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Was mag wohl drin sein in den Päckchen

da unterm bunten Weihnachtsbaum

ganz vorne steht ein pralles Säckchen

und fesselt Hinnis Sehnsuchtstraum

er wünscht sich doch so lange schon

’nen Bären der tief brummen kann

vielleicht auch noch ein Grammophon

mit einem großen Trichter dran

drum hat er jetzt den Santa Claus

intensiv gebeten

doch in diesem Jahr an seinem Haus

fest in die Brems zu treten

es hat gewirkt – das sieht er schon

denn aus dem Leinensack dem großen

schaut oben raus das Grammophon –

der Bär hat’s rausgestoßen

 

ee © 2008

 

 

 

 

Äpfel mit knallroten Bäckchen

Päckchen sorgsam eingepackt

Nuß und Mandelkern in Säckchen

die Sterne glänzen wie gelackt

das einzig Licht im ganzen Haus

scheint von den Kerzen rings am Baum

die Stube sieht so festlich aus

heut wird er wahr – der Menschen Traum

Friede wird’s auf Erden geben

jeder sei des anderen Freund

gönne ihm das bißchen Leben

und das auf ihn die Sonne scheint

 

ee © 2007


 

 

 

 

Weihnacht in Deutschland

Weihnacht in Russland

und überall sonst wird es still

in der Welt

besinnt euch des Friedens

besinnt euch der Gaben

und spürt wie die Hoffnung

hernieder fällt

schaut die Wege die ihr gegangen

seht was daraus geworden ist

nehmt der Zukunft das ängstliche Bangen

ob Moslem, ob Hindu, ob Jud’

oder Christ

reicht euch die Hände

und windet ein Band

über Mauern und Wände

von Land hin zu Land

 

ee©2007

 

 

 

 

 

 

 

Gold’ne Kugeln, rote Kerzen

grün und duftend ein Tannenbaum

Kinder in der Stube scherzen

heut wird erfüllt so mancher Traum

Lichter blinkern in den Räumen

draußen schneit es winterweiß

neben bunten Zuckerschäumen

duftet Punsch – schön süß und heiß

heute hat der Alltag Pause

die Freude tritt an seine Statt

wer’s mag macht eine Riesensause

und futtert Weihnachtsplätzchen satt

um Mitternacht da wird es still

jeder schweigt auf seine Weise

ein Stern zeigt an was werden will

und verlöscht dann wieder leise

wer ihn gesehen weiß was ist

und hält den Atem an

es war der Stern vom heiligen Christ

als das Licht vom Weihnachtsmann

 

ee©2007


 

 

 

 

Weihnachtsmarkt mit Glühweintrinken

selbst Knecht Ruprecht kommt dazu

bei Zimtröllchen und Parmaschinken

denkt er hier genießt du deine Pausenruh

doch wird es nichts mit Festbesinnung

weil Rummel rummelt immerfort

ihn schreckt der Menschen Kaufrauschstimmung

drum entflieht er diesem lauten Ort

er läßt die Leute in den Fängen

seelenloser Umsatzjäger

da können sie dann flatternd hängen

bis endlich kommt der Straßenfeger

ist alles dann zusammengekehrt

die Festtage vorüber

dann säuft man völlig unbeschwert

sich ins neue Jahr hinüber

 

ee© 2007


 

Es weihnachtet sehr . . .

Die Sterne rollen durch den Himmel

kugelrund und blankpoliert

Knecht Ruprecht putzt schon seinen Schimmel

der Schlitten wird bunt ausstaffiert

auf Wolkenstrassen wird er sausen

von Haus zu Haus - von Kind zu Kind

hörst du die Weihnachtsstürme brausen

das ist der Engel Antriebswind

sie fliegen durch die kalten Nächte

schau’n wohl rein in jedes Haus

sie schweben durch Kaminens Schächte

als Boten für den Santa Claus

wer in des Jahres großem Buch

als lieb und folgsam steht beschrieben

der kriegt aus dem Gabentuch

Geschenke bis zu Stücker sieben

bei Kindern die nicht brav gewesen

da wird die Rute ’rausgeholt

sie kriegen die Sünden vorgelesen

und ihre Hintern fest versohlt.

 

ewald  eden

 

 

Ein anderes Weihnachten . . .

 

Der Winter war über Nacht ins Land gekommen – auf leisen Sohlen.

Vielleicht hatte er von weitem das erste Lichtlein am Adventskranz gesehen, der in dem großen Treppenhaus hing.

Vielleicht war er auch aufgewacht, weil er die Kinder hatte singen hören, die am Morgen unter den Tannenzweigen standen, und Lieder in die kalte Luft des großen Flures schickten. Es waren keine Lieder von Weihnacht und froher Erwartung – nein. Es waren Lieder vom Zug gegen Engeland und von Franzosenhatz. Lieder von flatternden Fahnen und Soldatenehre mußten sie singen.

Akkurat ausgerichtet standen sie da. Mit Kniestrümpfen, kurzen Röcken oder Hosen und kurzärmeligen Hemden bekleidet - in Zweierreihen - wie Rekruten auf einem Kasernenhof. Ein bißchen froren sie schon – so wie sie da standen, als Volkes Stolz.

Man hörte es an den Stimmen - die sich zaghaft aus den kleinen Kehlen zitterten.

Während sie sangen schauten sie fest geradeaus auf ein Männerbild über einer blutroten Fahne - an der Wand vor ihnen. Unter diesem Bild standen zwei große Menschen - eine Frau und ein Mann.

Die froren nicht - in ihren piekfeinen Uniformen und den blank gewienerten Stiefeln. Sogar feine weiße Handschuhe trugen sie.

Die Kinder kannten es nicht anders - sie wohnten hier, in diesem riesengroßen Haus, solange sie denken konnten. Mama und Papa und vieles andere konnten sie wohl schreiben - gewiß - sie mußten ja viele Stunden am Tage lernen. Aber eingeschlafen in Mamas Armen - oder Huckepack beim Papa auf den Schultern durch die Gegend reiten – soetwas  kannten sie nicht - die kleinen Waisenkinder.

Fünf  Weihnachten  dauerte dieser schreckliche Krieg nun schon - und er wurde immer lauter und lauter.

Die älteren unter ihnen wußten von anderen Weihnachten zu erzählen - von bunten Weihnachtsbäumen – vom Geruch gebratener Äpfel - von Engelsbildern und von Knecht Ruprecht.

Das taten sie aber nur des Abends - wenn das Licht ausgedreht war - flüsternd und unter der Bettdecke.

Vier Sonntage standen sie in dem kalten Flur - und sangen mit ihren dünnen Stimmchen - und jedesmal brannte eine Kerze mehr am Adventskranz - viermal - und dann war Heiligabend. Und plötzlich war es ruhig in dem großen dunklen Haus. Keine piekfeinen Uniformen und keine blank gewienerten Stiefel waren mehr zu sehen – kein Hacken schlagen und kein harscher Befehl polterte mehr durch die hohen Räume - nur noch Stille war zu vernehmen.

Verängstigte Kinder in Kniestrümpfen und kurzen Röcken und Hosen drückten sich in die Ecken.

Bis auf einmal Frauengestalten in den Stuben  erschienen – es schienen Engel zu sein in langen weißen Gewändern - mit Schleierhauben auf dem Kopf, und Frieden in den Gesichtern. Jedes Kind wurde von ihnen in die Arme genommen und geherzigt - und hinter den Engeln stapften bärtige, schmutzige, verdreckte Männer mit Stahlhelmen auf den Köpfen einher - die  Schokolade, Kaugummi und Spielzeug an die Kinder verteilten.

Da wußten auch die jüngeren Kinder - es gab sie - die Engel und Knecht Ruprecht, von denen die älteren unter ihnen berichtet hatten. Die Geschichten von dem anderen Weihnachten waren keine Märchen gewesen.

 

ewaldeden

 

Das Weihnachtsfest steht vor der Tür …

 

Plätzchen backen in der Küche -

ganz viele Muttis mühen sich,

durchs Haus ziehen die Wohlgerüche -

die Kekse werden Stich um Stich.

 

Ringsumher die Kinder wuseln -

mit Teig im Mund und im Gesicht,

die Papas überkommt ein gruseln -

sie fliehen ihrer Vaterpflicht.

 

Im Bierlokal am Brauergarten

da finden sie sich alle ein -

sie kloppen dort vergnügt die Karten,

und lassen Weihnacht Weihnacht sein.

 

Der Weihnachtsmann er hört sie lachen -

er riecht des Bieres leckren Schaum.

Sagt - was soll der Arme machen?

Er erfüllt sich einen Jugendtraum.

 

Er hockt sich zu den fröhlich’ Zechern -

bestellt für alle gleich ein Bier,

und bleibt bei ihnen um zu bechern -

bis in der Frühe kurz vor vier.

 

Sein Rentier bringt ihn dann beschickert

sicher heim ins Weihnachtsland -

am Morgen wird ihm dann verklickert,

daß kein Kind auf Erden Geschenke fand.

 

Die Väter haben nichts zu lachen,

als sie aus ihrem Rausch auftauchen -

die Mamas lassen die Ruten krachen,

und vieler Papas Köpfe rauchen.

 

Sodass sie alle auf die Schnelle

des Weihnachtsmannes Job verrichten,

und überall an seiner Stelle

all die guten Gaben schichten.

 

Sie haben Weihnachten gerettet

es ist noch mal davongekommen

obwohl Knecht Ruprecht schon gewettet

das Fest wär auf immer fort geschwommen

ee

 

 

 

 

Weihnachten – so fragt mich ein frierendes Kind,

Onkel, was ist das - kannst du es mir sagen?

Ich hab’ auch schon gesucht – aber ob ich es find’

in diesen hektischen Tagen?

Ich sehe nur Berge von teuren Sachen  

ich hör’ nur das klingeln von Kassen.

Kein strahlend Gesicht, und kein fröhlich Lachen -

ich spür nur Kälte ans Herz mir fassen.

Ein jeder hat Sorge das Fest zu versäumen,

und daß die Geschenke nicht groß genug sind.

Anstatt nur mal so in den Tag reinzuträumen,

und hoffen auf Frieden durch das himmlische Kind

 

ee ©

 

 

Der verzweifelte Weihnachtsmann ..

 

Ich hau in den Sack,

sagt der Weihnachtsmann,

und pfeffert die Rute auf den Müll.

Schau dir doch mal den Scheißdreck an,

mit dem ich die Wünsche der Kinder erfüll’.

Ich krieg nur noch Schrott aus der Kunstmaschine -

kein handgestopft’ Teddy, und kein Pferd aus Holz,

keine Puppenstube mit Tüllgardine -

nichts, worauf früher die Kleinen so stolz.

Kein Bilderbuch gibt’s mehr,

und keinen Roller zum treten,

keine Stifte zum malen,

und keine Knete zum kneten.

Nur Videos muß ich verteilen,

die den Kleinen die Augen verderben,

und die für die Großen,

die leben vom Sterben.

Ich habe schon lange nicht mehr gespürt,

daß ein Herz durch Weihnachten angerührt.

Was soll also dieses ganze Gemiste,

dieses Gedöne aus vergangener Zeit?

Ich pack meinen Mantel in die Mottenkiste,

und mach mich zum Abgang bereit.

 

ee

 

 

Der Spiegel . . .

 

Heiligabend steht im Land. Es ist der dritte Heiligabend nach dem großen Weltenbrand.  Gretmarie steht vor dem blanken Spiegel, der über der Waschschüssel in der kleinen Kammer hängt, die seit tausend Tagen ihr Zuhause ist. 

Es ist ihr zuhause seit der Nacht, in der ein eiserner Tod aus den Wolken gefallen ist - und inmitten ihres Elternhauses seinen Verderben bringenden Grüßen freien Lauf  ließ. 

Als sie morgens, vom Wachdienst im Feldlazarett, heim kam, gab es für sie kein Zuhause mehr.  Sie fand einzig ein schwarzes, tiefes Loch - aus dem glimmernder Rauch, wie Teufelsatem, wehte

Mutter, Vater, vier Schwestern, sechs Brüder – sie waren einfach weg.  Nichts hat man von den zwölf  Menschen gefunden - nichts, was man auf dem Kirchhof  hätte zur letzten Ruhe betten können. 

Bloß der Spiegel, vor dem sie steht, der hing unversehrt in einem Apfelbaum.  Den haben die Nachbarn gefunden. Wie lange sie schon vor dem Spiegel steht, weiß sie nicht. 

Ihr Denken ist nicht bei ihr - nicht an dieser Stelle. Ihr Denken läuft in dem Tag herum, als Marten mit dem Spiegel ankam, als ein Geschenk für seine Gretmarie. 

Seit einem Jahr gingen sie damals schon zusammen.  Gewiß - sie kannten sich schon aus der Schulzeit - aber Herz und Herz haben erst Jahre später zusammen gefunden, als sie sich irgendwo zufällig begegneten. 

Die Zeit war schwer - gerade, daß man zu essen hatte - und das war häufig auch noch wenig genug.  Gretmarie war das siebte von elf Kindern - ihr Vater war Landarbeiter beim Bauern. 

Marten, als der älteste von sechs kleinen Schusterjungen, mußte Tag für Tag seinem Vater beim Flickschustern helfen.  Aus ihrer beider Elternhaus schaute die Not mit hungrigen Augen häufiger heraus, als der funzelige Lichtschimmer der trüben Öllampe. 

Sie hatten keinen Platz für Schnickschnack, und neumodischen Kram. 

In Gretmaries Familie gab es nur einen kleinen Spiegel – und der war so spakig - man konnte sich mehr in ihm ahnen, denn sehen. 

Kurz bevor sie in der kleinen Deichkirche heiraten wollten, überraschte Marten sie mit dem Spiegel - weil - seine Braut sollte doch sehen, wie schön sie war - wenn der Hochzeitstag anbrach. 

Dafür hatte er Nächte gesessen, und für einen reichen Bauern ein paar Stiefel geschustert.  Das Leder hatte der Bauer beigesteuert - es war so knochenhart - ein paar Mal hatte Marten sich die Fäuste daran aufgerissen.  Aber er ertrug es geduldig, denn es war ja für seine Gretmarie. 

Sie glaubt, im schummerigen Halbdunkel der Kammer die Blutstropfen an dem rauchigen Rahmenholz leuchten zu sehen.

Ihre Gedanken gehen weiter zurück. In einer lauen Sommernacht hatten sie sich ohne viele Worte versprochen - zu Weihnachten sollte es soweit sein. 

Und dann hatte jemand die Welt verdreht - meinte Herrgott spielen zu können.  1939  stand im Kalender.  Der Augustmonat hatte der Zeit gerade den Rücken zugekehrt, da war Krieg im Land. 

Marten hat ganz vorne - mit bei den ersten Soldaten - Polen zu sehen bekommen. 

Mit der Hochzeitsfeier wollten die beiden deswegen warten, bis wieder Frieden im Land eingekehrt war.  In ein paar Wochen - so hörten es die Menschen jeden Tag im Radio – in ein paar Wochen würde es wieder bunte Blumen regnen. 

Die bunten Blumen kamen nicht an den Tag - und ein Jahr ging über das andere dahin.  Ein Weihnachten ging über das andere dahin. Dreimal ist Marten in den Jahren an Weihnachten zu Hause gewesen. Jedesmal waren es nur ein paar kurze Stunden in dem kleinen Haus am Siel - ein paar Stunden Herzklopfen in den Armen seiner Gretmarie. 

Heimaturlaub stand großspurig in seinem Marschbefehl. 

Dreimal hat Gretmarie für ein paar Stunden sein warmes Leben gespürt – dreimal hatte sie danach gebangt, in Hoffnung zu sein. 

Und dann kam da nichts mehr, als bloß ein Stück amtlichen Papiers. Ordnungsgemäß versehen mit Reichsadler und Hakenkreuz unter der schwungvollen Unterschrift - so wie es sich gehörte. 

Ein paar hohle Worte standen darüber - von deren Inhalt sie nur eines begriff: Vermißt!  Gretmarie hat ihren Marten vermißt - vermißt besonders an dem Morgen, als sie allein vor dem tiefen, schwarzen Loch stand, und nur noch glimmerigen Rauch sah. 

Marten - ihre erste, ihre große Liebe.  Acht Jahre wäre sie heute schon seine Frau - wenn nicht irgendjemand hätte Gott spielen wollen. 

Sie kann plötzlich nichts mehr sehen - weil das Wasser ihr in die Augen schießt - und zwei salzige Spuren auf ihre Wangen zeichnet. 

Laut spricht sie ein Gebet. Sie ist nicht wütend auf ihren Herrgott - sie erträgt ja alles - bloß das alles zu begreifen, das hat er ihr noch nicht gelehrt. 

In ihrer inwendigen Trauer hat sie nicht mitbekommen, daß die Tür sich geöffnet hat. Zwei Mannsbilder sind leise in die Kammer getreten - als wenn Engel durch den Himmel fliegen. 

Eines von ihnen ist der greise Pastor Wübbenhorst - das andere ist Marten - ihr Marten.  Gretmarie glaubt zu träumen - sie greift nach ihm – sie streichelt sein mageres Gesicht - und spürt, daß er lebt.  Er lebt - er lebt wahrhaftig. 

Wie ein bildhaftiger Weihnachtsbaum stehen die beiden vor dem blanken Spiegel.

Jetzt kann sie doch noch sehen, wie schön sie als Braut aussieht. 

Das Strahlen und das Leuchten - das hat der alte Pastor Wübbenhorst dazugetan.

Er hat das Versprechen der beiden - von vor neun Jahren – noch in der kleinen Kammer in ein Sakrament gepackt - er hat Gretmarie und Marten auf der Stelle getraut. 

Das neue Leben - das in dieser heiligen Nacht in Gretes Leib zu Leben wurde - das betrachten die beiden heute noch als ihr Christkind.

 

ewaldeden