menschlichen Sünden

 

Unser täglich Brot gib uns heute

bitten sie fordernd mit randvollem Munde

mit Händen die triefen von blutiger Beute

die sie geschlagen in weltweiter Runde

 

Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern

klingt es wie Hohn und leeres Geschwafel

von ihrer gedeckten, für die Armen aber verbotenen, Tafel

 

Und führe uns nicht in Versuchung

tönt es begleitet von höhnisch Gelächter

als Gipfel der Gottesverachtung

aus den Kehlen der grausamen Schlächter

 

Sondern erlöse uns von dem Übel

dem Übel, das ringsum die Erde verschandelt

so fordern sie in lautstarkem Chor

darum haben sie schon mal die Geschöpfe behandelt

mit Uran und Chemie und ätzendem Chlor

 

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit

mit diesen untertänigen Worten

tun sie dann ihre Gehorsamkeit kund

Verwüstung zu schaffen an allen Orten

als Grundlage für einen höllischen Bund

 

Amen

schallt’s dann durch Kirche und Tempel

laut und vernehmlich wie Herrschers Punktum

es knallt wie bekräftigend Stempel

unter ein Urteil – und sei’s noch so dumm

 

© ee