Die Totengräber der Gesellschaft

Ob Wind und Wetter

Tod und Teufel

 

nichts gibt es, was mich noch schreckt

 

einzig ich noch höher kletter

wenn die Flut die Füße leckt

die Flut der falschen Moralisten

die segeln im Gesetzeswind

die verschmutzen alle Küsten

und tun als sei’n sie harmlos Kind

die Flut der weißen Westenträger

die fischen im Gesellschaftssumpf

gegen die Justitias Jäger

mit Waffen kämpfen die meist stumpf

die Flut der gierig’ Profiteure

im Börsen und im Geldgeschäft

die unterm Anzug schmutzig Göre

die nicht einmal ein Hund ankläfft

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In Bayreuth da war wieder richtig was los.

Die Herren allesamt zeigten strahlende Mienen -

über Frackhemd oder Ordensschnalle -

weil die Damen in den herrlichsten Roben erschienen.

Der rote Teppich lag glatt – er fühlte sich geehrt,

weil kein missratenes Tuch ihm die Freude beschwert.

Doch plötzlich da zog er sich Falten und Knitter,

als hätte er Angst wie ein Kind vor Gewitter.

Doch es war nicht die Furcht vor einem drohenden Sturm -

und auch nicht der Ekel vor sich ringelnden Wurm.

Es war das Erschrecken über eine Bratwurst im Kleid -

auf seinem roten Gewebe tat sie ihm irgendwie leid.

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Man stelle sich einmal vor, was wäre wenn …

 

Gestern berichtete mir ein Freund mit ziemlicher Betroffenheit vom plötzlichen Tode eines Bekannten. Dieser Mensch hatte mit 62 den Gipfel seines Schaffens erreicht, und freute sich auf die nun vor ihm liegende unbeschwerte Talfahrt bis ans Ende seines irdischen Daseins. Es sollte nach seinen Vorstellungen locker einige Jährchen bis zum Verbrauch der Reserven dauern. Keine 24 Stunden nach seiner letzten Schicht lag er aber schon aufgebahrt in der Aussegnungshalle am Ort seines bisherigen Wirkens.

Da mein Freund auch nicht mehr zu den Jüngsten zählt, bedrückte ihn dieses Geschehen natürlich.

Ich habe versucht die grauen Schatten von seinem Denken zu nehmen, indem ich ihn aufforderte das Ganze doch mal aus einem anderen Blickwinkel heraus zu betrachten.

Dieser Mensch aus seinem Bekanntenkreis der da plötzlich nicht mehr war, hätte doch für sein vorbildliches gesellschafts-politisches Verhalten posthum den höchsten Orden des Landes verdient. Die finanzielle Entlastung der Gesellschaft durch sein frühes Ableben wäre doch immens groß. Wenn nun jeder Bürger sich so selbstlos verhalten würde, gäbe es keine wie auch immer gearteten Probleme mit der Altersversorgung. Die vermaledeiten Pensions- und Rentenkassen als drückende Bürde für den Staatshaushalt könnten abgeschafft werden. Die Pflegeversicherung als Klotz am Bein der Krankenversicherer hätte ihre Daseinsberechtigung verloren. Den nachwachsenden Generationen würde der Grund für ein schlechtes Gewissen beim Anblick von alten einsamen Familienmitgliedern genommen. Enkel- und Urenkelkinder müssten sich nicht mehr das stetig sich wiederholende Geschwafel ihrer Großeltern von der schönen alten Zeit anhören. Betuchtere Omas und Opas würden durch die Befriedigung ihrer Reisewut mit Fliegern aller Couleur nicht mehr die Atmosphäre belasten. Das alles wären doch unschätzbare Vorteile für eine moderne Gesellschaft. Am besten würde das Ganze dann in einem Gesetzestext zur einvernehmlichen Regelung der Altersstruktur zusammengefasst werden.

Parlamentarier wären davon natürlich ausgenommen, um eine zügige Verabschiedung und regelmäßige Novellierung des Gesetzes durch Bundestag und Bundesrat zu gewährleisten.

Natürlich hätte dieses ‚Sonnengesetz’ auch seine Schatten-seiten. Da wären zum Beispiel die Verluste bei Banken- und Versicherungskonzernen, die nicht mehr provitabel ‚Riestern’ könnten – da wären zum Beispiel die Kassen der Verbände und Parteien, in die keine Provisionen von den Versicherern für vermittelte ‚Riesterverträge’ mehr fließen würden - da wären zum Beispiel die vielen Betreiber und Investoren der Pflegeheime, die nicht mehr ‚Pflegen’ könnten – und da wäre nicht zuletzt der Staat der in sogenannten Krisensituationen die Rentenkassen nicht mehr plündern könnte.

Als ich meinem Freund das alles dargelegt hatte, da hellte sich auch seine Miene wieder auf – bis dann nach einer kurzen Pause seine Frage kam: Aber ist das, was du mir da gerade erzählt hast, nicht alles menschenunwürdig?

 

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