Wilhelmshaven Spezial …

oder warum sind die Helgolandfahrten so ins Abseits geraten?

 

Die Zeiten in denen die Reise mit einem Bäderschiff zum ‚Roten Felsen’ in der Nordsee fester Bestandteil im Programm fast aller Jadestadt-besucher war, gehören leider der Vergangenheit an.

Geändert hat sich aber nicht nur das Zielverhalten der Gäste der grünen Stadt am Meer – auch für die Einheimischen hat der Magnet Hochseeinsel beträchtlich an Anziehungskraft verloren.

Woran mag es liegen, daß des Kaisers Stadt zum bedeutungslosen Ausgangspunkt für Helgolandfahrten geworden ist? In den Köpfen der Verantwortlichen scheint das Wissen um den Nutzen dieser Verbindung keinen Wert mehr zu besitzen. Anstatt die heimischen Schätze in der Stadt und vor den Toren zu pflegen, hetzt man im Högerbau lieber Trugbildern einer Globalisierung hinterher. Die Reihe der vernachlässigten Dinge ist schon sehr lang.

Die Macher in den Reedereien sind allerdings auch nicht bar jeder Schuld an dieser fatalen Entwicklung. Für sie dürfte es doch ein leichtes sein, herauszufinden was ‚Gast’ dazu bewegt ‚nicht’ an Bord zu gehen.

Wer in den letzten Tagen seine Scheu vor dem provisorischen ‚Bäderdampfer Autofähre’ überwunden und das Kleinod weit draußen vor der Küste besucht hat, konnte auf jeden Fall feststellen, daß nicht die Gegebenheiten auf der Insel daran schuld sind.

Die Naturschönheiten und –wunder, die den Besucher auf der einzigen deutschen Hochseeinsel erwarten gibt es so sonst nirgendwo zu sehen.

Wenn es nicht die gelben Blüten des wilden Kohls sind, die den harschen Felsen bedecken, dann ist es die weiße Pracht unzähliger Margeriten die wie ein Teppich die Steilwände überzieht.

War Helgoland schon von jeher durch die unzähligen, pinguinähnlichen Trottellummen (die kleinen Oberkellner) bekannt, die auf dem nach ihnen benannten Felsen brüten, haben in jüngerer Vergangenheit vermehrt Dreizehenmöwen und Baßtölpel den roten Sandstein zu ihrer Kinderstube gemacht. In trauter Nachbarschaft übrigens mit den alteingesessenen Lummen. Die Dreizehenmöwe bricht übrigens in Bezug auf den Platz-bedarf für ihre Brutstätte alle Minusrekorde. Jeder noch so kleine Vorsprung in der schroffen Felswand reicht ihr für ihr Heim.

Wer sich vom schwindelerregenden Sturzflug der Baßtölpel, oder vom schreckenauslösenden Sprung der noch flugunfähigen Junglummen vom Felsen ins Meer hinunter, durch den eleganten Flug des Eissturmvogels noch nicht erholt hat, der sollte zur vorgelagerten Düne überwechseln, um beim baden im türkisfarbenen Wasser angeregt mit den neugierigen Kegelrobben zu plauschen.

Zu all diesem Erleben gehört unbedingt der Besuch der Vogelwarte auf dem Oberland, und als Kontrapunkt eine Stippvisite im Aquarium auf dem Unterland. Wer alles das mit Vergnügen hinter sich gebracht hat, der sollte auf seinem Weg in eines der urgemütlichen Gasthäuser nicht blind an der Welt der zauberhaften kleinen Helgoländer Gartenhäuschen vorüber gehen.

 

Übrigens – der Helgoländer Eiergrog ist immer noch allein für sich schon eine Reise wert, auch wenn das Beförderungsmittel zur Insel nicht mehr mit dem Charme der alten Bäderschiffe  glänzen kann.

 

ee